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Bücher

Literaturnobelpreis für Orhan Pamuk

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den türkischen Romancier Orhan Pamuk. Er habe neue Symbole für den Zusammenprall und die Vernetzung von Kulturen gefunden.

Porträt Orhan Pamuk

Orhan Pamuk (Archivfoto)

Zum ersten Mal erhält ein Schriftsteller aus der Türkei den begehrten Nobelpreis für Literatur. Der 54-jährige Orhan Pamuk hat sich vor allem mit historischen Romanen im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident einen Namen gemacht. Zu den bekanntesten Werken zählen "Die Weiße Festung", "Rot ist mein Name" und "Schnee".

Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Sie werden immer am 10. Dezember in Stockholm überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).

"Alle wieder überrascht"

Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung am Donnerstag (12.10.06) damit, dass Pamuk "auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat". Der Sekretär der Nobel-Akademie, Horace Engdahl, sagte nach der Bekanntgabe: "Es gibt wohl kaum einen Autor in der Weltliteratur, der so faszinierende Stadtschilderungen schreiben kann wie Pamuk." Der Preisträger dieses Jahres sei "international wohlbekannt und ja auch als Anwärter getippt worden". "Damit haben wir wohl letztlich alle wieder überrascht", sagte Engdahl.

"Herabwürdigung des Türkentums"

In Armenien ist die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an Pamuk mit Genugtuung aufgenommen worden. Pamuk habe den Preis auch deshalb bekommen, weil er die Wahrheit über den osmanischen Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg geschrieben habe, sagte der Vorsitzende des armenischen Schriftsteller-Verbandes, David Muradjan. "Das ist eine Verbindung des Literatur-Preises mit der Moral", bekräftigte der Schriftsteller und Filmkritiker.

Pamuk hatte in einem Interview gesagt, dass in der Türkei "eine Million Armenier und 30.000 Kurden umgebracht wurden". Daraufhin war er von türkischen Nationalisten angegriffen und wegen "Herabwürdigung des Türkentums" vor Gericht gestellt worden. Das von internationalen Protesten begleitete Verfahren wurde Anfang des Jahres 2006 wieder eingestellt.

Im Ersten Weltkrieg war ein großer Teil der armenischen Christen im Osmanischen Reich vertrieben und getötet worden. Die Schätzungen
reichen von mehreren hunderttausend bis zu 1,5 Millionen Toten. (kas)

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