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Sport

Lieber zurücklächeln als zuschlagen

In Hamburg haben sich Sport, Wirtschaft und Politik zusammengetan, um Kindern und Jugendlichen gewaltfreies Miteinander näherzubringen. Ein Projekt des sogenannten Hamburger Wegs heißt "Zweikampfverhalten".

Marcell Jansen im Kreis der Kursteilnehmer Foto: DW

HSV-Profi Marcell Jansen im Kreis der Kursteilnehmer

Zwölf Jungen zwischen 13 und 18 Jahren sitzen im Kreis in einem Hamburger Vereinsheim. Alle spielen in ihrer Freizeit im Verein Fußball, und alle sind dort durch unfaires und agressives Verhalten aufgefallen. Zwei von ihnen sind deshalb sogar für einige Monate vom Training ausgesperrt. Jetzt erhalten die Jugendlichen im Coolness-Training "Zweikampfverhalten“ die Chance, sich zu ändern. Soziales Verhalten lernen

Der zweimonatige Kurs besteht aus fünf Trainingsblöcken. Es gehe darum, selbst bei größter Provokation Gewalt zu vermeiden, sagt Trainingsleiterin Rebekka Henrich. Außerdem werden Themen wie Männlichkeit, Rhetorik für die Schule und sogar Flirten angesprochen. Die Jungen sollen lernen, wie man sich respektvoll zum Beispiel gegenüber Lehrern verhält. Gleichzeitig soll ihr Selbstbewusstsein positiv gestärkt werden.

HSV Profi Marcell Jansen läuft in eine Reihe mit Jugendlichen des Hamburger Anti-Agressionskurses Foto: DW

Trainieren mit einem Nationalspieler - ein Traum für jeden Nachwuchskicker

Mit Vorbildern arbeiten

Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum fairen Fußballer ist für die Macher des Projekts "Zweikampfverhalten“ die Arbeit mit Vorbildern. So werden auch Spieler des HSV eingebunden. Zum Auftakt ist Nationalspieler Marcell Jansen gekommen. Wie alle anderen nimmt er zunächst an den Chi Gong-Entspannungsübungen teil und stellt sich dann den Fragen der jungen Spieler. Einer will wissen, wie Jansen reagieren würde, wenn ein Gegner seine Familie beleidigt. "Ich kenne natürlich solche Situationen“, gibt der HSV-Profi zu, aber er habe irgendwann auch gemerkt, dass der Gegner da nicht nachgedacht habe. Dann lächele er immer zurück und alles sei wieder gut. Große Augen für den Star

Jansen gibt den Jungen weitere Tipps zu coolerem Verhalten auf dem Platz. Locker sitzt er auf seinem Stuhl, die Baseballmütze auf dem Kopf. Man nimmt ihm ab, was er sagt. Die Jugendlichen sind sichtlich beeindruckt: "Ich hab viel von Marcell gelernt", sagt der 13-jährige Erhan. Er wolle künftig auch so locker mit Konflikten umgehen. Und der 15-jährige Kevin meint, dass er einem Marcell Jansen viel eher glaubt als irgend einem anderen Erwachsenen.

Enge Kooperation

Zinedine Zidane sieht im WM-Finale 2006 die Rote Karte. Foto: ap

So wie Zidane im WM-Finale 2006 sollen sich die Kids eben nicht verhalten

Finanziert wird das Trainingsprogramm "Zweikampfverhalten“, wie sieben weitere soziale Projekte, von der Hamburger Wirtschaft. Ein Elftel der Sponsoringgelder für den Hamburger Sportverein fließt jeweils in die Einrichtungen. Das seien, so der HSV, jedes Jahr mehr als 500.000 Euro. Unterstützt werden zum Beispiel eine Initiative, die ehemals drogenabhängige Jugendliche ausbildet, ein kostenloser Mittagstisch mit Hausaufgabenbetreuung in einem Hamburger sozialen Brennpunkt und ein Bildungsprogramm für sozial benachteiligte Familien. Für Angela Acke von der Zeitarbeitsfirma Randstad ist es wichtig, "schnell, effizient und effektiv" helfen zu können.

Wo Hilfe gebraucht wird, erfahren Wirtschaft und Sport vom Senat. Hamburgs Erster Bürgermeister, Ole von Beust, hat persönlich die Schirmherrschaft für den Hamburger Weg übernommen. Die Sportler des HSV seien ein großes Vorbild für die jungen Menschen. Die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Sport mache die Stadt insgesamt stark, sagt von Beust.

Alle, die sich am Hamburger Weg beteiligen, können damit zugleich werben. Es gibt ein eigens geschaffenes Logo, das im Briefkopf verwendet werden kann, es gibt Stifte und andere Merchandising-Artikel. Faires Kicken

Marcell Jansen trainiert mit den Kursteilnehmern

Kurzpass-Spiel mit Jansen

Im Projekt "Zweikampfverhalten“ ist der Fußball Dreh- und Angelpunkt des ganzen Trainings. Die meiste Zeit sind die Jungen mit ihren Betreuern auf dem Platz, müssen mit Konfliktsituationen wie Fouls oder Beschimpfungen umgehen. Besuche von HSV-Profis wie Marcell Jansen, sind für die Jugendlichen natürlich die besonderen Höhepunkte. Nach der Halbzeit des Kurses zieht Jungkicker Roberto eine erste gute Bilanz: "Es gab mal eine Situation, in der mein Gegner auch gewalttätig werden wollte, aber dann habe ich es ganz normal geklärt“. Auch sein Freund Barish sagt, er haue nicht mehr gleich zu, sondern erst mal werde geredet.

Und auch wenn sie es erst auf Nachfrage zugeben wollen: Alle sind mächtig stolz, dass sie sich so gut bewährt haben.

Autor: Kathrin Erdmann

Redaktion: Wolfgang van Kann

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