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Europa

Linkevicius: NATO-Präsenz ist besser als nichts

Die Litauer fühlen sich von Russland bedroht und freuen sich über die neue Truppenpräsenz der NATO. Das haben wir gebraucht, sagt Außenminister Linus Linkevicius im DW-Interview in Warschau beim NATO-Gipfel.

Soldaten bei einem NATO-Manöver in Litauen (Foto: AP)

NATO-Manöver in Litauen

DW: Die NATO wird mit vier Bataillonen die Verteidigungsbereitschaft in östlichen Mitgliedsstaaten erhöhen. Sie reagiert auf eine russische Bedrohung. Ein Bataillon mit 1.000 Soldaten unter Führung der Bundeswehr wird in Litauen stationiert werden. Herr Minister, sind Sie mit dem zufrieden, was Sie hier in Warschau bekommen haben?

Linus Linkevicius: Ja, Zufriedenheit ist wohl das richtige Wort. So, wie wir das erwartet haben. Eine sichtbare und konsistente Reaktion. Es ist auch sehr wichtig, dass wir einen Prozess angestoßen haben. Wir werden nach Warschau in dieser Weise ganz geschäftsmäßig weitermachen.

Nur ein Bataillon pro Land (Estland, Lettland, Litauen, Polen): Ist das militärisch gesehen nicht zu wenig?

Nein, nein. Sie müssen das ganze System sehen. Auch die Multinationalität der Verbände ist ein Signal nach außen. Das ist genauso wichtig wie die Möglichkeit, schnell Verstärkung heranzuführen, falls das nötig ist. Hinzu kommen die nationalen Anstrengungen und zusätzliche US-Truppen, die auch in die Region verlegt werden und hinein und heraus rotieren. Es wird mehr Manöver geben. Durch das alles zusammen wird sich die Präsenz vervielfachen. Das ist natürlich mehr als das Nichts, das wir vorher hatten.

Linus Linkevicius war Botschafter Litauens bei der NATO und Verteidigungsminister (Foto: DW/Riegert)

Linus Linkevicius war Botschafter Litauens bei der NATO und Verteidigungsminister

Fühlen sich die Menschen in Ihrem Land wirklich von Russland bedroht?

Wissen Sie, als früherer Verteidigungsminister und heutiger Außenminister habe ich keine Zweifel an den Sicherheitsgarantien, die die NATO abgegeben hat. Aber es wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass meine Landsleute wirklich entspannt sind. Sie sind nervös und unsicher. Sie brauchen eine Rückversicherung. Eine sichtbare Rückversicherung macht einen großen Unterschied. Deshalb haben wir das sehr gebraucht.

Was sollte der nächste Schritt für das Baltikum sein? Die Schaffung einer gemeinsamen Luftverteidigung zum Beispiel?

Es geht nicht nur um das Baltikum, sondern um alle Mitglieder. Wir sollten darüber sprechen, ob wir nur statische Truppen haben wollen, sei es am Boden oder in der Luft. Wir sollten uns über Funktionen unterhalten, die wir brauchen, und die in die Verteidigungsplanung einschließen. Da geht es um Fähigkeiten und Effizienz. Das ist ganz bestimmt unsere Aufgabe, darüber zu reden. Und Sie haben Recht. Wir haben nur "air policing" mit Maschinen, die nicht uns gehören, sondern die die Allianz stellt. Der Übergang von der reinen Überwachung zu wirklicher Luft-Verteidigung ist eine der künftigen Aufgaben.

Ist es jetzt an der Zeit, wieder mit Russland zu reden und nach Kontakt zu suchen?

Was meinen Sie mit "wieder" und "suchen"? Es gibt doch sehr viele Kontakte. Die politischen Führer stehen ja in Moskau Schlange, um zu reden. Ich sehe keinen Mangel an Kontakt. Wir sind nun wirklich so transparent wie möglich, wenn die andere Seite zuhörte. Aber bis jetzt war das leider nicht der Fall.

Linus Linkevicius (55) ist seit vier Jahren Außenminister Litauens. Die frühere Sowjetrepublik mit ungefähr drei Millionen Einwohnern gehört seit 2004 der NATO an. Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg).

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