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Kultur

Liebe zur Natur und zu Büchern

Was macht man, wenn man sowohl Natur- als auch Buchliebhaber ist? Man greift zur Buchreihe "Naturkunden". Was sich hinter diesem Projekt verbirgt, erzählt "Matthes & Seitz"-Verlagschef Andreas Rötzer im DW-Gespräch.

Deutsche Welle: Herr Rötzer, was steckte hinter der Idee, als Sie 2013 damit anfingen, die Buchreihe "Naturkunden" in das Verlagsprogramm aufzunehmen?

Zunächst gab es die Idee, dass ich gerne Bücher machen wollte zum Thema Natur, Tiere und Landschaften. Die Begegnung mit der Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky war dann im Grunde wie ein Kurzschluss. Über die Begegnung mit ihr kam die Idee, das zu kombinieren. Wir wollten Bücher machen, die schön sein sollten und auf eine gewissen Art ehrlich und traditionell.

In den Elementen, die ein wertvolles Buch für uns ausmachen, sind wir stark in die Tradition, in die Vergangenheit und in die Geschichte des Buchmachens zurückgegangen. Wir haben gesehen, dass die Stärke des Buches auch die Materialität ist. Dass man es gerne anfasst, dass man es schön aufblättern kann. Diese Stärke wollten wir hervorkehren. Dass wollten wir auch zur Stärke dieser Reihe machen.

Das beste aus beiden Bereichen

Vor dem Hintergrund der Diskussion über E-Books und den digitalen Wandel: Wäre eine solche Buchreihe möglicherweise vor zehn Jahren noch gar nicht durchzusetzen gewesen?

Vor zehn Jahren wäre die Idee wahrscheinlich gefloppt. Aber je mehr diskutiert wird über Virtualität, je mehr auch verloren geht an Materialität, je mehr die Entwicklung in eine "simulierte digitale Welt" geht, desto mehr besteht das Bedürfnis nach Materialität, nach einer Wirklichkeit, die man auch anfassen kann. Ich glaube, dass spielt schon eine Rolle dabei, dass diese Reihe erfolgreich ist.

Aber wir grenzen uns auch davon ab, diese Materialität beim Buch auszuspielen gegen das Digitale. Es hat beides seine Berechtigung. Man muss nur versuchen aus jedem Bereich das Beste zu machen. Wir haben eben versucht, aus der Idee Buch das Beste zu machen.

Judith Schalansky (Foto: dpa)

Hob die Naturkunden-Reihe mit aus der Taufe: Autorin und Buchgestalterin Judith Schalansky

"Der zweite Verlust der Natur"

Haben das Konzept und die Buchreihe auch etwas zu tun mit der zu beobachtenden Rückbesinnung der Menschen auf die Natur?

Am Anfang, bei jeder Entscheidung ein spezielles Buch zu machen, steht immer der Inhalt. Danach wird die Verpackung gemacht. Die in diesem Fall mehr ist als nur eine Verpackung, sondern integraler Bestandteil des Inhalts. Nur so kann der Inhalt transportiert werden.

Warum Natur? Als wir die vollständige Ausgabe der "Erinnerungen eines Insektenforschers" von Jean-Henri Fabre gemacht und vor fünf Jahren den ersten Band herausgebracht haben, war die Resonanz so groß, dass ich mir dachte, da ist mehr drin. Das ist ein Thema, das man ausarbeiten muss, weil das Bedürfnis da ist, über Natur zu sprechen. Weil es, meiner Meinung nach, einen "zweiten Verlust der Natur" gibt - durch die verstärkte Digitalisierung und Virtualisierung der Welt.

Dieser Verlust wird begleitet von einer stärkeren Reflexion über Natur. Dieser Reflexion einen Ort zu geben, das war der Wunsch dieser Reihe. So gibt es die "Naturkunden"-Reihe, die im Grunde ja auch eine Art Rückgriff auf das 19. Jahrhundert ist. Im Grunde wird Geschichte und das Wissen über Natur erzählt. Das ist das Merkmal dieser Reihe. Es ist zwar Wissenschaft, aber es ist auch Literatur. Diese Mischung ist sehr charmant und kann uns heute etwas Neues über die Natur erzählen.

Was reizt die Leser an dieser Beschäftigung mit der Natur? Worin liegt beispielsweise der Reiz ein Buch zu lesen über Esel?

Das liegt zum einen an den Autoren, die die Texte aus Leidenschaft schreiben. Das fing bei Jean Henri Fabre an, der damals noch nicht im Rahmen der Reihe herauskam. Das Esel-Porträt in der "Naturkunden"-Reihe von Jutta Person ist aus einer Leidenschaft für dieses Tier heraus geschrieben. Dadurch entstehen eine ganz subjektive und persönliche Kultur und eine zoologische Geschichte dieses Tieres. Das ist sympathisch und klug und baut eine Nähe zum Leser auf. Ein Teil des Erfolgs liegt in dem Objektcharakter des Buches begründet. Aber der soll zu den Inhalten verführen.

Auch im Ausland erfolgreich

Welche Reaktionen haben Sie in den letzten Jahren bekommen? Gab es auch Reaktionen im Ausland?

Die Reihe "Naturkunden" kommt sehr gut an. Die Reihe spricht offenbar ein Bedürfnis an, das vorhanden ist. Die Aufnahme im Ausland freut mich besonders. Ich hatte in letzter Zeit häufig Gelegenheit, die Reihe im Ausland vorzustellen, vor ausländischen Verlegern und Programmmachern. Die sind immer erstaunt, dass das funktioniert: Teure Bücher, teuer gemachte Bücher über die Natur, zu verkaufen. Das Erstaunen der Verlage mitzukriegen, ist sehr schön, dass man dem Ausland eine Idee gegeben hat.

Ich bin sicher, dass solche Reihen auch im Ausland entstehen werden. Das werden dann keine Kopien der "Naturkunden"-Reihe sein, aber sie werden von unserer Idee, schöne und gut gemachte Bücher über Natur zu machen, inspiriert sein. In Frankreich gibt es jetzt schon etwas Ähnliches. Sogar auch im arabischen Raum. Einzelne Titel der "Naturkunden" sind beispielsweise auch schon in Schweden oder Italien herausgekommen, in Schweden zum Beispiel das Tierporträt "Krähen". Das sind kleine Bücher, sehr schön illustriert. Die lassen sich leicht übersetzen. Deshalb ist auch der Markt im Ausland interessant.

Das Gespräch führte Jochen Kürten

Die Reihe "Naturkunden" erscheint seit dem vergangenen Jahr beim Verlag Matthes & Seitz. Bisher sind 19 Bände in vier verschiedenen Formaten erschienen. Zuletzt beispielsweise Bücher über Tiefseefische oder Pilze.

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