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Wirtschaft

Linker Wirtschaftsprofessor soll IWF-Chef werden

Der frühere französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn soll neuer Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden. Seine Nominierung gilt als innenpolitischer Schachzug von Frankreichs Präsident Sarkozy.

Der europäische Kandidat für den Chefposten des IWF: Dominique Strauss-Kahn (AP)

Der europäische Kandidat für den Chefposten des IWF: Dominique Strauss-Kahn

Der IWF-Spitzenposten muss zum Herbst neu besetzt werden, weil der bisherige Chef, der Spanier Rodrigo de Rato, am 28. Juni überraschend zurückgetreten war. Die EU-Finanzminister einigten sich am Dienstag (10.07.2007) in Brüssel auf den sozialistischen Politiker Dominique Strauss-Kahn.

Frankreichs neuer Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich bereits für den sozialistischen Politiker Strauss-Kahn ausgesprochen. Er hatte die Kandidatur bereits dem US-Präsidenten George W. Bush, dem britischen Regierungschef Gordon Brown und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero präsentiert.

Fachmann für Finanzfragen

Für viele in Frankreich ist die Entscheidung für den Oppositionspolitiker Strauss-Kahn ein innenpolitischer Schachzug von Sarkozy: Denn mit dem 58-jährigen Strauss-Kahn würde die schon stark geschwächte Sozialistische Partei (PS) eine ihrer wichtigsten Führungsfiguren verlieren. Strauss-Kahn wirbt – wenn auch bisher vergeblich - um eine sozialdemokratische Neugründung der Partei.

Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair (dpa)

Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair

Der Wirtschaftsprofessor Strauss-Kahn ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich der internationalen Finanzbeziehungen. Viele Franzosen schätzen den als "DSK" bekannten sozialistischen Politiker wegen seiner Kompetenz und seines ruhigen Auftretens.

Befürworter der EU-Verfassung

Strauss-Kahn stammt aus einer jüdisch-marokkanischen Familie und wurde in Neuilly-sur-Seine bei Paris geboren. Der 58-Jährige ist seit zwei Jahrzehnten eine feste Größe in der französischen Politik. Als Wirtschaftsminister Ende der 1990er Jahre bereitete er Frankreich auf die Einführung des Euro vor. Strauss-Kahn trat 1999 nach Korruptionsvorwürfen zurück, später wurde ihm Unschuld bescheinigt. Er war einer der Befürworter der 2005 von den Franzosen abgelehnten EU-Verfassung. Zudem setzt er sich für den deutsch-französischen Motor innerhalb Europas ein.

Nach Jahren in der Opposition war Strauss-Kahn 2007 einer der Präsidentschaftskandidaten der Linken, die von Ségolène Royal aus dem Rennen geworfen wurden. Seit den jüngsten Niederlagen des sozialistischen Lagers denkt Strauss-Kahn über eine notwendige "Neugründung der Linken" nach. "Die Zeiten des Klassenkampfes sind endgültig vorbei, wir müssen uns mit der neuen Realität der zersplitterten Gesellschaft auseinander setzen", betonte er. Strauss-Kahn ist seit 1991 in dritter Ehe mit der TV-Journalistin Anne Sinclair verheiratet.

Schwellenländer wollen mitreden

Bei den Sozialisten stieß die Nominierung von Strauß-Kahn auf ein geteiltes Echo. Auf internationalem Parkett macht der auch während seiner politischen Laufbahn als Wirtschaftsprofessor tätige Strauss-Kahn eine gute Figur, auch weil er mehrerer Sprachen mächtig ist. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die europäische Nominierung des Franzosen begrüßt. "Er ist höchst respektiert und seine Fähigkeiten und Möglichkeiten überall sehr anerkannt", sagte Steinbrück am Dienstag in Brüssel. Auch Deutschland habe die Einigung auf den früheren französischen Finanzminister unterstützt.

Der jetzige IWF-Direktor Rodrigo de Rato scheidet im Oktober aus dem Amt. Seit der Schaffung des IWF im Jahr 1945 wird der Währungsfonds von Europäern geleitet, der Präsident der Weltbank wird von den USA benannt. Große Schwellenländer wie Brasilien und Indien haben diese Tradition jedoch wiederholt kritisiert.

Rodrigo de Rato zieht es zurück nach Spanien

Rodrigo de Rato zieht es zurück nach Spanien

Auch der britische Finanzminister Alistair Darling erklärte am Dienstag, die nicht-europäischen IWF-Staaten müssten bei der Entscheidung über Ratos Nachfolge mitreden dürfen. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde erklärte hingegen, wenn man die traditionelle Besetzung des IWF-Spitzenpostens ändern wolle, müsse dies gleichzeitig auch für das Amt des Weltbankpräsidenten gelten. Erst Ende Juni war auf diesen Posten wie üblich ein Kandidat der USA, Robert Zoellick, gewählt worden. (stl)

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