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Filme

Liebeserklärung an die Freiheit: "Je Suis Charlie" kommt ins Kino

Millionen Menschen gingen im Januar 2015 weltweit auf die Straße, um ihre Solidarität mit den getöteten Zeichnern der Satirezeitung "Charlie Hebdo" zu demonstrieren. Jetzt setzt ein Film den Karikaturisten ein Denkmal.

"Als ich den Türcode eingab, konnte ich die Kalaschnikow in meinem Rücken spüren. Ich habe an meine Tochter gedacht und war hin- und hergerissen", sagt Corinne Rey unter Tränen in einem Trailer zum Dokumentarfilm "Je Suis Charlie". Die Zeichnerin überlebte den Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo am 7. Januar 2015: Zwei Islamisten stürmten die Redaktionsräume und töteten 12 Menschen, darunter den Chefredakteur Stéphane Charbonnier, genannt Charb.

Ein knappes Jahr nach dem Angriff läuft nun in Frankreich die Dokumentation "L'Humour a mort" (deutsch: Der Humor ist gestorben) in den Kinos an. In Deutschland wird der Film des Vater-Sohn-Duos Daniel und Emmanuel Leconte unter dem Namen "Je Suis Charlie" zu sehen sein. Dass es den beiden Regisseuren für den Film möglich war, mit den Überlebenden über deren Erinnerungen zu sprechen, liegt an der engen Beziehung Daniel Lecontes zu Charlie Hebdo.

Bereits in seinem vorherigen Film "C'est dur d'être aimé par des cons" (2007, deutsch: "Es ist schwer, von Idioten geliebt zu werden") hatte er sich mit einem Prozess gegen Charlie Hebdo auseinandergesetzt. Das Satiremagazin hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten nachgedruckt - und gewann den Rechtsstreit.

Film Je suis Charlie (Foto: afp)

"Je Suis Charlie" ist die erste gemeinsame Arbeit von Daniel (r.) und Emmanuel Leconte

Leconte war mit Charb und dem französischen Karikaturisten-Urgestein Jean Cabut, genannt Cabu, befreundet. Sein neuer Film ist auch eine persönliche Solidaritätserklärung an die getöteten und die überlebenden Zeichner. "Für mich repräsentiert Charlie Hebdo unsere republikanischen Werte: die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kunst, das Recht, über eine Karikatur zu lachen. Gerade in dieser Gesellschaft, in der es ständig heißt 'Ich möchte nicht beleidigt werden', ist so etwas wichtig. Man hat genug Möglichkeiten, sich zu verteidigen: über die Presse, über die Justiz. Aber man kann nicht einfach Leute umbringen. Das ist ein Schritt in die Vergangenheit", sagt Leconte in einem Interview mit der DW.

"Wir wollten die Dinge richtigstellen"

Der Film wolle das Satiremagazin auch rehabilitieren, mit Missverständnissen über die Arbeit der Zeichner aufräumen, erklärt sein Sohn Emmanuel. "Es war traurig zuzusehen, wie Charlie Hebdo als rassistische, islamophobe Zeitung dargestellt wurde. Auf der einen Seite ließen Intellektuelle, Journalisten und die französischen Medien sie fallen, auf der anderen Seite wollten die Terroristen sie töten. Sie waren zwischen zwei Fronten gefangen - und dann passierte es."

Emmanuel Leconte erinnert sich, dass die Überlebenden einige der Solidaritätsbekundungen nach dem Anschlag als scheinheilig empfunden hatten. "Plötzlich interessierten sich alle für Charlie Hebdo und sagten 'Wir sind doch immer Freunde gewesen.' Aber sie wussten, wer sich vorher von ihnen distanziert hatte. Der Film, den mein Vater 2007 gemacht hat, war einer der wenigen journalistischen Arbeiten, die aufrichtig und mit Respekt dargestellt haben, wofür Charlie Hebdo kämpft. Daran haben sie sich erinnert und gedacht: 'Wenn jemand wirklich ehrlich portraitieren soll, wer wir sind, dann können es nur die beiden sein.'"

Frankreich Daniel und Emmanuel Leconte Regisseure (Foto: temperclayfilms)

Mit TV-Ausschnitten und eigenem Filmmaterial dokumentiert "Je Suis Charlie" die Demonstrationen nach dem Attentat

Den Geist vom 11. Januar wiederbeleben

Nicht nur Überlebende kommen in "Je Suis Charlie" zu Wort, auch Politiker, Schriftsteller, Philosophen und Journalisten sprechen über ihre persönlichen Vorstellungen von Meinungs- und Religionsfreiheit. Zusätzlich dokumentiert Material aus den Jahren vor dem Anschlag den Alltag in der Charlie-Hebdo-Redaktion. Der Film rekonstruiert sowohl das Attentat als auch die beispiellosen Massendemonstrationen in den Tagen danach. Am 11. Januar gingen allein in Frankreich beinahe vier Millionen Menschen auf die Straße.

"Der Film ist unsere Art, den Geist vom 11. Januar, diese Welle von Liebe und Unterstützung, die für uns so wichtig war, in einem Film zu verewigen", sagt Emmanuel Leconte. Gerade in Zeiten, in denen die Rechte immer mehr Zulauf bekomme und vorgebe, die Werte der Republik zu verteidigen, sei der Film wichtig, ergänzt sein Vater Daniel. Ihre Weltpremiere feierte die Dokumentation bereits im September auf dem Toronto Film Festival, in Deutschland ist "Je Suis Charlie" ab dem 7. Januar 2016 zu sehen.

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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