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Musik

Lied-Ikone und Opernstar

Dietrich Fischer-Dieskau feiert seinen 85. Geburtstag. Er gilt als bester Liedsänger der Welt und war auch auf den Opernbühnen von New York bis Sidney zu Hause. Viele junge Komponisten haben für ihn Werke geschrieben.

Dietrich Fischer-Dieskau (AP Photo/Messe Frankfurt)

Dietrich Fischer-Dieskau

Seine Stimme hat Tausenden den Zugang zum deutschen Lied eröffnet. Diese gänzlich unspektakuläre Kunstform war beinahe in Vergessenheit geraten und lebte mit Dietrich Fischer-Dieskau kometenhaft wieder auf. Anlässlich seines 85. Geburtstags hat DW-WORLD mit Dietrich Fischer-Dieskau gesprochen.

DW-WORLD.DE: Herr Fischer-Dieskau, Ihre Karriere hat mitten im 2. Weltkrieg begonnen, in Berlin. Wie war das damals?

Dietrich Fischer-Dieskau: Ich weiß gar nicht mehr wie das Konzert zustande gekommen ist, jedenfalls musste das Konzert unterbrochen werden durch einen Fliegeralarm und wüstes Bombardement. In der Pause von etwa zweieinhalb Stunden waren wir alle im Keller und sind dann wieder rauf gegangen und haben die "Winterreise" fortgesetzt.

Die Einberufung nach dem Abitur zum Kriegsdienst machte dem Traum von einer Karriere 1943 vorläufig ein Ende, wie haben Sie diese Zeit überstanden?

Während Nachtmärsche bewältigt werden mussten mit dem Stahlhelm auf dem Kopf, mit einem schweren Munitionsgürtel um und einem Maschinengewehr über der Schulter, dann noch zu existieren nach etwa 40 Kilometern Fußmarsch ist fast nicht möglich, ohne dass ich mir immer wieder gewisse Sinfonien durch den Kopf gehen ließ und mir dachte, das ist etwas, was mich am Leben erhält und deshalb, um das einmal zu machen, werde ich auch nicht fallen.

Ein Liederzyklus steht im Mittelpunkt Ihrer Arbeit, und das von Anfang an: die "Winterreise" von Franz Schubert. Oft heißt es, dass ein Künstler dieses Werk erst in reiferem Alter singen könne. Wie stehen Sie dazu?

Das ist eine Auffassung, die sehr häufig vertreten worden ist in der Vergangenheit. Aber das ist tatsächlich ganz unsinnig. Schließlich ist die "Winterreise" von einem jungen Menschen komponiert und einem jungen Menschen gedichtet worden, also kann man daraus schon sehen, dass nicht unbedingt eine ältere Stimme das singen müsste.

Sie haben Ihre aktive Sängerkarriere 1993 beendet und sich der Ausbildung junger Sänger an der Berliner Musikhochschule gewidmet. Welche Erfahrungen haben Sie da mit jungen Sängern gemacht?

Wenn die jungen Leute angewiesen werden von den Regisseuren, Dinge zu machen, die nicht im Stück enthalten sind, kann man gar nichts machen. Ich kann natürlich von mir aus einen kritischen Sinn erziehen, im Grunde sich nie nur zu erfreuen an dem, was sie tun, sondern eben auch an den Stücken sehr ernst zu arbeiten. Das verstehen viele gar nicht. Die stehen mit Telleraugen und offenem Mund da, wenn man anfängt zu arbeiten.

Als Lehrer haben Sie sich mittlerweile rar gemacht, geben nur noch vereinzelt Meisterklassen. Aber neue Buchprojekte nehmen Sie noch in Angriff.

Ich will wieder mal etwas nur über das Lied, nicht geschichtlich, sondern über das Wesen all der großen Liedkomponisten – es sind ja gar nicht viele – aufzuschreiben, in einer Sprache, die nicht wissenschaftlich ist, sondern die gelesen werden kann. Vielleicht kann man dann fürs Lied etwas tun, aber ich bin etwas skeptisch.

Das Gespräch führte Kirsten Liese

Redaktion: Gudrun Stegen

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