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Kultur

Lieber inkognito

Seine Bücher sind in mehr als 40 Sprachen übersetzt worden und doch würde ihn auf der Straße niemand erkennen: Daniel Kehlmann hat in New York die englische Übersetzung seines Romanes "Ruhm" vorgestellt.

Daniel Kehlmann gibt Autogramme. Kehlmann im National Arts Club in New York. DW

Daniel Kehlmann gibt Autogramme

Eigentlich, so erklärt der 35jährige Schriftsteller seinem Publikum im New Yorker "National Arts Club", sei "Ruhm" die Überschrift einer Geschichte gewesen, die sich im Buch gar nicht mehr findet. Aber der Titel habe ihm so gut gefallen, dass er ihn beibehalten habe. Denn schließlich geht es in vielen der neun Kurzgeschichten, aus denen der Roman besteht, um Ruhm.

Er selbst hält sich allerdings nicht für berühmt, erklärt Kehlmann, und zitiert Gore Vidal. Der hatte gesagt, berühmte Schriftsteller gebe es nicht mehr, höchstens berühmte Schauspieler, Baseballspieler oder Politiker. "Man könnte sich nicht vorstellen, dass Paparazzi vor der Tür eines Schriftstellers stehen oder dass sich die Skandalpresse für einen Schriftsteller interessiert", erläutert Kehlmann. Schriftsteller seien, auch in Amerika, Randfiguren und das sei auch gut so. Von der "Obsession" an dem Leben einiger weniger herausgehobener Personen hält der Deutsche, der in Österreich aufgewachsen ist, offensichtlich wenig. Er sei froh, dass er nicht erkannt werde und ein normales Leben führen könne.

15 Minuten Ruhm

Jeffrey Eugenides und Daniel Kehlmann im National Arts Club in New York

Jeffrey Eugenides und Daniel Kehlmann

Auch Jeffrey Eugenides, der an diesem Abend neben Kehlmann in einem schweren Ledersessel Platz genommen hat, zieht es vor, auf der Straße nicht erkannt zu werden. Der Amerikaner wurde für seinen Roman "Middlesex" 2003 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. "Ruhm hat sich verändert", sagt er, Leistung zähle inzwischen oft nicht mehr. "Die Menschen denken heutzutage dabei an Paris Hilton oder diesen verrückten Pastor in Florida." Der Mann hatte gedroht, den Koran zu verbrennen, und war zu einem Medienereignis geworden.

"Schriftsteller wollen gar nicht berühmt sein," meint Eugenides, "denn dann ist man kein Beobachter mehr, man fällt auf." Als Schriftsteller müsse man inkognito sein können, um Gespräche zu belauschen und die Gesellschaft zu beobachten. Dabei gibt er zu, dass eine gewisse Bekanntheit verkaufsfördernd ist. Dazu müssten die Menschen aber nur den Namen erkennen, nicht das Gesicht. "Die Menschen sollen sich für das Buch interessieren, aber nicht für die Person, die dahinter steht", wünscht er sich.

Ernst und Hingabe

Buchparty im National Arts Club DW

Buchparty im National Arts Club

Daniel Kehlmann ist in Amerika nicht berühmt. Dennoch sind fast 100 Gäste in den gediegenen Club im Herzen Manhattans gekommen. Eingeladen zum Verkaufsstart von "Fame" hat der deutsche Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dr. Peter Wittig. Er sei Kehlmann sehr dankbar, erklärte Botschafter Wittig, schließlich sei es dessen Roman "Ich und Kaminski" gewesen, der seine pubertierende Tochter vom Schuhe kaufen abgelenkt und für die Literatur interessiert habe. Als Botschafter der deutschen Sprache sieht sich Kehlmann allerdings nicht, sagt er. Das sei auch gar nicht nötig, schließlich sei sie nicht vom Verschwinden bedroht. "Aber sie braucht Leute, die mit Ernst und Hingabe versuchen, ihr so viel wie möglich abzugewinnen."

Dabei hat der Schriftsteller auf seinen vielen Reisen festgestellt, dass seine Bücher im Ausland teilweise anders wahrgenommen werden. Das treffe besonders auf "Die Vermessung der Welt" zu. Der Roman erzählt das Leben des Mathematikers Carl Friedrich Gauß und des Entdeckers Alexander von Humboldt. "In England oder Frankreich wird man viel mehr nach dem Humor des Buches gefragt", sagt Kehlmann, "in Deutschland und in Amerika viel mehr nach der Wissenschaft".

"Die Vermessung der Welt" wurde als eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahrzehnte gefeiert. Wird das jetzt so weiter gehen? Vermutlich nicht, sagt Daniel Kehlmann nüchtern. Vermutlich werde es jetzt erst einmal eine Weile ruhiger werden. Er werde aber weiter möglichst gute Bücher schreiben, "und alles andere hoffnungsvoll dem Schicksal überlassen".

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Günther Birkenstock