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Fokus Osteuropa

Litauen, Lettland und Estland wollen AKW bauen

Mit einem neuen Atomkraftwerk in Litauen wollen die baltischen Staaten von russischen Stromlieferungen unabhängiger werden. Das AKW soll das bestehende in Ignalina ersetzen. In der Region formiert sich aber Widerstand.

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Das litauische AKW Ignalina genügt heutigen Anforderungen nicht mehr

Am 8. März haben Litauen, Lettland und Estland ein Memorandum über die Planungen zum Bau eines neuen Atomreaktors unterzeichnet. Dieser soll das Atomkraftwerk Ignalina ersetzen, das heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. Darüber hinaus soll das Projekt die baltischen Länder von russischen Stromlieferungen unabhängiger machen. Dem lettischen Premierminister Aigars Kalvitis zufolge ist für das Baltikum Energiesicherheit und Unabhängigkeit sehr wichtig, weil Russland Energie als politisches Instrument einsetzen kann.

Standortvorteile in Litauen

Entschieden wurde, das gemeinsame AKW in Litauen zu errichten - aus verständlichen Gründen. Litauen ist das einzige baltische Land, wo ein Atomkraftwerk genutzt wird und wo es Erfahrungen und qualifiziertes Personal gibt. Außerdem besteht dort bereits eine entsprechende Infrastruktur. Das Objekt wird etwa zwei bis drei Milliarden Euro kosten. Die Energiegesellschaften Litauens, Lettlands und Estlands werden sich an dem Bau gleichberechtigt beteiligen. Den Planungen nach soll das neue Kernkraftwerk 2015 in Betrieb genommen werden.

Proteste im lettischen Daugavpils

Negative Reaktionen auf das beschlossene Projekt ließen nicht lange auf sich warten. In Lettland sind vor allem die Einwohner der Grenzgebiete zu Litauen beunruhigt, denn das AKW Ignalina ist nicht weit entfernt. Die Menschen dort hoffen seit langem, dass das Werk bald stillgelegt wird. Und jetzt entsteht eine neue potentielle Gefahr.

Die Stadt Daugavpils hat bereits ein Schreiben an die lettische Regierung gerichtet. Darin betont Bürgermeisterin Rita Strode, man sei erstaunt, dass eine solch wichtige Entscheidung ohne Rücksicht auf die Meinung der in unmittelbarer Nähe des künftigen Atomkraftwerks lebenden Menschen getroffen worden sei. Sie sagte der Deutschen Welle: "Wir verstehen nicht, warum Bürgermeister und Bezirks-Vorsitzende nicht nach ihrer Meinung gefragt werden. Das ist ein großer Bezirk, in dem 60.000 Menschen leben. Ich gehe davon aus, dass es in der Stadt heftigen Protest geben wird. Ich als Vorsitzende des Stadtrates kann den Abgeordneten nichts dazu sagen, weil wir davon erst aus den Medien erfahren haben."

Der lettische Regierungschef Kalvitis hat zugesagt, Daugavpils bald zu besuchen. Die Stadtverwaltung hofft, von ihm Antworten auf die Fragen zu erhalten, die in dem Brief der Regierung gestellt werden.

Alternative Energiequellen gefordert

Unterdessen äußern auch lettische Politiker Kritik am Bau des neuen Kernkraftwerks. Der ehemalige Premierminister, einer der Führer der Partei der Grünen und Leiter des Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit, Indulis Emsis, erklärte, lettische Wissenschaftler und Experten könnten viele andere Entwicklungsmöglichkeiten für den Energiebereich aufzeigen, darunter auch ökologisch saubere.

Aleksej Romanow
DW-RADIO/Russisch, 8.3.2006, Fokus Ost-Südost

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