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Hamburgerisch

Links und rechts der Alster

Alles beginnt mit einem satten "Moin". Damit kommt man gut durch den Tag und auch durch die Nacht. Morgens, mittags, abends – "Moin" geht immer, denn entgegen weit verbreiteter Gerüchte hat es nichts mit "Morgen" zu tun.

In Hamburg grüßt man mit Moin Moin – zu jeder Tageszeit. Moin kommt nämlich von moi, das heißt schön. Und die Hamburger wünschen mit Moin einen schönen Tag. Vernimmt man also diese Begrüßungsformel, kann man sicher sein, dass das Gegenüber einem wohl gesonnen ist. Denn der Hamburger snackt nicht einfach so drauflos. Der kiekt einen erst mal an. Demonstrativ zeigt er eine gewisse Distanz zu jedem Zugereisten.

Dock am Hamburger Hafen

Schöne Tage in Hamburg
Beim Aufspüren von Hamburgern, die noch richtig fließend Plattdeutsch sprechen, muss man vorgehen wie ein Trüffelsucher. Schnell schwenken sie ins Hochdeutsche – aus Fürsorge. Doch spitzt man die Ohren, erklingt ganz unverhofft ein kerniges Gesnacke aus der Menge. "Wat willst’n hörn mei Dirn. Wat soll ick dei vertellen? Habb schon wat sabbelt. Mei nom is Hans-Peter. Det wärs."

Viele Menschen in Hamburg reden Missingsch – ein Mischmasch aus Platt- und Hochdeutsch, mit Vorliebe gesprochen unter den Hafenarbeitern. Und auch Hamburger Platt ist nicht gleich Hamburger Platt. Lange gab es Streit darum, ob Plattdeutsch nun eine eigene Sprache ist oder einfach ein Dialekt. Es gab zwar plattdeutsche Literatur, aber keine verbindliche Rechtschreibung.

Jedes Dorf im Abstand von acht oder zehn Kilometern, was für Leiterwagen und Fußgänger immerhin eine erhebliche Distanz war, sprach die Worte nämlich ein wenig anders aus. Hier sagte man grön, dort wieder scheun. Gemeint war immer schön.

Ein Schiff im Hamburger Hafen bei Nacht

Zwei wichtige Grenzen
Quer durch Hamburg verläuft eine imaginäre Linie, die durch die Alster vorgegeben wird. Die Alster fließt mitten durch die Stadt und bedeutet mehr als nur einen Sprachunterschied. Die feinen Leute aus Blankenese, denen die Nähe zur Elbe eine maritime Weltläufigkeit einhaucht, die wachten im Gachten (warten im Garten), wenn sie verabredet sind. Die anderen, zum Beispiel das Volk aus Barmbeck, die waaten im Gaaten. Mit Hochwasser hat das jedoch nicht unbedingt etwas zu tun.

Aber noch viel wichtiger als linkes und rechtes Ufer der Alster ist den Hamburgern die Benrather Linie. Von West nach Ost, von Aachen bis nach Frankfurt Oder. Die macht nämlich klar, hier hört Hochdeutsch auf und da fängt Plattdeutsch an. Was dem Süden die Katze ist, ist dem Norden de Kat.

Wie dem auch sei – wenn Sie ihr Gegenüber mit einem freundlichen Moin begrüßen, können Sie einfach nichts falsch machen. Denn dieser Gruß ist in Deutschland so bekannt, dass ihn auch die Hochdeutsch-Sprecher verstehen.

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