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Bücher

Literaturnobelpreisträger José Saramago ist tot

Seine Romane wie "Das Memorial" oder "Die Stadt der Blinden" machten ihn berühmt. Der Portugiese gehörte zu den wichtigsten Literaten der Welt.

José Saramago (AP Photo/Armando Franca)

José Saramago

Die Welt, so fand José Saramago, sei eine Hölle, in der nur derjenige optimistisch sein kann, der gefühllos, dumm oder Millionär ist. Entsprechend düster zeichnete der portugiesische Schriftsteller in seinen Romanen die äußeren Umstände, mit denen die Protagonisten zurecht kommen müssen. Trotzdem avancierte er ab den 1980er Jahren zu den meist übersetzten und meist gelesenen Autoren Portugals. Jetzt ist José Saramago im Alter von 87 Jahren gestorben.

Vorbilder in der eigenen Geschichte

Verleihung des Literaturnobelpreises am 10. Dezember 1998 (c) dpa - Bildfunk

Verleihung des Literaturnobelpreises am 10. Dezember 1998

Dass häufig so genannte "kleine Leute" im Mittelpunkt seiner Werke stehen, hat in gewisser Hinsicht einen biografischen Hintergrund: José Saramago, der am 16. November 1922 als Sohn eines Landarbeiters in einem Dorf der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren wurde, musste seine Schullaufbahn aus finanziellen Gründen abbrechen und machte eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Später arbeitete er als Büroangestellter und begann nach 1955 erste Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Ab 1968 war er journalistisch tätig und arbeitete als politischer Kommentator und Literaturkritiker, was allerdings für den überzeugten Kommunisten nicht ganz einfach war. Seit 1980 etablierte Saramago sich als freier Schriftsteller.

Romanerstling mit 55 Jahren

1977 erschien sein erster Roman "Das Handbuch der Malerei und der Kalligraphie", der bereits internationales Aufsehen erregte. Der endgültige Durchbruch gelang Saramago mit den Romanen "Hoffnung im Alentejo", "Das Memorial" und "Das Todesjahr des Ricardo Reis", die zwischen 1980 und 1984 erschienen. Mit "Das Evangelium nach Jesus Christus" sorgte der bekennende Atheist 1991 für heftige Kontroversen in Portugal. Weil er Christus als lebenshungrigen Jüngling darstellte, der an Glauben und Wundern zweifelt, wurde das Buch sogar von der Liste für den europäischen Literaturpreis gestrichen. Als Reaktion darauf verließ Saramago seine Heimat und ließ sich 1993 auf der spanischen Insel Lanzarote nieder.

Zorn am Lebensende

Doch bald wurden ihm bald höchste literarische Ehren zuteil: 1998 erhielt er für sein Werk den Literaturnobelpreis. Heute zählt Saramago zu den wichtigsten Schriftstellern der Welt, der sich in seinen Büchern als kritischer Kommentator des Weltgeschehens zeigt. Charakteristisch für seinen Erzählstil ist eine bilderreiche, mitunter barock anmutende Sprache, die meist mit feiner Ironie oder bitterem Sarkasmus gebrochen wird. Allerdings sorgte Saramago in jüngster Zeit auch mit zornig schrillen Tönen für Irritationen: So schimpfte er gegen die USA und George W. Bush, gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi oder den Papst. Seine umstrittenen Äußerungen etwa zur israelischen Palästinenserpolitik führten dazu, dass der Schriftsteller nach Kritik des Rowohlt Verlages sein gesamtes Werk dort abzog und es nun bei Hoffmann und Campe veröffentlichen ließ.

Autor: Klaus Gehrke (dpa,ap)
Redaktion: Gabriela Schaaf

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