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Kultur

Link: "Schweighöfer macht auch Frauenfilme"

Die Regisseurin Caroline Link begleitete deutsche Nachwuchsfilmer nach Cannes, die dort ihre Kurzfilme vorstellen. Im DW-Interview spricht sie über Frauen im Filmbusiness und junge Hoffnungsträger.

DW: Was hat Sie dazu bewogen, für "Next Generation/Short Tiger", dem Kurzfilmprogramm von "German Films", eine Auswahl zu treffen, die jetzt in Cannes vorgestellt wurde?

Caroline Link: Ich finde es gut, mir einen Überblick darüber zu verschaffen, was in Deutschland gerade an Nachwuchs heranreift. Es gibt wirklich eine große Bandbreite an Nachwuchsregisseuren, die ganz unterschiedliche Sachen machen: von erstaunlichen Animationen über sehr schön inszenierte kurze Spielfilmsequenzen bis hin zum Dokumentarischen oder Trickfilmen.

Ich finde es wirklich auffällig, dass die jungen Filmstudenten heute schon mit einer ganz anderen Souveränität mit der Kamera umgehen, durch die mediale Entwicklung und das digitale Alltagsleben der Jugend. Jeder wurde schon mal gefilmt oder hat sich im Internet auf Facebook präsentiert. Die Leute wissen heute schon, wo sie die Kamera hinstellen, wie sie eine Szene aufnehmen. Aber manchmal ist die Form weiter als das Wissen darum, was man eigentlich erzählen will.

Regisseurinnen haben es schwer im Filmgeschäft. Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen?

Aus meinem Jahrgang an der Münchner Filmhochschule machen sehr wenige Frauen noch Filme. Da gibt es diejenigen, die sagen, das ist eine Diskriminierung der Branche. Aber mein Verdacht ist, dass viele Frauen zu schnell die Flinte ins Korn werfen. Sie denken: Vielleicht bin ich nicht gut genug. Und kämpfen nicht genug für das, was sie eigentlich mal machen wollten.

Im Moment bin ich mit vielen jungen Regisseurinnen im Gespräch und frage mich, wo bleiben die alle nach ihrem ersten oder zweiten Film. Ungefähr 50 Prozent derjenigen, die anfangen an Filmhochschulen zu studieren, sind Mädchen. Sie werden teuer ausgebildet und nach dem ersten Film sind sie nicht mehr da.

Haben es Frauenfilme schwerer als Männerfilme?

Es ist immer noch wichtig, dass man sich als Frau in einem kreativen Beruf, in dem man eine so große Truppe führt und auch relativ viel Geld auf den Kopf haut, durchsetzt und Kontinuität zeigt. Es geht nicht nur darum, den ersten Film zu machen und den zweiten - das schaffen ja auch einige. Es geht darum, dass man eine Kontinuität entwickelt über die Jahre und sagt: ich bin Regisseurin, das ist mein Beruf und den mache ich jetzt bis ich in Rente gehe.

Ein Frauenfilm ist ja nichts Negatives, kein Schimpfwort. Ich habe kein Problem damit und mache gerne Frauenfilme. Ich bin eine Frau und erzähle aus meiner Perspektive. Vielleicht erzähle ich anders als Männer, aber es gibt auch Männer, die sehr sanft erzählen und romantisch. Matthias Schweighöfer macht ja auch Frauenfilme. Da gehen keine Jungs rein, da gehen nur Frauen rein.

Was raten Sie den jungen Regisseurinnen?

Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Wenn man Verantwortung übernimmt in dem Job, dann mag man sich selber nicht. Wir haben den inneren Konflikt als Frauen, dass wir eigentlich liebe Mädchen sein wollen und uns eher zurücknehmen und so sind, wie wir mal erzogen wurden. Vielleicht sind das die jungen Mädels jetzt nicht mehr. Ich versuche ihnen Mut zu machen: Sie wollen etwas und sie dürfen auch etwas wollen. Man muss eben damit klar kommen, dass man als Regisseurin bis zuletzt die Zügel in der Hand hat. Man muss Lust haben, die eigene künstlerische Vision auch kämpferisch durchzusetzen.

Wie erklären Sie sich, dass der deutsche Film in Cannes kaum wahrgenommen wird?

Irgendwo habe ich schon den Verdacht, dass die Franzosen auf diesem Festival dem deutschen Film nicht wohlgesonnen sind. Die Filme, die hier im Wettbewerb landen, sind ja auch nicht alle grandios.

Ich habe für mich aufgegeben, nach Cannes zu wollen. Ich habe für mich gemerkt, dass meine Filme besser in der angelsächsischen Welt funktionieren. Ich spreche eine Sprache, die stärker in Amerika oder in Kanada ankommt. Wenn man hier in Frankreich mit seinem Film unbedingt laufen möchte und die einen dann nicht nehmen, kann ich die Kränkung verstehen. Ich würde versuchen, das anders zu sehen. Wenn dein Film gut ist, dann zeigen ihn andere Festivals und er geht seinen Weg.

Caroline Link ist eine der renommiertesten deutschen Regisseurinnen der Gegenwart und hat schon einige erfolgreiche Filme inszeniert. Für ihren Film "Nirgendwo in Afrika" bekam sie 2003 den Oscar als "bester fremdsprachiger Film". In diesem Jahr ist sie in der Jury für "Next Generation/Short Tiger" in Cannes.

Das Interview führte Hans Christoph von Bock.