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Alltagsdeutsch – Podcast

Liebe, Zank und Leidenschaft

Soap Opera – auf gut Deutsch "Seifenoper". Weltweit hat diese Form von meist täglichen Serien ihre Anhänger. In der Regel geht es um Liebe, Streit, große Gefühle, Leidenschaft, Intrigen und Geld. Woher rührt der Erfolg?

Sprecherin:

Ihr Erfolg geht zurück ins Amerika der 30er Jahre. Damals finanzierte ein Waschmittelkonzern die ersten täglichen Herz-Schmerz-Geschichten im Rundfunk. Seit dieser Zeit heißen die täglichen Serien, egal ob sie im Radio oder Fernsehen ausgestrahlt werden, scherzhaft Seifenopern.

O-Ton

"Verbotene Liebe"

"Henning, was ist denn los? – Wir dürfen es nicht. Marie, wir, wir sind Geschwister."

Sprecher:

Seit Anfang der 90er Jahre haben Seifenopern auch die deutschen Fernsehprogramme erobert. Längst werden nicht mehr nur Serien aus dem Ausland übernommen. Inzwischen erfreuen sich auch zahlreiche deutsche Seifenopern ständig wachsender Beliebtheit. Zum Beispiel eine Serie mit dem Titel "Verbotene Liebe". Im Mittelpunkt stehen der Industriellensohn Henning von Anstetten und seine große Liebe Marie von Beyenbach. Sie wird gespielt von der Münchnerin Solveig Duda.

Solveig Duda:

"Wir sind, oder wir glauben es zu sein, wir glauben, dass wir Geschwister sind und waren ganz, ganz schlimm verliebt und wollten heiraten und durch eine Intrige kam eben raus, dass wir Bruder und Schwester sind und mussten uns natürlich deshalb trennen und sind dadurch sehr unglücklich erst gewesen. Jetzt inzwischen, mehr oder weniger vertröstet durch andere Partner, aber natürlich ist die Liebe doch irgendwie noch da."

Sprecherin:

In der Serie kommt raus, dass Marie und Henning Geschwister sind. Etwas kommt raus oder förmlicher etwas kommt heraus ist eine umgangssprachliche Wendung für etwas kommt ans Tageslicht, etwas wird aufgedeckt. In diesem Fall eben die angebliche Verwandtschaft des Liebespaares. In einer Seifenoper findet aber normalerweise auch die aussichtsloseste Geschichte irgendwann ein gutes Ende. Deshalb gibt es wahrscheinlich auch für Marie noch Hoffnung.

O-Ton

"Verbotene Liebe"

"Marie. Wir schaffen das. – Du vielleicht. – Glaubst du, ich lass' dich jetzt allein, bloß weil wir plötzlich Geschwister sind."

Sprecher:

Maries große Liebe Henning von Anstetten wird von Patrick Fichte gespielt. Der Düsseldorfer hat in Hamburg Schauspiel studiert. Er ist bereits in vielen Bühnenrollen aufgetreten und war außerdem in einigen Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. Er hat auch schon selber Stücke inszeniert. Für seine Rolle in der Serie Verbotene Liebe kommt dem großen Blonden außer seiner künstlerischen Begabung vor allem auch sein gutes Aussehen zugute.

Patrick Fichte:

"Ich bin von Adel, hochgradig von Adel in dieser Serie, schwer reich und soll wohl so 'ne Art Herzensbrecher auch sein, zumindest bin ich sehr gutmütig, leider auch sehr gutgläubig. Im Prinzip bin ich 'nen Mensch aus dem Volk, genau wie jeder andere auch, nur dass es ein 'von' ist und dass er ein bisschen mehr Geld hat."

Sprecherin:

In seiner Rolle als Henning von Anstetten ist Patrick Fichte von Adel. Das Wort stammt vom althochdeutschen adal. Es bezeichnet die Land besitzende und herrschende Klasse im Feudalismus. Heutzutage haben Adlige nicht mehr Rechte und Privilegien als andere Menschen auch.

Sprecher:

Adelige sind beliebte Charaktere in Seifenopern wie der Verbotenen Liebe. Sie werden gerne als schöne Menschen in prächtigen Häusern dargestellt, die ein Leben in Luxus führen. Auch die aparte Solveig Duda spielt in ihrer Rolle als Marie von Beyenbach eine junge Adlige. Obwohl die zierliche Blondine noch sehr jung ist, hat sie schon viel Erfahrung als Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin gesammelt. Dabei wurde sie auch für ihre Rolle als Marie von Beyenbach entdeckt.

Solveig Duda:

"Bei mir war es so: Ich hab' in München Schauspielschule angefangen und nicht beendet, habe Theater gespielt, habe synchronisiert sehr viel seit meinem zehnten Lebensjahr. Ich hab' auch Film- und Fernsehen immer mal wieder gemacht und irgendwann war's dann."

Sprecherin:

Neben ihrer Theater- und Filmarbeit hat Solveig Duda auch synchronisiert. Das Wort leitet sich ab vom griechischen sýnchrónos, was so viel bedeutet wie gleichzeitig. Beim Synchronisieren werden die Dialoge fremdsprachiger Filme neu aufgenommen und zwar in der Sprache des Landes, in dem der Film gezeigt wird. Der Originalton des Films wird dann durch den neuen Ton ersetzt. Filmsynchronisation ist eine anspruchsvolle Aufgabe für professionelle Schauspieler. Denn in der synchronisierten Fassung muss der Ausdruck der Originalstimmen ganz genau wiedergegeben werden, um die künstlerische Qualität des Films und die Glaubwürdigkeit der Geschichte zu erhalten.

Sprecher:

Die Geschichten in einer Seifenoper werden in sehr kleinen Schritten erzählt. Anders ließen sich derartige Serien nicht über Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte ausdehnen. Damit die einzelnen Folgen trotzdem nicht langweilig sind, wird der Zuschauer in jeder Folge mit mehreren Ereignissen konfrontiert, die sich zeitgleich abspielen. Auch Patrick Fichte als Henning von Anstetten spielt in jeder Folge immer nur in einer von mehreren parallel ablaufenden Handlungen mit. Diese Einzelgeschichten, die sich am Ende zu einer Gesamthandlung zusammensetzen, bezeichnet man als Handlungsstränge. Als Strang wir etwas Zusammenhängendes bezeichnet. Auch das Wort Strick ist damit verwandt.

Patrick Fichte:

"Es gibt immer drei Stränge, drei Geschichten, die parallel erzählt werden, und eine, die gerade drei Wochen hauptsächlich erzählt wird. Dabei werden dann die anderen beiden ein bisschen geparkt und es verschachtelt sich so ineinander. Das einzige, was hier versucht wird, ist, dass die Rollenprofile bestehen bleiben, aber einen roten Faden von der ersten bis zur letzten Sendung gibt's nicht."

Sprecherin:

Als roten Faden bezeichnet man ein Leitmotiv oder einen Grundgedanken, der sich durch eine längere Geschichte zieht. Diese gebräuchliche Redewendung geht zurück auf ein Zitat aus Goethes Wahlverwandtschaften. Goethe beschreibt an einer Stelle die Taue auf den Schiffen der englischen Kriegsmarine. Durch jedes zöge sich ein roter Faden, um sie als Besitz der englischen Krone zu kennzeichnen. Später verwendet Goethe das Bild vom roten Faden dann als Ausdruck für einen Gedanken, der eine Geschichte durchzieht und alles verbindet.

O-Ton

"Verbotene Liebe"

"Henning. Was ist denn jetzt? – Ja. Es gibt da was. – Das hab' ich auch gemerkt. Aber was? – Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll. – Egal, was es ist. Du kannst mir alles sagen."


Sprecher:

An den Geschichten einer Seifenoper arbeiten über die Jahre hinweg viele verschiedene Drehbuchautoren. Da ist es manchmal schwierig, in der Handlung noch einen roten Faden zu erkennen. Immer erkennbar bleiben müssen allerdings die Charaktere der Hauptfiguren. Die Darsteller sind dabei zur Mitarbeit aufgerufen.

Patrick Fichte:

"Also im Prinzip werden die Geschichten schon vorgegeben. Das stimmt schon, und dann wird es mit der Redaktion, mit der Produktion besprochen. Der Weg einer Geschichte, bis sie letztendlich gedreht wird, ist lang und geht durch viele Hände. Wir bekommen sie im Grunde genommen immer erst fertig zu sehen. Selbst da haben wir noch die Chance, Dinge zu ändern, die uns also wirklich gegen den Strich gehen, besonders auch Formulierungen, Satzbauweisen et cetera."

Sprecherin:

Patrick darf ändern, was ihm gegen den Strich geht. Diese gebräuchliche Redewendung beruht auf der Beobachtung, dass Tiere, die gegen die Wuchsrichtung ihre Haare gestreichelt werden, gereizt und angriffslustig reagieren. Wenn jemandem etwas gegen den Strich geht, bedeutet das also, dass etwas sein Missfallen erregt.

Sprecher:

Wenn schließlich alle Unstimmigkeiten über eine Geschichte ausgeräumt sind, beginnt die eigentliche Arbeit der Schauspieler. Für Seriendarsteller wie Patrick Fichte und Solveig Duda ähneln die Arbeitstage – zumindest was die Zeiten angeht – manchmal eher einer Bürotätigkeit als einem Theaterberuf.

Solveig Duda:

"Die Woche sieht doch recht voll gestopft aus. Ja, man ist eigentlich die meiste Zeit hier im Studio oder eben im Außendreh. Wir haben drei Außendrehtage noch zusätzlich, wo man sehr viel Zeit mit sich bringen muss. Und das ist schon teilweise sehr anstrengend, weil man sieben Uhr Maske hat, dann wirklich den ganzen Tag ein Bild nach dem andern dreht, man muss sich zwischendrin umziehen, man hat dann zwar 'ne Mittagspause, aber ist dann wirklich den ganzen Tag eingespannt."

Sprecherin:

Wenn Solveig um sieben Uhr Maske hat, bedeutet das, dass sie ab sieben Uhr morgens von professionellen Schminkkünstlern, den Maskenbildnern, kameragerecht geschminkt wird. Verkürzungen wie Maske haben anstelle von eine Sitzung in der Maskenbildnerei haben finden sich im Deutschen häufig, wenn bestimmte Termine an bestimmten Orten beschrieben werden. So wird zum Beispiel ein Ballettschüler eher sagen "Heute hab' ich Ballett" als "Heute habe ich Unterricht in der Ballettschule".


Sprecher:

Damit Seriendarsteller ihr tägliches Pensum an Szenen ohne Verzögerungen drehen können, müssen sie ihren Text beherrschen. Zwar gibt es in den kurzen Szenen einer Seifenoper keine großen zusammenhängenden Textpassagen. Aber auch die vielen kleinen Auftritte wollen sorgfältig erarbeitet werden.

Patrick Fichte:

"Dazu muss ich sagen, dass ich das große Glück habe, wahnsinnig schnell 'nen Text zu lernen. Ich lese das dreimal und ich hab's drauf. Das ist 'ne Gabe, für die ich auch sehr dankbar bin."

Sprecherin:

Wenn Patrick seinen Text drauf hat, dann beherrscht er ihn. Der Ausdruck etwas draufhaben verkürzt die Redewendung etwas auf der Pfanne haben. Sie bedeutet ebenfalls etwas leisten zu können, zu etwas in der Lage zu sein. Die Redensart leitet sich aus der Soldatensprache des Dreißigjährigen Krieges ab. Pfanne bezeichnet bei dem damals gebräuchlichen Steinschlossgewehr eine kleine Mulde, auf die Zündpulver geschüttet wurde. Ein Schütze, der etwas auf der Pfanne hatte, war somit schussbereit.

O-Ton

"Verbotene Liebe"

"Dieses Problem. – Ich will nicht darüber reden. – Ich werde heute Abend nicht davon anfangen. Das wollte ich nur sagen. So. Jetzt machen wir uns 'nen gemütlichen Abend. – Ich würde lieber ausgehen. – Wie du willst! Wohin gehen wir?"

Sprecher:

Patrick und Solveig haben mehr drauf als nur ihren Text. Sie beherrschen es, das meist jugendliche Publikum der Verbotenen Liebe zu begeistern. Die starke Bindung des Publikums an tägliche Fernsehserien macht diese Formate bei den Sendern so beliebt. Denn sie verhilft ihnen zu regelmäßigen hohen Zuschauerzahlen. Hohe Zuschauerzahlen wiederum garantieren einem Sender hohe Werbeeinnahmen. Schauspielerinnen und Schauspieler, die regelmäßig in einer Seifenoper auftreten, genießen Starruhm.

Solveig Duda:

"Wir kommen sehr gut an beim Publikum. Wir haben ein sehr junges Publikum. Es ist sehr nett, wenn man angesprochen wird, also meistens wird man nett angesprochen, und ich hab' kaum schlechte Erfahrung gemacht mit Fans. Ab und zu ist es natürlich so, dass man seine Ruhe haben möchte, wenn man morgens zum Bäcker geht und noch nicht geschminkt ist und dann erkannt wird – dann mag es vielleicht mal 'nen bisschen doof sein und man möchte seine Ruhe haben. Aber ansonsten ist es sehr nett und angenehm."

Sprecher:

Auch Patrick wird sehr häufig auf der Straße erkannt. Gerade für ihn schwärmen viele junge Mädchen. Die äußern dann ihre Bewunderung besonders leidenschaftlich.

Patrick Fichte:

"Es ist in der Tat 'nen Unterschied, ob eine Frau in dieser Serie spielt oder ein Mann, nicht aus dem Grunde, dass ein Mann mehr Fans hat, sondern die weiblichen Fans reagieren anders. Also, das heißt, wenn man irgendwo langgeht, wird schon öfter mal laut 'Henning' gekreischt und hinterhergelaufen und so. Und das sparen sich die meisten Männer, die jetzt zum Beispiel auf Solveig Duda stehen, oder so."

Sprecherin:

Die Redensart auf jemanden stehen ist erst seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts gebräuchlich. Sie leitet sich ab von zu jemandem stehen, was so viel bedeutet wie jemandem die Treue halten. Auf jemanden stehen heißt jemanden außerordentlich attraktiv zu finden, für jemanden zu schwärmen. Der Ausdruck hat allerdings umgangssprachliche Qualität.

O-Ton

"Verbotene Liebe"

"Sieh mich nicht so an, bitte. – Ich liebe dich so. Geh, geh. – Seh' ich dich morgen?"

Sprecher:

Neben der Bewunderung der Zuschauerinnen und Zuschauer bringt eine Rolle in einer Seifenoper für Schauspieler noch andere Vorteile. Während Engagements am Theater meistens auf ein Stück oder eine Spielzeit beschränkt sind, bedeutet die große Rolle in einer täglichen Fernsehserie einen sicheren Arbeitsplatz für viele Jahre.

Solveig Duda:

"Das ist natürlich für 'nen Schauspieler sehr schön, mal regelmäßig Einkünfte zu haben, ein 'festes Engagement' in Anführungsstrichen, und deshalb besteht die Gefahr, dass man schnell sagt 'Ach ja, da bleib' ich noch 'nen bisschen, und da bleib' ich noch 'nen bisschen und da bleib' ich noch 'nen bisschen', und dass man dann natürlich irgendwie abgestempelt werden kann, ist klar. Ich hoffe es natürlich nicht, denn ich möchte weiter Theater spielen und ich glaube, wenn man selbst etwas dafür tut und sich bemüht, einfach in der Richtung auch was zu machen, dann ist das nach wie vor möglich."

Sprecherin:

Abgestempelt werden ist ein Ausdruck dafür, auf einen bestimmten Typ oder einen bestimmte Rolle festgelegt zu werden. Eine andere, häufig gebrauchhte Wendung mit derselben Bedeutung ist in eine Schublade gesteckt werden. Schauspieler fürchten sich davor, in eine Schublade gesteckt zu werden, da sie dann nur noch Rollen eines ganz bestimmten Typs angeboten bekommen. Sie können ihre Vielseitigkeit als Darsteller dann nicht mehr ausreichend unter Beweis stellen.

Sprecher:

Trotz der großen Rollen in einer täglichen Fernsehserie wollen sich Solveig Duda und Patrick Fichte ihre künstlerische Vielseitigkeit unter allen Umständen erhalten.

Solveig Duda:

"Ich möchte einfach so viel wie möglich so schön wie möglich spielen. Ich möchte wieder Theater spielen, ich möchte einfach schöne Sachen angeboten bekommen, am schönsten wär's natürlich, wenn ich's mir aussuchen kann – und möchte einfach vielfältig sein."

Patrick Fichte:

"Ich hoffe, dass ich in meinem Leben ein, zwei gute Filme pro Jahr machen kann und ein, zwei schöne Theaterproduktionen und ich möchte definitiv und unbedingt Henry V. und Hamlet spielen. Ich bin Shakespeare-Fan."




Fragen zum Text

Nicht von Adel ist der/die deutsche Schriftsteller/in …

1. Schiller.

2. Arnim.

3. Mann.

Wird etwas synchronisiert wird, dann …

1. wird ein Film mit Untertiteln versehen.

2. wird ein Film oder Ähnliches in einer anderen Sprache mit neuem Ton versehen.

3. bekommt ein Film eine komplett neue Musik.

Der umgangssprachliche Begriff geparkt bedeutet, dass …

1. etwas zunächst nicht mehr im Vordergrund steht.

2. ein Auto auf einem Parkplatz abgestellt wird.

3. Gärtner in einem Park gearbeitet haben.

Arbeitsauftrag
Außer in Deutschland gibt es in vielen Ländern – zum Beispiel den USA, Südafrika, Kolumbien – Soap Operas. Recherchieren Sie im Internet. Wählen Sie eine Soap Opera aus. Erstellen Sie eine kurze Inhaltsangabe. Beantworten Sie dabei unter anderem folgende Fragen: Wer sind die handelnden Personen? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Wovon handelt die gesamte Soap? Tragen Sie Ihre Inhaltsangabe in der Gruppe vor.

Autorin: Catrin Möderler

Redaktion: Beatrice Warken

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