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Kultur

Lieber Twitterer, male mich!

Der Nachrichten-Dienst Twitter bietet mehr als nur kurzes Text-Gezwitscher. Die Grafikdesignerin Michaela von Aichberger tobt sich dort künstlerisch aus und malt ihre "Follower" – ohne sie je gesehen zu haben.

Die Künstlerin steht in ihrer Kölner Ausstellung vor den Eponaten (Foto: DW/ Daria Bryantseva)

Twittern heißt sich kurz fassen. Für's Mikrobloggen gibt es bekanntlich nur 140 Zeichen. Viel kann man da also nicht von sich preisgeben. Michaela von Aichberger ist in der Twitter-Szene so etwas wie ein weiblicher Picasso. Sie schreibt nicht nur, sie malt nämlich auch. Und zwar ihre "Follower", die ihre Tweets abonniert haben. Das sind inzwischen mehr als 5000. Sie macht Zeichnungen in ihrem Notizbuch, fotografiert dann die Bilder und stellt sie anschließend ins Netz. Bei Twitter nennt sich die 42jährige "frauenfuss".

Zeichnung einer Frau im roten Mantel vor Hochhäusern (Foto: DW/ Daria Bryantseva)

So imaginiert "frauenfuß" eine Followerin

Das Projekt "ich male meinen Follower" hat Michaela von Aichberger bekannt gemacht, und nicht nur unter ihren virtuellen Anhängern. Ihre Zeichnungen sind derzeit in zahlreichen Großstädten zu sehen. In ihrer ersten Ausstellung hat Frau "frauenfuss" viele von ihren Protagonisten, die aus allen Ecken Deutschlands eingereist waren, zum ersten Mal zu Gesicht bekommen.

Zeichnung einer Frau im pinkfarbenen Shirt, die auf einer riesigen Schokoladentafel sitzt (Foto: DW/ Daria Bryantseva)

Fanstasie ist gefragt

"Ich finde es immer wunderbar, wenn ich kein Foto von dem Follower habe, sondern ein bisschen fantasieren kann, einfach gucke, was schreiben die Menschen über sich, was sehen sie für Filme, was lesen sie für Bücher. Und daraus mache ich dann ein kleines Psychogramm und denke, so ist also die Figur, so muss der Mensch dann aussehen", schildert Michaela von Aichberger ihre künstlerischen Ambitionen.

Frau im roten Hosenrock steht vor einem Gemälde mit der Überschrift barbarella(Foto: DW/ Daria Bryantseva)

...da landet man auch in den 1960er Jahren

"frauenfuß" kann sich vor Anfragen kaum retten. Ihre "Follower" heißen "Häkelschwein", "Stricktier" oder "Textelle". Ihre Bilder sind pure Hirngespinste, treffen aber meist ins Schwarze: "Alle waren hellauf begeistert. Wenn ich Aktbilder einfließen lasse und Leute nackt darstelle, dann frage ich vorher: 'Ist es okay, das so zu twittern?' Und da sagen die Leute: 'Oh, super! Das ist ja Klasse!'", erzählt die Twitter-Künstlerin im Interview mit DW-WORLD.DE.

Autorin: Daria Bryantseva

Redaktion: Conny Paul