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Kultur

Literaturnobelpreis für Patrick Modiano

Es ist die begehrteste und wichtigste literarische Auszeichnung der Welt: der Nobelpreis für Literatur. In diesem Jahr geht er an Patrick Modiano. Der Autor ist der 15. Franzose, der die Auszeichnung erhält.

Mit seinen Werken will er "die Schicht des Erinnerns" durchstoßen. Egal, ob in seinem jüngsten Buch "Der Horizont", in "Unfall in der Nacht" oder "Aus tiefstem Vergessen" – stets beschreibt der 69-jährige französische Autor Patrick Modiano in seinen Romanen, Novellen und Erzählungen Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit im Paris der Nachkriegszeit. Für eben diese "ganz besondere Erinnerungskunst" wird Modiano nun mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

Der französische Autor hat rund 30 Bücher verfasst, vor allem Romane, aber auch eigene Kinderbücher. Seine Werke sind meist kurz gehalten, und sie seien in einer einfachen, raffiniert gewobenen Sprache verfasst, lobte das Nobelpreis-Komitee. Während der Franzose in seiner Heimat sehr bekannt ist, zählt er international zu den weniger berühmten Schriftstellern. Seine Werke seien häufiger ins Schwedische als ins Englische übersetzt worden, sagte Komitee-Sprecher Peter Englund. Modianos Verlag in Deutschland, der Carl Hanser Verlag, zeigte sich nach den Worten von Geschäftsführer Jo Lendle überrascht über die Ehrung. Zwar habe Modiano schon mehrmals als Favorit gegolten, auf die Auszeichnung sei man dennoch nicht vorbereitet gewesen, so Lendle am Donnerstag auf der Buchmesse.

Familienschicksal als Thema

Patrick Modiano wurde in Boulogne-Billancourt als Sohn italienisch-jüdischer Einwanderer geboren. Sein Vater Albert war Kaufmann, seine Mutter Luisa Colpeyn flämische Schauspielerin. Seine Eltern hatten sich in Paris während der deutschen Besatzungszeit kennengelernt. Modiano verbrachte seine Kindheit in Paris. Sein einziger Bruder Rudy starb 1957 im Alter von nur zehn Jahren. Sein Tod war ein Schock für Modiano. Der Autor hat ihm in der Zeit zwischen 1967 und 1982 zahlreiche seiner Werke gewidmet.

Patrick Modiano in seinem Arbeitszimmer. Seine Werke sind in seiner Heimat preisgekrönt, international aber wenig übersetzt worden. (Foto: Frédéric DUGIT)

Modianos Werke sind in seiner Heimat preisgekrönt, international aber wenig übersetzt worden

Modiano wurde schon mehrfach ausgezeichnet: So erhielt er 1978 den begehrten französischen Prix Goncourt für den Roman "Die Gassen der dunkeln Läden" und wurde 2012 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet. Modiano ist der fünfzehnte französische Schriftsteller, der mit dem Nobelpreis geehrt wird.

Wenige Frauen unter den Preisträgern

Für den diesjährigen Literaturnobelpreis wurden nach Angaben der Organisatoren 210 gültige Vorschläge aus aller Welt eingereicht. Das Nobelkomitee erstellt Namenslisten, die in der Adakemie schließlich auf fünf Kandidaten reduziert werden. Zu den Favoriten zählten unter anderem der schon mehrfach nominierte Japaner Haruki Murakami, der Kenianer Ngugi Thiong'o sowie der Österreicher Peter Handke.

Der bisher jüngste Preisträger war 1907 mit 42 Jahren der britische Autor Rudyard Kipling ("Das Dschungelbuch"). Als älteste Schriftstellerin erhielt 2007 die Britin Doris Lessing den Literaturnobelpreis. Im vergangenen Jahr wurde die Kanadierin Alice Munro ausgezeichnet. Bislang gelang dies in der langen Geschichte des Nobelpreises nur 13 Frauen.

Preis zum Wohl der Menschheit

Der mit acht Millionen Schwedischen Kronen (etwa 900.000 Euro) dotierte Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 von der Schwedischen Akademie in Stockholm vergeben. Stifter ist der 1896 gestorbene schwedische Industrielle Alfred Nobel. Nach dem Willen des Unternehmers, der selbst Gedichte und Dramen verfasste, soll das ausgezeichnete Werk von hohem literarischen Rang sein und dem Wohl der Menschheit dienen. Der Preis wird jeweils am 10. Dezember, Nobels Todestag, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm verliehen.

sd, as (dpa, AFP, epd)

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