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Welt

Libysche Aufständische kämpfen um Sawija

Aufständische in Libyen sollen in die strategisch wichtige Stadt Sawija und bis weiter an die Grenze zu Tunesien vorgedrungen sein. Das Gaddafi-Regime dementiert dies. Ein Ende der Kämpfe ist noch lange nicht in Sicht.

Libysche Rebellen an der westlichen Front (Foto: DW)

Libysche Rebellen im Westen des Landes

Karte von Libyen (Grafik: DW)

Nach der wichtigen Hafenstadt Brega sollen die Aufständischen in Libyen nun auch in die Küstenstadt Sawija einmarschiert sein. Die Stadt liegt nur etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt.

Auch in der Nähe des Hauptgrenzübergangs zum Nachbarland Tunesien werde nun gekämpft. Das berichteten Augenzeugen auf tunesischer Seite in der Nacht zum Sonntag (14.08.2011).

Gaddafi-Regime gibt nicht nach

Moussa Ibrahim, Gaddafis Regierungssprecher (Foto: dapd)

Dementiert jeglichen Erfolg der Rebellen: Moussa Ibrahim

Der Regierungssprecher von Machthaber Muammar al-Gaddafi, Moussa Ibrahim, dementierte die Berichte, Sawija und die Hauptstraße nach Tripolis seien unter Kontrolle der Rebellen. "Tripolis ist sicher. Selbst wenn die bewaffneten Banden Fortschritte machen sollten, dann nur vorübergehend unter dem Schutz der NATO", sagte Ibrahim im staatlichen Fernsehen. Er kritisierte den Einsatz der NATO und gab an, über deren weitere Angriffspläne informiert worden zu sein. "Wir haben Meldungen bekommen, dass die NATO den Beschuss des Grenzübergangs Ras Dschir plant, um den Rebellen zu helfen", sagte Ibrahim der Nachrichtenagentur AFP. Er bezeichnete dies als "äußerst gefährlich", da täglich auch viele Zivilisten, vor allem Kinder und Frauen, den Grenzübergang nutzten.

Kurz zuvor hatten NATO Kampfflugzeuge südlich von Sawija versehentlich einen Panzer angegriffen, der jedoch bereits von Aufständischen erobert worden war. Nach Angaben der Rebellen wurden dabei vier Menschen getötet. Eine internationale Koalition unter Führung der NATO fliegt auf Grundlage einer Resolution des UN-Sicherheitsrats seit März Luftangriffe gegen die Truppen von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi. Der Schutz der Zivilbevölkerung hat dabei oberste Priorität. Gaddafi war zuvor mit brutaler Gewalt gegen die Protestbewegung in dem nordafrikanischen Land vorgegangen.

Regierungssprecher Moussa Ibrahim rief auch die Vereinten Nationen (UN) auf, etwas gegen den Waffenhandel über den Grenzposten Ras Dschir zu tun. Tunesien sollte sich nicht gegen Libyen stellen, sagte er an die tunesische Übergangsregierung gerichtet.

Ringen um die Macht

Libysche Rebellen auf einem Pick-Up-Truck auf einer Straße (Foto: dapd)

Aufstand gegen das Regime - die Widerstandskämpfer geben nicht auf

Entgegen den Regierungsangaben gab Rebellensprecher Dschumma Ibrahim an, die Stadt Sawija und damit auch die Straße nach Tripolis zu kontrollieren. "Es gibt nur noch wenige Widerstandsnester der Truppen von Machthaber Gaddafi. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete von Hunderten von Anwohnern, die die Aufständischen in den Straßen begrüßten. Zuvor soll es zu schweren Gefechten gekommen sein. Die Gaddafi-Truppen sollen sich in einigen Stadtteilen verschanzt haben und nun auf Verstärkung aus Tripolis warten.

Bereits zu Beginn der Proteste gegen den libyschen Machthaber im Februar machten die Einwohner Sawijas mobil gegen die Regierung. Der Aufstand wurde im März von Gaddafis Truppen niedergeschlagen. Nach Angaben der Aufständischen schließen sich ihnen nun erneut mehr und mehr Einwohner an.

Festgefahrene Situation

Anhänger Gaddafis in Tripolis halten ein Plakat von ihm in die Luft und schwenken grüne Flaggen (Foto: picture-alliance/dpa)

Gefeierter Polit-Start - Anhänger Gaddafis in Tripolis

Erst am Freitag hatten die Rebellen die strategisch wichtige Hafenstadt Brega eingenommen, in deren Nähe sich die wichtigsten Ölfelder Libyens befinden. Trotz kleinerer Erfolge der Aufständischen ist eine Lösung des Konflikts jedoch nicht in Sicht. Machthaber Muammar al-Gaddafi genießt noch immer ausreichend Rückhalt - auch seitens der Bevölkerung - und will bis zum Schluss kämpfen.

Die UN haben alle Parteien des Konflikts erneut zu mehr Vorsicht ermahnt, um Todesopfer zu vermeiden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte die verfahrene Lage. In einem Telefonat mit dem libyschen Ministerpräsidenten Al-Baghdadi Al-Mahmudi forderte er am Freitag alle Seiten auf, eine politische Lösung zu finden. Ban äußerte sich besorgt über die vielen zivilen Opfer und die Zerstörung der Infrastruktur im Land. Auch die Versorgungssituation sei prekär.

Autorin: Nicole Scherschun (dapd, rtr, afp)
Redaktion: Reinhard Kleber

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