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Aktuell Europa

Litauens Staatschefin mit starkem Rückenwind in die Stichwahl

Der Ukraine-Konflikt prägte auch die Präsidentschaftswahlen im Baltikum-Staat Litauen: Amtsinhaberin Grybauskaite schlug radikale Töne gegen Moskau an und gewann die erste Runde haushoch.

Die Kommentatoren haben keinen Zweifel: Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite hat einen Riesenschritt zur Wiederwahl gemacht und die erste Runde der Wahlen in der Balten-Republik klar dominiert. Nach vorläufigen offiziellen Angaben konnte sie bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag 46 Prozent der abgegebenen Stimmen verbuchen und deklassierte ihre Konkurrenten. Aber sie muss in die Stichwahl, da sie die absolute Mehrheit verfehlte.

Wieder klare Favoritin

Am 25. Mai (parallel zur Europawahl) wird sie dort auf den sozialdemokratischen Europaabgeordneten Zigmantas Balcytis treffen, der weit abgeschlagen nur auf knapp 14 Prozent der Stimmen kam, knapp vor Ex-Parlamentspräsident Arturas Paulauskas von der Arbeitspartei mit etwa zwölf Prozent. Der Erfolg der 58-jährigen promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemaligen EU-Kommissarin Grybauskaite auch im zweiten Durchgang gilt als sicher. Vor fünf Jahren hatte sie auf Anhieb mit fast 70 Prozent einen fulminanten Sieg davongetragen und war als erste Frau an die Spitze des Staates gerückt.

Der Ukraine-Konflikt bestimmte den Wahlkampf. Wie auch in den anderen Balten-Staaten Estland und Lettland ist den Litauern die jahrzehntelange sowjetische Besatzung in leidvoller Erinnerung, und die Angliederung der Krim sowie die verstärkten russischen Grenzmanöver weckten alte Ängste. Mit ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber Russland konnte Grybauskaite bei ihrer Kampagne punkten. So ist es maßgeblich auf ihr Betreiben zurückzuführen, dass die NATO zuletzt ihre Präsenz im Baltikum und anderen osteuropäischen Staaten verstärkte.

"Auch mit der Waffe"

Während des Wahlkampfs versprach die für ihre deutlichen Worte bekannte Politikerin, ihr Land notfalls "mit der Waffe zu verteidigen". "Das Litauen von morgen hängt von der Entscheidung ab, die jeder litauische Bürger heute trifft", sagte sie bei ihrer Stimmabgabe in der Hauptstadt Vilnius (Artikelbild). Im Gegensatz zu Grybauskaite sprachen sich ihre stärksten Rivalen, Balcytis und Paulauskas, für einen Dialog mit Moskau aus.

Grybauskaite, die neben Litauisch auch Englisch, Russisch, Polnisch und Französisch spricht, wird wegen ihres resoluten Auftretens und ihres Einsatzes für eine strikte Sparpolitik während der Finanzkrise gerne mit der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher verglichen. Wie früher Thatcher genießt auch sie in ihrer Heimat und darüber hinaus den Ruf einer "Eisernen Lady".

Wie Estland und Lettland ist man auch in Vilnius seit dem Zerfall der Sowjetunion konsequent nach Westen ausgerichtet. Seit 2004 ist Litauen mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern sowohl EU- als auch NATO-Mitglied, im kommenden Jahr will es der Eurozone beitreten.

SC/gri (afp, APE)