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Afrika

Libyen: Medien im Aufbau

Das libysche Volk feiert das Ende der Herrschaft von Muammar al-Gaddafi. Mit dem Neubeginn steht das Land nun vor gewaltigen Herausforderungen. Die DW Akademie ist vor Ort und unterstützt den Aufbau unabhängiger Medien

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Seit letztem Donnerstag befindet sich Libyen im Freudentaumel. Nicht nur der Tod von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi wird gefeiert, auch das Ende der Angst in acht Monaten Krieg gegen seine Truppen, die das Land gelähmt, aber auch zusammen gehalten hat. Zahlreiche Familien haben Tote zu beklagen, Portraits der Gefallenen hängen überall auf den Straßen. "Bis Mittwoch haben wir um unsere Toten getrauert, seit Donnerstag ist nur noch Freude", beteuert Ghada Faraj Bensreti, eine der Teilnehmerinnen des ersten DW Akademie-Trainings für Radiojournalisten in Bengasi. Während der Freudenfeiern führten er und die anderen Teilnehmer Straßenumfragen durch.

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Jetzt geht es im Land um den Aufbau einer Demokratie, um die Vorbereitung von Wahlen und die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Die Vereinten Nationen fordern einen transparenten Prozess der Regierungsbildung sowie Aufklärung der jahrzehntelangen Gewalttaten des alten Regimes und der Umstände von Gaddafis Tod. Den Medien kommt dabei eine wichtige Rolle zuteil. "In 42 Jahren Gaddafi-Diktatur gab es keine unabhängige Berichterstattung. Freie Medien haben nicht existiert" erklärt Michael Tecklenburg, Koordinator Nordafrika der DW Akademie. "Deshalb müssen in all der Euphorie über Gaddafis Ende auch die Verlautbarungen des Nationalen Übergangsrates (NTC) mit kritischer Distanz bewertet werden." Kritik gegenüber dem NTC sei unter den Libyern bisher jedoch kaum bemerkbar, so Sandra van Edig, Trainerin der DW Akademie in Bengasi.

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Die DW Akademie bietet in Bengasi das erste Journalistentraining nach Ausbruch der Revolution überhaupt an. Seit einer Woche erlernen zwölf Reporter von vier privaten Sendern die Grundlagen des journalistischen Handwerks. "Sie sind nach der Befreiung Bengasis im Februar quasi über Nacht zu Radiojournalisten geworden", so Bernd Rößle, Projektmanager und Trainer der DW Akademie. "Die Workshop-Teilnehmer brennen darauf, journalistisch tätig zu werden. Sie sind höchst engagiert", betont auch Trainerin van Edig.

In Bengasi entstehen derzeit in unübersichtlicher Zahl neue Sender und Medienangebote. "Der NTC ist jetzt daran interessiert, die Gerätschaften der ehemaligen Staatssender zu übernehmen", so Tecklenburg. In dieser Gemengelage müsse sichergestellt werden, dass ein unabhängiger, kritischer Journalismus entstehen könne. Die Deutsche Botschaft und die EU-Delegation in Tripolis haben angekündigt, entsprechende Bemühungen der DW AKademie zu unterstützen. Im November, so Tecklenburg, werde bereits das zweite Training der DW Akademie in Bengasi stattfinden. Die Planungen für kommendes Jahr seien bereits in vollem Gange: "Wir sind zuversichtlich, viele weitere Trainings für Journalisten und Techniker, aber auch Führungskräfte von Rundfunksendern anbieten zu können", so Tecklenburg. Zudem biete die DW Akademie ihre Expertise bei der bevorstehenden Reform des libyschen Staatssenders und beim möglichen Aufbau eines Trainingszentrums für libysche Medienschaffende an.