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Aktuell Deutschland

Linken-Vorsitzende Lötzsch tritt zurück

Die intern umstrittene Parteivorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, gibt ihr Amt wegen der Erkrankung ihres Mannes auf. Ihr Mandat als Berliner Bundestagsabgeordnete will sie jedoch behalten. Wer folgt ihr nach?

Der Schritt kam überraschend. "Meine familiäre Situation lässt jedoch eine häufige Abwesenheit von meinem Wohnort Berlin nicht mehr zu", sagte Gesine Lötzsch am Mittwoch in Berlin. Sie habe sich nach reiflicher Überlegung daher entschieden, das Amt der Vorsitzenden der Partei "Die Linke" niederzulegen.

Familiäre Gründe

Als Begründung führte sie die Erkrankung ihres Mannes an. "Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen." Sie habe wegen der Krankheit ihres Ehemannes bereits "in der vergangenen Woche kurzfristig mehrere Termine absagen" müssen. Ihr Mann Ronald Lötzsch (Jahrgang 1931) sei wegen einer "altersbedingten Erkrankung" am 31. März ins Krankenhaus gekommen. "Ich habe nicht vor, halbe Sachen zu machen", sagte Lötzsch. Zugleich bedankte sie sich bei ihrem Co-Vorsitzenden Klaus Ernst für die "vertrauensvolle Zusammenarbeit".

Die 50-Jährige führt seit Mai 2010 zusammen mit Ernst den Vorsitz der Linkspartei. Ernst bedauerte Lötzschs Rücktritt. "Wir haben in einer schwierigen Zeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt zusammen gearbeitet. Dafür danke ich ihr", erklärte er am Mittwochmorgen. "Ich wünsche ihr und ihrer Familie Kraft und Gesundheit für die kommende Zeit." Es wird erwartet, dass Ernst die Linke bis zum Bundesparteitag alleine führen wird. Im vergangenen Oktober noch hatte Lötzsch angekündigt, sie wolle dort Anfang Juni in Göttingen wieder für diesen Posten kandidieren.

Seit 1984 SED-Mitglied

Die in Ost-Berlin geborene Lötzsch war von 1984 bis 1990 Mitglied der DDR-Staatspartei SED gewesen. Nach der Wiedervereinigung gehörte sie von 1991 bis 2002 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Im Oktober 2002 zog sie in den Bundestag ein.

Lötzsch und Ko-Parteichef Ernst werden in der Linken entscheidend mitverantwortlich gemacht für das schlechte Erscheinungsbild der Partei. So brach Lötzsch zum Auftakt des Superwahljahres 2011 eine Kommunismus-Debatte vom Zaun, die der Linken viel Kritik einbrachte. Für Zweifel an der Kompetenz der Parteichefs sorgte im vergangenen Jahr auch ein Glückwunschschreiben der beiden an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro zu dessen 85. Geburtstag.

Lötzsch will sich künftig auf ihr Mandat als Bundestagsabgeordnete konzentrieren. Über ihre Nachfolger wird bereits spekuliert. Im Gespräch sind Oskar Lafontaine und auch Sahra Wagenknecht. Lafontaine, der frühere Parteichef, hat sich noch nicht geäußert, ob er bereit ist in die Parteispitze zurückzukehren. Und auch Wagenknecht, die Linken-Fraktionsvizechefin im Bundestag ist, hat die Spekulationen noch nicht kommentiert.

se/nis/wa (rtr, afp, dapd, dpa)