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Afrika

Libyen: Ein Land mit 30 Regierungssprechern

Die Rolle der Medien in Libyen war am Donnerstag in Berlin Thema eines Expertengesprächs zu dem die DW-AKADEMIE gemeinsam mit dem Hauptstadtstudio der ARD eingeladen hatte.

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Expertengespräch: Matthias Gebauer, Moderator Christian Thiels (SWR) und Michael Tecklenburg (v.l.)

Gut gefüllt mit Gästen aus Medien, Ministerien und Zivilgesellschaft war der Konferenzraum des Hauptstadtstudios der ARD an der Berliner Wilhelmstraße. Vor den geladenen Gästen zeigten sich die Diskussionsteilnehmer Matthias Gebauer, Chefreporter Spiegel Online und Michael Tecklenburg, stellvertretender Leiter Afrika DW-AKADEMIE einig in ihrer Einschätzung der Situation: „Es gibt in Libyen noch keine staatlichen Strukturen, keine offiziellen Ansprechpartner. Wenn ich etwa den Sprecher des Nationalen Übergangsrat anrufen will, habe ich derzeit über 30 Mobilnummern zur Auswahl", so Gebauer, der für Spiegel Online mehrfach in Libyen unterwegs war. Es sei völlig unklar, in welche Richtung sich das Land entwickle: „Die Einreisebestimmungen für ausländische Reporter sind mittlerweile fast wieder so restriktiv wie unter Gaddafi. „Nach dem Sturz des Regimes hat jetzt der Kampf ums Geld begonnen. Es geht um Milliardenbeträge, und um die wird mit den gleichen Methoden gekämpft wie früher. Und genau wie früher tun die Akteure auch heute alles dafür, dass nicht darüber berichtet wird, so der Journalist.

11.2011 DW-AKADEMIE Expertengespraech Libyen 3

Matthias Gebauer und Moderator Christian Thiels

Ähnlich stelle sich die Lage für einheimische Journalisten dar, meinte Michael Tecklenburg von der DW-AKADEMIE. Nur dass diesen dazu noch das journalistische Rüstzeug fehle, um überhaupt kritisch zu berichten. „Wir haben im Oktober in Bengasi den ersten Workshop für Hörfunkjournalisten nach dem Sturz des Regimes organisiert. Von den 15 Teilnehmern hatten zwölf noch nie ein Mikrofon in der Hand gehabt", so Tecklenburg vor erstaunten Zuhörern, unter ihnen der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin im BMZ, Günter Nooke. Als ebenfalls problematisch schätzt Tecklenburg die Tendenz lokaler Journalisten ein, sich kritiklos auf die Seite der neuen Machthaber zu stellen. Daher werde es in den nächsten Libyen-Workshops der DW-AKADEMIE verstärkt um das gehen, was Matthias Gebauer vom Spiegel den „Reporter-Reflex" nannte: Um das Hinterfragen, Recherchieren und Analysieren. Geleitet wurde die Diskussion von Christian Thiels (SWR). Akademie-Direktorin Gerda Meuer zeigte sich zufrieden mit der ersten Veranstaltung dieser Art: „Ich freue mich über diese gelungene öffentlich-rechtliche Kooperation und darüber, dass die ARD bereits Interesse an weiteren Veranstaltungen signalisiert hat."

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