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Kultur

Linkshändertag: Musiklegenden, die es mit links tun

Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Phil Collins: allesamt Musiklegenden - und Links- oder Beidhänder. Über Menschen, die nicht alles nur mit rechts erledigen, gibt es viele Mythen. Wir schauen, was dran ist.

Man könnte meinen, Links- oder Beidhänder hätten heute keine Probleme mehr mit Diskriminierung, immerhin wird Linkshändigkeit nicht mehr wie früher mit kruden Methoden "korrigiert". Wie sieht es in der Musikszene aus, wo die Hände neben den Ohren das wichtigste Werkzeug sind?

Gibt es nur Rechts- und Linkshänder?

Die Zahlen sprechen scheinbar für sich: Linkshänder machen 10-12 Prozent der Menschen aus, der Rest sind Rechtshänder. Doch diese Erhebungen lassen die beidhändigen Menschen aus. Ein Mensch kann durchaus zum Beispiel als Linkshänder geboren werden und lernen mit rechts zu schreiben, wie der legendäre Grunge-Musiker Kurt Cobain. Somit gehörte er zur Gruppe der Beidhänder (Ambidexter). Beidhändern ist es oft ziemlich egal, ob sie mit links oder rechts schreiben – beides geht.

Sind Beidhänder Alleskönner?

Nicht unbedingt. Bei manchen Wissenschaftlern hält sich von ihnen zumindest ein ähnlich negatives Bild wie früher bei Linkshändern. Erst 2006 ergab eine weltweite Studie mit 25.000 Probanden, dass Beidhänder angeblich ein geringeres räumliches Vorstellungsvermögen haben und anfälliger seien für Legasthenie und Hyperaktivität als Menschen mit starken Handpräferenzen. Die Unterstützer dieser These sprechen teilweise von "verwirrten Gehirnhälften." Einziges Fakt zu dem Thema ist: Die Händigkeit ist bis heute sehr ungenügend erforscht.

Mit beiden Händen schreiben, spielen und essen können – das muss doch für irgendetwas gut sein?

Gerade bei der Musik sind Beidhänder natürlich klar im Vorteil. Eine Studie der Universität Toledo ergab in den 1990ern, dass es für Streicher besser sei, beidhändig zu sein. Bei Violine, Cello und Co. müssen linke und rechte Hand – also entsprechend die rechte und die linke Gehirnhälfte – eng zusammenarbeiten. Das fällt Menschen besonders leicht, die nicht ihr ganzes Leben entweder Rechts- oder Linkshänder waren. Für Pianisten hingegen ist Beidhändigkeit weniger hilfreich

Viele klassische Musiker werden sogar erst durch die Musik zu Beidhändern. Das fand das Hannover Music Lab bei einer Untersuchung linkshändiger Streicher heraus. Die Wissenschaftler stellten fest, dass ausnahmslos alle Linkshänder Violine und Cello mit rechts bespielen – sonst wird es eng im Orchestergraben. Doch Ausnahmen gibt es: Einer der wenigen klassischen Violinisten, der öffentlich linkshändig spielt, ist der norwegische Musikpädagoge Terje Moe Hansen.

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Linkshänder im Orchester müssen sich also der Mehrheit beugen?

Auch mit diesem Mythos hat das Music Lab aufgeräumt. Sicher gibt es einzelne Musiker, die sich beschränkt fühlen durch den Zwang des Orchesters. Doch die Forscher schreiben, dass Linkshänder mit der rechten Hand wesentlich präziser Töne anschlagen können – sie hätten die Schwäche der rechten Hand durch jahrelanges Training wettgemacht. Unter den Streichern gibt es 35 Prozent Linkshänder – wohl kaum würden so viele Linkshänder mit Geigenunterricht anfangen, wenn sie ihr Leben lang dem Zwang der Rechtshänder unterworfen wären. Warum es unter manchen Musikergruppen so viele Linkshänder gibt, ist bis heute unklar.

Und was machen die Linkshänder, die gar nicht mit rechts spielen wollen?

Bei Instrumenten wie Orgel und Klavier haben sie Pech – es gibt sie kaum als reine Linkshänder-Ausführungen. Gitarren, Bässe und Violinen können jedoch in enstprechender Ausführung gekauft werden. Wegen der geringeren Nachfrage sind diese oft teurer, was indirekt wieder zu Diskriminierung führt. Jimi Hendrix, der bekannteste linkshändige Gitarrist, behalf sich selbst: Er zog die Saiten ab und spannte sie in umgekehrter Folge auf seine Gitarre.

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