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Europa

Lindh-Mörder gefasst?

Ein Hauptverdächtiger im Mordfall Anna Lindh ist in Polizeigewahrsam. Der 35-Jährige wurde in einem Fußballstadion festgenommen. Ist der Mord an der schwedischen Außenministerin damit aufgeklärt?

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Der mutmaßliche Täter

Die schwedische Polizei setzt die Verhöre des am Dienstag (16.9.2003) festgenommenen Hauptverdächtigen im Mordfall Anna Lindh fort. Über den Inhalt der ersten Verhöre am Dienstagabend wollte die Polizei keine Aussage machen. Ein Sprecher betonte, man verfolge weiter intensiv auch andere Spuren in Verbindung mit etwa fünf weiteren Verdächtigen.

Der 35 Jahre alte Mann wurde von Zivilbeamten in einer Kneipe am Rasunda-Fußballstadion festgenommen, in der er sich mit Freunden ein Spiel ansah. Der vielfach vorbestrafte Mann war unbewaffnet und ließ sich ohne Gegenwehr abführen. Er war von mehreren Zeugen des Mordes an der schwedischen Außenministerin Lindh nach Videoaufnahmen identifiziert und von der Polizei eingekreist worden. Als entscheidend für seine mögliche Überführung gilt die Analyse von DNA-Proben des Mannes sowie der Tatwaffe, eines Messers, und eines Käppis.

Kleinkrimineller mit "narzisstischen Zügen"

Knapp eine Woche nach der Ermordung der schwedischen Außenministerin Anna Lindh haben die Fahnder den
möglicherweise entscheidenden Durchbruch erzielt. Als sich die Nachricht in Stockholm wie ein Lauffeuer verbreitete, waren sich alle im Fernsehen und Rundfunk kommentierenden Experten einig: Die Polizei wirkt sehr sicher, dass sie den Mann in ihrem Gewahrsam hat, der letzten Mittwoch (10.9.2003) die 46-jährige Lindh im Stockholmer NK-Kaufhaus niederstach und anschließend durch das Menschengewühl entkommen konnte.

Am sechsten Tag der Fahndung ging es Schlag auf Schlag. Erst bestätigte die Polizei mit Verzögerung die Meldung von der namentlichen Identifizierung des seit Tagen auf Videobildern zu sehenden Mannes mit grauem Sweatshirt und blauem Käppi. Dann dauerte es noch nicht mal zwei Stunden, ehe die Festnahme am Stockholmer Rasunda-Fußballstadion zum erfolgreichen Abschluss eines turbulenten Tages wurde.

Schon vorher hatten Medien wie die Nachrichtenagentur TT und die Zeitung "Aftonbladet" Einzelheiten über den Hintergrund des möglichen Täters melden können: Seit 1987 soll er 18 Vorstrafen angesammelt haben, darunter mehrfach wegen Gewalttaten, rechtswidriger Anwendung von Messern, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Bedrohung von Beamten. Allerdings alles nur "kleinere Sachen", wie es hieß.

Ein rechtpsychiatrisches Gutachten bescheinigte dem Mann Persönlichkeitsstörungen mit "narzisstischen Zügen". All das passte ebenso zu den von der Polizei von Beginn an vermuteten Merkmalen des Täters nach Aussagen von Augenzeugen. Auch dass er über längere Zeit keinen festen Wohnsitz hatte und häufig die Wohnung wechselte, ohne
sich bei den Behörden anzumelden, passte ins Bild.

Einzeltat oder organisiertes Verbrechen?

Trauer um Anna Lindh Blumen

Trauer um Anna Lindh

Völlig neu allerdings waren Angaben der Zeitung "Aftonbladet", wonach der 35-Jährige mit führenden schwedischen Neonazis befreundet sein soll. Diese offiziell nicht bestätigte Angabe könnte dem Mordfall eine neue Wendung geben. Schwedische Neonazis haben seit den 1990er-Jahren mehrfach brutale Gewalttaten bis hin zur
kaltblütigen Hinrichtung schon entwaffneter Polizeibeamter nach einem Bankraub ausgeführt.

Wie eng allerdings die Verbindungen des 35-Jährigen zu diesen Gruppen wirklich waren oder sind, blieb völlig offen. Die Polizei hatte bei ihren Ermittlungen stets auch die Möglichkeit eines organisierten Anschlags auf die populäre sozialdemokratische Ministerin ausgeschlossen. Lindh ging völlig spontan mit einer Freundin in das NK-Kaufhaus, nachdem sie einen Termin für die Ja-Kampagne zum Euro-Referendum in letzter Minute abgesagt hatte. Sie wurde nach Fahnderangaben eindeutig nicht verfolgt.

Warnung vor voreiligen Schlüssen

Die schwedische Polizei steht unter starkem Erwartungsdruck, einen Fahndungserfolg zu präsentieren. Für die Aufklärung des Mordfalles Lindh ist die gleiche Staatsanwaltschaft zuständig, der auch die Aufklärung des noch immer ungeklärten Mordes am damaligen Ministerpräsidenten Olof Palme obliegt.

Experten warnten deshalb vor voreiligen Schlüssen. Auch nach der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Olof Palme präsentierten die Fahnder nach einigen Tagen einen damals 33-Jährigen als mutmaßlichen Täter. Er verschwand erst nach mehreren Wochen wieder aus den Ermittlungen, als seine Unschuld endgültig erwiesen war. (kas)

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