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Musik

Liebesgrüße mit der Pommesgabel

Bis Samstag treffen sich wieder 75.000 Metal-Fans, um in einer kleinen schleswig-holsteinischen Gemeinde ihrer Musik zu huldigen. Nach einem Vierteljahrhundert ist das Wacken Open Air längst ein Festival mit Weltrang.

Vor 25 Jahren schien die Zeit der Hardrocker endgültig vorbei zu sein: Techno, Rap, Grunge und Indie-Rock hießen die dominierenden Musikrichtungen. Nur eine kleine Gruppe Norddeutscher wollte davon nichts wissen: 1990 gründeten sie ihr eigenes Festival – in einer Senke am Rande von Wacken. Sechs unbekannte Bands und knapp 800 Besucher, lautete die erste Bilanz. Das reichte ihnen, um weiter zu machen. Und dabei jedes Jahr zu wachsen. Heute ist die Gemeinde etwa 75 Kilometer nordwestlich von Hamburg weltberühmt: Von Delhi bis Denver berichten die Medien über diesen Termin.

Am ersten Augustwochenende reiten sie wieder ein und grüßen sich mit der "Pommesgabel": Der offizielle Wackener Teufelsgruß mit zwei abgespreizten Fingern sorgt für gute Laune. Dazu singen sie "Breaking the Law"- einen Titel der Band Judas Priest aus dem Jahr 1980. Trotz ihrem Faible für schwarze Kleidung, umgedrehte Kreuze und Totenköpfe gelten Metal-Fans als besonders umgänglich. Nach einem Vierteljahrhundert bilanzieren die Veranstalter kaum größere Katastrophen. "Moderne Hippies", resümierte die Schweizer Tageszeitung "NZZ am Sonntag".

Ansturm aus aller Welt

Bühne in Wacken

Wacken feiert längst international

Das Wacken Open Air gilt inzwischen als größtes Heavy Metal Festival der Welt. Die Kartenverkäufe haben sich bei 75.000 Tickets eingependelt. Etwa 10.000 weitere Menschen arbeiten vor Ort: darunter 120 Bands mit ihren Crews, 800 Ordner und 2.000 Journalisten. Damit steigert sich die Einwohnerzahl von Wacken an diesem Wochenende temporär um das 45-fache. Ein Drittel der Besucher kommt aus dem Ausland. Auch wenn die Ticketpreise in diesem Jahr erstmals auf 160,- Euro gestiegen sind, war das Festival in nur 43 Stunden ausverkauft.

Wacken als Lebensgefühl

Solche Zahlenspiele sind auch deshalb interessant, weil Konzerte heute ein wichtiger Eckpfeiler der Musikschaffenden sind. Wie jeder weiß, sind die Tonträger-Verkäufe allgemein stark gesunken. Deshalb malen selbsternannte Branchenkenner seit einer Dekade die Zukunft in immer schwärzeren Farben aus: Erst waren die illegalen Downloads Schuld. Dann entwickelten iTunes, YouTube und Spotify neue Vertriebswege für Pop- und Rockmusik. Doch auch hier beklagen Musiker bis heute zu geringe Gewinnbeteiligungen. Wer allerdings nach Wacken blickt, sieht ein anderes Bild.

Zwei Heavy Metal Fans

Treue Fans: einmal Wacken - immer Wacken

Metal-Fans gelten weiterhin als treue Käufer von CDs: Sie verstehen sich als Supporter ihrer Idole. Denn Metal ist ein Lebensgefühl. Und wer glaubt, die Hardrocker seien nur eine Handvoll Übriggebliebener von Vorgestern, der wird in Wacken eines Besseren belehrt; das Publikum ist jung und international. Festivalauftritte sind für die Szene wichtige Identifikationsmomente: Dort wird die Musik zu einem physischen Erlebnis. Auch deshalb verkaufen die diesjährigen Headliner Tonträger im zweistelligen Millionen-Bereich: Slayer 35 Millionen, Motörhead 41 Millionen und Megadeth 50 Millionen.

Harmonisches Headbanging

Darüber hinaus wird das Hardrock-Gefühl in einer breiten Produktpalette vermarktet. Die Wacken-Veranstalter zeigen, wie es geht: Man muss nur den Geschmack des Publikums treffen. Neben den obligatorischen schwarzen T-Shirts umfasst die offizielle Merchandise-Palette inzwischen alles von fingerlosen Handschuhen über die eigene Bier-Marke bis hin zum "Wacken Metal Dream Girls"-Kalender. Es gibt erstaunlich wenige Stimmen, die darin den Ausverkauf einer Kultur wittern. Metal-Fans sind hart im Nehmen, und so ist in Wacken fast alles erlaubt. Da dürfen sogar Rammstein – wie im vergangenen Jahr geschehen - den ewigblonden Volksmusiker Heino als Überraschungsgast auf die Bühne holen.

Es gibt deutlich größere Musikfestivals in Deutschland, aber nirgendwo verfolgen die Macher so konsequent ihre musikalische Metal-Agenda wie in Wacken. Nirgendwo anders gibt es ein so harmonisches Massen-Headbanging wie hier. Und kein anderes Festival hat den Namen einer kleinen deutschen Gemeinde als Veranstaltungsort weltberühmt gemacht. Aber Wacken ist längst kein Festival mehr – es ist ein Erlebnis. Auf die nächsten 25 Jahre. Rock On!

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