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Bücher

Literatur-Nobelpreis für Harold Pinter

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den englischen Dramatiker Harold Pinter. Er habe "den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt", erklärte die Schwedische Akademie.

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Höchste Auszeichnung für Harold Pinter

Pinter habe mit seinen Dramen den "Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt", hieß es in der Begründung der Akademie. Nach Ansicht von Literatur-Experten kommt diese Ehrung völlig überraschend.

Bereits als Harold Pinter seinen 70. Geburtstag feierte, machte die Formulierung vom "zornigen alten Mann" die Runde. Fünf Jahre später - zu seinem 75. Geburtstag am 10. Oktober 2005 - trugen britische Berichte über einen der wichtigsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts ähnliche Überschriften. Zwar ist es künstlerisch um Pinter immer stiller geworden; doch seinen Kampfgeist hat der linksliberale Autor, Theaterregisseur und Darsteller nicht verloren. Er attackierte immer wieder vehement die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush und des britischen Premiers Tony Blair. Einen ganz persönlichen Kampf führt er seit drei Jahren gegen Kehlkopfkrebs.

Genug der Bühnenarbeit

"Ich habe 29 Bühnenstücke geschrieben. Ich glaube, das ist doch eigentlich genug", wurde er von der Zeitung "Daily Telegraph" zitiert. Die großen schriftstellerischen Themen seien ihm inzwischen ausgegangen. Doch Radio-Hörstücke und kurze Sketche verfasste er auch in jüngerer Zeit. Anlässlich der Verleihung des Wilfred-Owen-Lyrik-Preises kommentierte er 2005 die Lage im Irak und die erklärten Ziele seiner Regierung, Frieden und Demokratie zu bringen, mit den Worten: "Was wir entfesselt haben, das sind ein grausamer und hartnäckiger Widerstand, Gewalt und Chaos."

Bei seinen Landsleuten genießt Pinter seit langem einen Ruf nicht nur als Dramatiker, sondern auch als engagierte Persönlichkeit. Ein Liebling der Gesellschaft ist der Dauergast in Nobelrestaurants ebenfalls. Und das, obwohl der reich gewordene Sozialist es nie allen Recht machte und oft aneckte. Aber das Publikum lacht bei Pinter, wie die Rezensenten immer wieder feststellten, am lautesten über sich selbst.

"Betrogen"

Der Autor reflektiert in seinen Bühnenwerken den Alltag, wirkliche Menschen, ihre Sprache und ihre Gefühle. So erzählte er in seinem häufig gespielten Stück "Betrayal/Betrogen" (1978) in einfachen Dialogen über eine - seine eigene längere - Eheaffäre. Kurz zuvor war seine 1956 geschlossene erste Ehe mit der Schauspielerin Vivien Merchant in die Brüche gegangen. Die Scheidung wurde 1980 offiziell.

Pinters Methode ist es, die Dialoge durch rätselhaftes Schweigen und Pausen zu unterbrechen. Auch das Verhalten der Akteure bleibt manchmal geheimnisvoll. Enge Zimmer, wenige Personen und Kurzauftritte von bedrohlichen Fremden sind weitere Stilelemente.

Am Anfang der Karriere Pinters, der als Sohn eines jüdischen Schneiders aus kleinen Verhältnissen im Londoner East End kam, stand der Einakter "Das Zimmer" (1957). Er spielt in einem ärmlichen Wohnzimmer eines Arbeiterehepaares. Vor fünf Jahren wurde "Das Zimmer" zusammen mit dem Spätwerk "Celebration" gezeigt, in dem Pinter einen Hochzeitstag in einem Londoner Edellokal ebenso böse wie heiter aufspießt. Pinter selbst gehört spätestens seit seiner von Schlagzeilen begleiteten Heirat mit der Historikerin Lady Antonia Fraser 1980 zur "High Society".

"Moonlight"

Weltruhm erlangte er Anfang der 1960er-Jahre mit "Der Hausmeister". Es folgten rund drei Jahrzehnte, in denen der Autor sein Publikum immer wieder mit verstörenden Werken irritierte, aber zugleich für große Theaterabende sorgte. In Deutschland wurde auch seine Groteske "Moonlight" (1993) mit Erfolg inszeniert. Mehrfach klagte Pinter über Schreibblockaden. Doch er überwand sie, unter anderem mit dem Schreiben von Drehbüchern und als aktiver Schauspieler.

Seit Ende der 80er Jahre trat er immer mehr mit politischem Engagement ins Rampenlicht. Ob es um die NATO-Bombardierung Serbiens, den Golf-Krieg oder die Rechte der Kurden ging - er stand bei Demonstrationen oder Eingaben an die Regierung oft in vorderster Reihe. (mas / mit dpa)

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