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Europas Kulturhauptstädte

Linz tritt aus Wiener Schatten heraus

Linz hat sich von der grauen Industriestadt im Schatten Wiens zur grünen Kulturlandschaft gemausert. Ein Spaziergang führt durch die zahlreichen Facetten der europäischen Kulturhauptstadt 2009.

Menschen stehen in der rot gekachlten Touristeninformaiton in Linz (Foto: Hannelore Fisgus)

Die Touristen werden in Linz schon von den Kacheln willkommen geheißen

Wenn man in diesem Jahr mit dem Zug nach Linz kommt, wird einem der rote Teppich ausgerollt: "Willkommen in der Kulturhauptstadt 09" steht darauf zu lesen. Und in der Innenstadt heißen sogar die Pflastersteine in der Herrenstraße die Gäste in ihrer jeweiligen Sprache willkommen. "Hier steht zum Beispiel auf schweizerisch 'Grüezi'", zeigt Stadtführerin Silvia Meyer-Branzeneder.

Sie führt uns durch die Kulturhauptstadt, die ihre Lebendigkeit den Gegensätzen von Alt und Neu verdankt. Noch ist nicht alles Geplante fertig, zum Beispiel der ultramoderne Südflügel des alten Schlosses, das bisher das Landesmuseum beherbergt. "Und da kommt dann die technische Sammlung hinein. Alleine der Südflügel hat 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche", erklärt Meyer-Branzeneder.

Hitler plante "Kulturhauptstadt"

Im alten Schloss erinnert eine Ausstellung an ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte: Hitler wollte Linz zu seiner Kulturhauptstadt machen. "In dieser Ausstellung bekommen Sie einen Einblick in diese Idee. Man kann das Modell sehen, wie Linz hätte aussehen sollte. Er wollte die ganze alte Stadt nieder reißen und nach seinen Plänen neu aufbauen", erläutert die Stadtführerin.

Blick in eine Linzer Straße mit alten Häusern (Foto: Hannelore Fisgus)

Linz zeigt sich im schönen Gewand

Vergangenheit und Gegenwart will die Kulturhauptstadt in diesem Jahr beleuchten. Und sie wagt sogar einen Blick in die Zukunft. Gegenüber dem Schlossberg wurde zu Jahresbeginn der Erweiterungsbau des "Ars Electronica Centers" eröffnet.

Wissenschaft, Kunst und Technik sind in diesem Museum zu einer faszinierenden Show vereint. Am Abend leuchtet der Glasbau in blau, rosa oder violett, ebenso wie das gegenüberliegende Kunstmuseum "Lentos". "Das Gebäude ist mittlerweile schon ein bisschen zu einem Wahrzeichen von Linz geworden", sagt Meyer-Branzeneder. Bis zum 10. Mai ist im "Lentos" noch die Kunstausstellung "Best of Austria" zu sehen.

Facetten und Gegensätze

Von der modernen Museumsmeile führt der Weg direkt in die barocke Altstadt. "Linz verändert" ist der Titel der Führung, die in diesem Jahr zum Standardprogramm gehört und die verschiedenen Facetten der Stadt zeigt. "Ich finde es interessant und die Führung ganz toll. Die Informationen, die wir bekommen, sind super", sagt ein Besucher aus Bayern, der gerade auf den mit roten Karos bemalten Treppen vor der Touristeninformation steht.

"Wir sind jetzt am Linzer Hauptplatz angekommen, das ist einer der größten Saalplätze im süddeutschen Sprachraum und wir bezeichnen ihn auch immer gerne als den 'Festsaal von Linz'", erläutert Meyer-Branzeneder. Drei Mal täglich schallt ein Glockenspiel über den 700 Jahre alten Platz. Seine Dimension lässt erahnen, welche Bedeutung Linz schon im Mittelalter als Handelsmetropole hatte.

Stolzer Schwan statt hässliches Entlein

Blick auf das Gebäude des Ars Electronica Centers (Foto: Hannelore Fisgus)

Das "Ars Electronica Center" vereinigt Wissenschaft Kunst und Technik

Nur ein paar Schritte weiter steht man in den engen Gassen der barocken Altstadt. Die abfallenden Straßen führen direkt zur Donau. Die Stadtführerin erklärt: "Das war im Mittelalter ganz wichtig - nicht nur wegen Überschwemmungen, sondern auch wegen der Abfallentsorgung. Man hat in der Früh alles aus dem Fenster geworfen, den Nachttopf auf der Straße entleert. Und einmal in der Woche wurde die Straße dann gewaschen - alles runter in die Donau und ab nach Wien."

Die leuchtende Kulturmetropole Wien schaute schon immer gerne etwas auf das hässliche Entlein Linz herab. In diesem Jahr beweist die oberösterreichische Landeshauptstadt aber nicht nur den Wienern, dass sie sich von einer grauen Stahl- in eine grüne Kulturstadt verwandelt hat.

Über 200 Projekte und Events, Musik, Theater, Literatur, Film und Kunst - das verspricht ein turbulentes Jahr zu werden. Doch die Stadt bietet auch die Möglichkeit, dem Trubel zu entfliehen.

Eremit für eine Woche

Als Eremit kann man sich in dem 134 Meter hohen Turm des Domes einmieten. "Freitags ist immer Schichtwechsel. Ab dann kann der Eremit eine Woche in wirklicher Einsamkeit verbringen. Bedingungen gibt es aber auch: kein Handy, kein Computer, kein TV. Und täglich muss er 395 Stufen hinunter steigen, um sich sein Essen zu holen", erklärt Meyer-Branzeneder.

Damit die Neugierigen nicht die 395 Stufen hinauf steigen müssen, um einen Blick hinein zu werfen, wurde die Zelle des Eremiten im Dom nachgebaut. Auch das ist ein Projekt zum Kulturhauptstadtjahr.

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