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Afrika

Libysche Rebellen 80 Kilometer vor Tripolis

Im zähen Kampf gegen die Truppen von Machthaber Gaddafi melden die libyschen Rebellen die Einnahme einer Stadt 80 Kilometer südlich von Tripolis. Sie wollen nun weiter in Richtung der Gaddafi-Stützpunkte vorrücken.

Panzer, Mann macht Foto von einem Kind (Foto: dapd)

Ein eroberter Panzer der Gaddafi-Armee

Libysche Rebellen meldeten am Montag (08.08.2011), sie hätten die strategisch wichtige Stadt Bir al-Ghanam eingenommen. Sie liegt nur 80 Kilometer südlich der Hauptstadt Tripolis in der bergigen Region Nafusa. Dort sollen die Rebellen Trainingslager für ihre Kämpfer unterhalten. Schon am vergangenen Wochenende war Bir al-Ghanam stark umkämpft.

Gegen Stützpunkte Gaddafis

Rauch und Leuchtspuren in der Nacht (Foto: dapd)

Feuer und Flugabwehr nach einem Luftangriff in Tripolis

Die libysche Regierung hatte dagegen am Wochenende behauptet, Soldaten von Machthaber Muammar al-Gaddafi hätten die Stadt unter ihrer Kontrolle. Allerdings berichtete am Sonntagabend auch ein AFP-Reporter, Rebellen kontrollierten Straßensperren rund um die Stadt, die Lage sei ruhig. Nach dieser Erfolgsmeldung gaben sich die Aufständischen betont kämpferisch. Einer ihrer Sprecher kündigte an, nun werde alles unternommen, um die Stützpunkte Gaddafis in Tripolis anzugreifen.

In dem seit sechs Monaten andauernden Bürgerkrieg hatte die bewaffnete Opposition trotz der Unterstützung durch Luftangriffe der NATO in letzter Zeit kaum entscheidende Landgewinne erzielen können. Ein UN-Mandat erlaubt der Allianz den Einsatz der Kampfflugzeuge zum Schutz der Zivilbevölkerung. Trotz der Angriffe kontrollieren die Truppen Gaddafis vor allem noch die Hauptstadt.

Strategiepapier der Aufständischen

Die Planung der Rebellen geht indessen schon weit in die Zukunft: Nach einem Sturz Gaddafis wollen sie einem Pressebericht zufolge viele Regierungsmitarbeiter in ihren Ämtern belassen, um das Land nicht ins Chaos zu stürzen. Die britische Tageszeitung "London Times" zitiert dies aus einem 70-seitigen Strategiepapier der Aufständischen. Demnach rechnen sie sich nur geringe Chancen dafür aus, dass sie selbst Gaddafi aus dem Amt drängen können. Sie setzten vielmehr auf einen Putsch in den Reihen seiner Getreuen. Auch rechneten sie damit, dass etwa 70 Prozent der hochrangigen Mitarbeiter von Gaddafis bisheriger Staatsführung ihre neue Regierung anerkennen würden.

Dem Strategiepapier zufolge rekrutierten sie bereits rund 800 Beamte, die am Aufbau eines Sicherheitsapparats beteiligt sein könnten. Für die Hauptstadt Tripolis soll demnach eine bis zu 15.000 Mann starke Einsatztruppe gebildet werden, die für die Sicherheit in der Stadt sorgen und bekannte Unterstützer der libyschen Führung festnehmen soll. Etwa 5000 Polizisten sollen den Schutz einer Übergangsregierung gewährleisten.

Der Nationale Übergangsrat der Rebellen bestätigte die Existenz des Papiers, wies jedoch darauf hin, dass der "London Times" ein früher Entwurf des Dokuments vorliege.

Autor: Herbert Peckmann (afp, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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