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Wirtschaft

Licht und Schatten in der Bankenszene

Gute und schlechte Nachrichten von den US-Geldhäusern: Während die Bank of America und die Citigroup überraschend hohe Gewinne melden, kämpft die angeschlagene Mittelstandsbank CIT ums Überleben.

Porträt von Kenneth Lewis, Chef der Bank of America (Foto: AP)

Kenneth Lewis, Chef der Bank of America, verkündet überraschende Nachrichten

Nach Goldman Sachs und JPMorgan Chase können nun auch die Bank of America und die Citigroup der Finanzkrise trotzen: Alle vier überraschen die Experten mit unerwartet kräftigen Quartalsgewinnen. Die Bank of America verdiente im zweiten Quartal 2009 auch durch Einnahmen aus lukrativen Anteilsverkäufen rund 2,4 Milliarden Dollar, wie die größte Bank der Vereinigten Staaten am Freitag (17.07.2009) in Charlotte mitteilte.

Auch die zu den größten Verlierern der Finanzkrise zählende Citigroup kehrte überraschend in die Gewinnzone zurück - und das nach sechs Verlustquartalen in Folge. Die Großbank aus New York verdiente im zweiten Quartal nach eigenen Angaben fast 4,3 Milliarden Dollar.

Das Gebäude der Investmentbank Goldman Sachs in New York (Archivfoto 2007, dpa).

Ist die Finanzkrise schon überwunden? Die Investmentbank Goldman Sachs in New York schreibt schwarze Zahlen

In der laufenden Woche hatten bereits die Investmentbank Goldman Sachs und die Großbank J.P. Morgan Chase mit Milliardengewinnen überrascht, die weit über den Erwartungen lagen. Beide Häuser erzielten einen Nettogewinn von je 2,7 Milliarden Dollar.

Mittelstandsbank CIT kämpft ums Überleben

Die schöne Bankenstimmung in den USA wird jedoch getrübt durch die Negativschlagzeilen um die angeschlagene Mittelstandsbank CIT, die um eine Rettung in letzter Minute ringt. Die größten Gläubiger des hoch verschuldeten Instituts aus New York bemühten sich in der Nacht zum Freitag um neue Kredite im Umfang von zwei Milliarden bis vier Milliarden Dollar, wie aus informierten Kreisen verlautete.

Am Mittwoch hatte es die US-Regierung abgelehnt, der Bank erneut mit einen Notkredit zu Hilfe zu kommen. CIT hatte erst im Dezember 2008 2,3 Milliarden Euro Staatshilfe erhalten. Im April hatte das Institut einen unerwartet hohen Verlust für das erste Quartal gemeldet. Zum ersten Vierteljahr 2010 werden den Angaben zufolge Verbindlichkeiten von 7,4 Milliarden Dollar fällig.

Analysten hielten eine Insolvenz der auch in Deutschland tätigen CIT für nahezu unausweichlich. Über deren Bedeutung gehen die Ansichten freilich auseinander. Die CIT versorgt nach eigenen Angaben etwa eine Million kleine und mittelständische Firmen in den USA mit Darlehen. Einige Beobachter bewerten einen möglichen Zusammenbruch der Bank als größte Bankpleite in den USA, seit dort am 15. September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers kollabierte. Dieser Zusammenbruch löste anhaltende Verwerfungen auf den globalen Finanzmärkten aus. Andere Analysten reagieren gelassener. Sie weisen darauf hin, dass Lehman acht Mal größer war als CIT.

Lewis warnt vor Kreditrisiken bei der Bank of America

Aus dem Schneider ist trotz des Milliardengewinns auch die Bank of America noch lange nicht. Konzernchef Kenneth Lewis warnte am Freitag eindringlich vor weiter hohen Kreditrisiken in Folge der Finanzkrise und der rasant steigenden US-Arbeitslosigkeit. Die Bank musste ihre Kreditvorsorge für drohende Ausfälle um weitere 4,7 Milliarden Dollar erhöhen. Zusätzlich 3,6 Milliarden Dollar fielen erneut an Wertberichtigungen auf faule Papiere an. Aufgebessert wurden die Quartalszahlen durch zwei Anteilsverkäufe. Sie brachten zusammen Einnahmen von rund 9,1 Milliarden Dollar vor Steuern.

Die Bank of America war von der US-Regierung mit 45 Milliarden Dollar gestützt worden und zahlte die Hilfen bisher anders als andere Großbanken nicht zurück. Der staatliche Stresstest zur Banken-Stabilität hatte zudem dem Finanzriesen die größte Kapitallücke der Branche bescheinigt: fast 34 Milliarden Dollar. Das Loch wurde aber inzwischen durch neue Aktien und Anteilsverkäufe praktisch gestopft.

Unter Leitung von Lewis hatte sich die Bank of America 2008 verhoben, als sie die Investmentbank Merrill Lynch übernahm. Nach massiver Aktionärskritik musste Lewis im Frühjahr den Vorsitz des Verwaltungsrates abgeben, den er neben dem Chefsessel innehatte.

Auch Citigroup leidet noch unter Finanzkrise

Logo am Gebäude der Citigroup in New York, der größten Bankengruppe in den USA (Foto: dpa)

Auch die Citigroup in New York meldet Gewinne

Während allerdings bei den Konkurrenten das in der Finanzkrise in Verruf gekommene Investmentbanking wieder auf Hochtouren läuft, beruht der Gewinn bei der Citigroup vor allem auf dem Verkauf der Vermögensverwaltung Smith Barney an ein Gemeinschaftsunternehmen mit Morgan Stanley. Das Geschäft brachte einen Nachsteuergewinn von 6,7 Milliarden Dollar ein.

Auch bei der Großbank türmt sich derweil der Berg an Kreditausfällen immer höher. Analysten hatten denn auch einen neuerlichen Verlust erwartet. Im Vorjahr hatte die Großbank noch ein Minus von 2,5 Milliarden Dollar eingefahren. Die Citigroup wurde von der US-Regierung mit Notkrediten von 45 Milliarden Dollar sowie Garantien von über 300 Milliarden Dollar durch die Krise gebracht. (kle/mas/dpa/rtr/ap/afp)

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