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Musik

Liedinterpret par excellence: Heinrich Schlusnus

Am 6. August jährt sich zum 125. Mal der Geburtstag des legendären Baritons, der Publikum und Presse regelmäßig in Verzückung brachte.

Der deutsche Kammersänger Heinrich Schlusnus(Foto: Ullstein Bild)

Heinrich Schlusnus Kammersänger Opernsänger Deutschland

"Aber die Stimme! Ein einziges Schwelgen in Schönheit des Klanges, in Kultur der Linie, in der unerschöpflichen Fülle des samtenen Organs", schwärmte ein Kritiker 1926 über Heinrich Schlusnus, der zu diesem Zeitpunkt als einer der größten deutschen Sänger international gefeiert wurde.

Vom Postbeamten zum Starbariton

Wie sein Vater sollte auch Schlusnus, der 1888 im idyllischen Rheinstädtchen Braubach geboren wurde, eine sichere Existenz als Angestellter bei der Post antreten. Doch zwischen Briefestempeln und Paketaufnahme ließ er gleichzeitig noch seine Stimme in Frankfurt am Main ausbilden. 1915 hängte Schlusnus den Postdienst an den Nagel und debütierte an der Hamburger Oper als Heerrufer in Wagners "Lohengrin". Bereits zwei Jahre später erhielt der Bariton den Titel "Kammersänger" und folgte einem Ruf der Berliner Staatsoper. Schon bald galt er als musikalisches Aushängeschild des Hauses. Darüber hinaus spielte der Sänger bei der Verdi-Renaissance in Deutschland eine wichtige Rolle und wurde unter anderem als Rigoletto in Europa und in den USA stürmisch gefeiert.

Leidenschaft fürs Kunstlied

Label der Schallplatte Richard Strauss - Heimliche Aufforderung mit dem Bariton Heinrich Schlusnus (Foto: DW)

Richard Strauss "Heimliche Aufforderung" mit Heinrich Schlusnus

Bereits während seiner Ausbildung in Frankfurt entdeckte Heinrich Schlusnus seine Liebe zu den romantischen Liedkomponisten Schubert, Schumann, Brahms oder Wolf. 1918 gab er in Berlin seinen ersten Liederabend. Diese Gattung wurde seine eigentliche Passion: Ihr widmete der Bariton im Laufe seiner Karriere weit über 2000 Konzerte weltweit. Überall jubelte das Publikum Schlusnus als bedeutendsten deutschen Lied-Interpreten seiner Generation zu. Während die darstellerische Bühnenpräsenz des als "Wunder an Klanginstinkt und Timbre" bezeichneten Sängers durch eine Beinverletzung aus dem Ersten Weltkrieg eingeschränkt war, konnte er im Konzertsaal alle Register seiner dramatischen Kunst ziehen. Die ist auch auf weit über 500 Aufnahmen zu bewundern, die Schlusnus zwischen 1919 und 1951 machte.

Künstler unter dem Hakenkreuz

Heinrich Schlusnus als Herzog in Verdis Sizilianischer Vesper auf einer Autogrammkarte der Zigarettenfirma Gold Saba von 1935 (Foto: imago/United Archives)

Schlusnus als Herzog in Verdis "Sizilianischer Vesper"

Zwar pochte der international anerkannte Bariton nach der Machtübernahme der Nazis 1933 auf künstlerische Eigenständigkeit und sang noch ein Jahr später Werke verfemter jüdischer Komponisten im Reichsrundfunk. Allerdings passte er sich später dem Regime zögerlich an. Das ernannte ihn sogar zum Reichskultursenator. Hitler schätzte den Bariton sehr und setzte ihn 1944 auf die so genannte "Gottbegnadeten-Liste" der wichtigsten Künstler im Land; damit wurde Schlusnus von einem möglichen Einsatz in der Endphase des Zweiten Weltkrieges frei gestellt. Genau diese Auszeichnung machte ihn nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" in den Augen der alliierten Mächte verdächtig. Fast zwei Jahre lang stand er auf der "Schwarze Liste" der US-amerikanischen Militärregierung und wurde mit Auftrittsverbot belegt.

Stimmschönheit und Nuancenreichtum

Cover der Platte Heinrich Schlusnus in Memoriam, die kurz nach seinem Tod erschien (Foto: Deutsche Grammophon Gesellschaft)

Cover der Platte "Heinrich Schlusnus in Memoriam"

Erst 1947, drei Wochen nach seinem 59. Geburtstag, erhielt Heinrich Schlusnus von der Frankfurter Spruchkammer eine Entnazifierungsbescheinigung und durfte damit in Deutschland wieder öffentlich singen. Noch einmal war er an den Opern in Frankfurt, Koblenz und Zürich zu erleben, gab Liederabende und unternahm 1949 noch eine große Tournee durch Südamerika. Und immer noch begeisterte der Sänger mit seiner nach wie vor schönen nuancenreichen Stimme und der musikalischen Leidenschaft und Natürlichkeit seines Vortrages. Zwei Jahre später verabschiedete Schlusnus sich vom Konzertpodium. Am 19. Juni 1952 starb er in Frankfurt. Die Eleganz und Kraft seiner Stimme sind legendär geblieben, und das Urteil vieler Musikkritiker, die Heinrich Schlusnus als "vortrefflichen Verdi-Interpret und Liedersänger von höchstem künstlerischen Rang" bezeichneten, gilt bis heute.

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