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Kultur

Libeskinds zerbrochene Welt

Unübersehbar, mit glänzendem Aluminium verkleidet und 44 Millionen Euro teuer: So reckt sich der Turm des neuen Kriegsmuseums in Manchester in den Himmel. Es ist das erste Gebäude von Daniel Libeskind in Großbritannien.

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Der Architekt Daniel Libeskind kreiert Unordnung

Der amerikanische Architekt, der in Berlin das Jüdische Museum entworfen und damit viel Aufsehen erregt hat, hat die britische Architekturszene um einen spektakulären Bau ergänzt. Ein zerbrochener Globus, von dem drei riesige Scherben übrig geblieben sind: So präsentiert sich Libeskinds Bau - der erste in Großbritannien, der aber keineswegs der letzte bleiben soll.

Die architektonische Botschaft

Mit dem Gebäude weitet sich das Imperial War Museum von London auch in den Norden des Landes aus. Libeskind versteht das Museum als eine Metapher auf den Krieg: "Ich nahm die Erde, zerbrach die Kugel und machte aus den Scherben etwas Neues. Die Erdscherbe wurde zum großen Ausstellungsraum, die Luftscherbe wurde zum Turm und zum Kanal hin führt die Wasserscherbe". Der Star-Architekt hofft, mit den Scherben in die Psyche der Besucher einzudringen. "Konflikte sind nichts Abstraktes, sondern etwas, was wir spüren", das ist – laut Libeskind – die Botschaft seines Baus.

Gebäude, die Geschichten erzählen

"Ich glaube nicht, dass Architektur nur mit schönem Glas überzeugen kann", sagte Libeskind der Zeitung "The Times". "Vieles der modernen Architektur hat außer ihrer praktischen Funktion keine Bedeutung." Seine Gebäude sollen nicht nur Geschichte beherbergen, sondern selbst Geschichte erzählen, sagte der gebürtige Pole, der mit seiner Familie in Berlin wohnt und arbeitet. So greift er im Imperial War Museum auf, was in seinem ersten realisierten Gebäude, dem Felix Nussbaum Haus in Osnabrück, bereits angelegt war und was ihm im Jüdischen Museum in Berlin nach Ansicht vieler Kritiker beeindruckend gelang: Mit einer gewissenhaft kreierten Unordnung, ansteigenden Gängen, durchbrochenen Wänden, sich seitwärts neigenden Türmen, den Besucher zu verstören und gleichzeitig zu überwältigen.

Ort und Inhalt

Das neue Imperial War Museum North setzt sich mit den Konflikten des 20. Jahrhunderts auseinander, in die britische Soldaten und die Streitkräfte des Commonwealth verwickelt waren. Zu den Ausstellungsobjekten gehören unter anderem ein Harrier Jagdbomber, ein russischer Panzer vom Typ T 34 und die Kanone, aus der im Ersten Weltkrieg die erste britische Granate abgefeuert wurde. Aber vor allem geht es um die Menschen, deren Rolle, deren Gefühle und deren Leiden im Krieg.

Libeskinds Museum liegt am Schifffahrtskanal des Trafford Parks in Manchester. Ein Industriegebiet, in dem während des Zweiten Weltkrieges die Motoren für britische Kriegsflugzeuge vom Typ Spitfire und Lancaster gebaut wurden. Nach dem Krieg lag das Areal brach – wie so viele andere Teile der einst prosperierenden Industriestadt im Norden Englands, die bis heute unter dem Bedeutungsverlust leidet. Im ersten Jahr hoffen die Stadtoberen auf 300.000 Museumsbesucher. Die Eröffnung am Freitag (5. Juli 2002) war formlos: Erst am 24. Juli, am Vorabend der Commonwealth Games in Manchester, wird offiziell und mit königlichem Glanz gefeiert - dann wird Prinz Philipp das Museum offiziell einweihen.

Billiges Bauen bevorzugt

In einigen Jahren soll auch in London ein Libeskind-Bau stehen. Für die Erweiterung des ehrwürdigen Victoria and Albert Museums hat er eine kühne "Spirale" entworfen, deren Baubeginn sich allerdings von Jahr zu Jahr verzögert. Auch hier soll Libeskind wieder kräftig sparen, weil das Gebäude durch Spendengelder finanziert werden muss. Das Problem kennt er: Wegen ausbleibender Lottogelder musste er auch beim Kriegsmuseum in Manchester zunächst einmal die Kosten von 42 auf 28 Millionen Pfund senken. dpa/(fro)

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