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Afrika

Libysche Kämpfer in deutscher Klinik

Bundeswirtschaftsminister Rösler hat versprochen, bei der Versorgung von schwerverletzten libyschen Kämpfern zu helfen. Nun trafen die ersten Verwundeten in Hamburg ein – auf Initiative einer Hilfsorganisation.

Verletzte libysche Freiheitskämpfer auf einem Fährschiff (Foto: dpa)

Die fünf Männer sind zwischen 23 und 30 Jahren alt. Bei den Kämpfen gegen das Gaddafi-Regime haben sie schwere Verletzungen an Wirbelsäule, Rückenmark oder den Blutgefäßen erlitten. Einer von ihnen wurde nach Angaben der behandelnden Asklepios-Klinik in Hamburg nach dem Flug vorsichtshalber auf die Intensivstation verlegt, sein Gesundheitszustand sei jedoch stabil. "Die Anfrage erreichte uns in der vergangenen Woche", sagt der ärztliche Direktor der Klinik, Wolfgang Tigges. Organisiert und bezahlt werden Transport und Behandlung von der Hilfsorganisation "Wounded Evacuation Team Libya" und nicht etwa, wie zunächst vermutet wurde, von der deutschen Bundesregierung.

Bundeswirtschaftsminister Rösler mit dem libyschen Gesundheitsminister Barakat(Foto: EPA)

Hilfszusagen für Verwundete: Wirtschaftsminister Rösler in Libyen

Die Bild-Zeitung hatte über die Ankunft der Männer berichtet und dies mit einer Initiative des deutschen Bundeswirtschaftsministers Philipp Rösler in Verbindung gebracht. Rösler hatte bei einem Besuch in Tripolis in der vergangenen Woche angekündigt, insgesamt 150 Verletzte in Deutschland zu behandeln. "Wir wissen, dass sie Helden des libyschen Volkes sind", sagte Rösler. Entsprechend groß war am Montag (17.10.11) der Medienandrang in der Hamburger Klinik, deren Vertreter über das Missverständnis aufklärten. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sollen die ersten Verwundeten, die auf Initiative der Bundesregierung nach Deutschland geflogen werden, in den kommenden Tagen eintreffen.

Hilfsangebote aus aller Welt

Noch immer werden aus Libyen Kämpfe gemeldet, doch die internationale Staatengemeinschaft verhandelt schon seit Wochen mit Vertretern des Übergangsrats über mögliche Kooperationen und übertrifft sich dabei mit Hilfsangeboten. Die deutsche Bundesregierung unterstützt die neuen Machthaber bei Projekten zum Minenräumen und nun also auch bei der Krankenversorgung. "Es geht darum, Präsenz zu zeigen", erläutert Marco Overhaus, Experte für Außenbeziehungen der Europäischen Union bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die die Bundesregierung berät: "Es ist sicher auch der Versuch der Bundesregierung, im Libyen der Nach-Gaddafi-Zeit wieder mehr Einfluss zu gewinnen."

Vertreter des Übergangsrats hatten sich in den vergangenen Wochen immer wieder enttäuscht darüber geäußert, dass Deutschland sich nicht am Nato-Einsatz gegen das Gaddafi Regime beteiligt hatte. "Wir begrüßen die Deutschen, aber ihre Unterstützung für die Revolution ist spät gekommen. Dennoch hatten wir immer ein gutes Verhältnis und hoffen, daran anknüpfen zu können", meinte beispielsweise Finanzminister Ali Al-Tarhuni in der vergangenen Woche. Nach Einschätzung der Stiftung Wissenschaft und Politik hat das Angebot aus Berlin, bei der Versorgung der schwer Verletzten zu helfen, daher vor allem symbolischen Charakter. "Mich wundert es allerdings, dass dieses Angebot vom Wirtschafts- und nicht vom Außenminister kommt", bemängelt Außen-Experte Marco Overhaus: "Die deutsche Außenpolitik hat sich in Libyen zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Außenpolitik ist mehr als nur Außen-Wirtschaftspolitik."

Rauchsäule über der Stadt Bani Walid (Foto: Moncef Slimi, DW)

Die Gaddafi-Hochburg Bani Walid ist inzwischen von Milizionären des Übergangsrates eingenommen

Deutschland hatte im Juni frühzeitig ein Verbindungsbüro in Tripolis eröffnet, Außen-, Entwicklungs- und Wirtschaftsminister waren bereits zu Besuch. Philipp Rösler hatte bei dieser Gelegenheit neben der Hilfe für die Verletzten einen Zehn-Punkte-Plan für den Wiederaufbau angekündigt: "Da spielen die Themen Gesundheitswirtschaft, erneuerbare Energien und Energieeffizienz und das Auslandsmesseprogramm der Bundesregierung eine große Rolle."

Investoren in der Warteschleife

Verträge wurden allerdings noch nicht unterzeichnet – dafür ist es noch zu früh. Der Übergangsrat will erst im kommenden Jahr reguläre Wahlen abhalten, bevor Entscheidungen über wirtschaftliche Kooperationen gefällt werden. "Die Neuordnung des Erdölsektors zum Beispiel ist vertagt worden. Sie kann nur von einer gewählten Regierung bestimmt werden", meint Marco Overhaus von der SWP. Und so bleibt den Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitglieder derzeit nichts weiter übrig, als sich auf internationalen Konferenzen und bei Besuchen in Tripolis um die Gunst der neuen Herren zu bemühen – oder verletzte Kämpfer in Spezialkliniken operieren zu lassen.

Autorin: Friederike Schulz
Redaktion: Thomas Kohlmann

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