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Flüchtlinge

Libyen macht Seenotrettern Vorwürfe

Bei der Rettung von Bootsflüchtlingen sind die libysche Küstenwache und ein deutsches Schiff im Mittelmeer aneinander geraten. Private Seenotretter in Italien versicherten derweil, nicht mit Schleusern zu kooperieren.

Sea Watch Schiffe (picture alliance/JOKER/A. Stein)

Einsatz im Mittelmeer: Schiffe von "Sea-Watch" und "Jugend rettet" (Archivbild)

Libyen warf der Berliner Initiative "Sea-Watch" vor, mit ihrem Schiff vorsätzlich einen "Einsatz der Küstenwache gestört zu haben". Die Küstenwache habe in libyschen Hoheitsgewässern 350 Migranten von einem Holzboot aufnehmen und nach Nordafrika zurückbringen wollen, erläuterte Küstenwache-Sprecher Ajub Kassem in Tripolis. Doch "Sea-Watch" habe die Flüchtlinge selbst an Bord nehmen wollen, "mit der Begründung, dass Libyen nicht sicher sei". Zudem sei die Küstenwache bei dem Einsatz unter Beschuss von Schleusern gekommen, berichtete Kassem.

Die deutsche Gruppierung warf ihrerseits der Küstenwache ein riskantes Manöver vor. Im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichte "Sea-Watch" ein Video, das zeigt, wie ein Militärschiff knapp an einem zivilen Schiff vorbeischrammt. "Dieses EU-finanzierte Patrouillenboot der libyschen Marine hat fast unser ziviles Rettungsschiff gerammt", heißt es in der Bildunterschrift.

Die rund 350 Flüchtlinge seien schließlich zu einem Marinestützpunkt in Tripolis gebracht worden, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP. Viele von ihnen stammten aus Marokko und Bangladesch.

"Verleumdungskampagne"

In Italien, wohin europäische Schiffe viele Flüchtlinge befördern, kocht derweil die Diskussion um die Rolle privater Seenotretter weiter hoch. Vertreter von "Sea-Watch" und "Sea-Eye" verwahrten sich vor dem Verteidigungsausschuss des Parlaments in Rom gegen den Verdacht, bei der Bergung von Flüchtlingen im Mittelmeer mit Schleusern zusammenzuarbeiten.

"Wir haben nichts zu verbergen", sagte Ruben Neugebauer von "Sea-Watch". Er sprach von einer "Verleumdungskampagne" und Vorwürfen, die gezielt und ohne Belege gestreut würden. "Wir leisten Erste Hilfe", betonte "Sea-Eye"-Kapitän Markus Neumann. Die Katastrophe sei nicht die Präsenz der deutschen Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer, sondern dass niemand ernsthaft nach einer Lösung der Flüchtlingskrise suche, meinte "Sea-Watch"-Geschäftsführer Axel Grafmanns.

wa/se (afp, dpa, rtr)

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