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Afrika

Liberianer hoffen auf Medikamentenversuch

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie setzt Liberia ein ungetestetes Medikament ein. Die Hoffnung auf Heilung überwiegt in Westafrika die Angst vor unbekannten Nebenwirkungen der Arznei.

Mehr als 300 Menschen wurde Ebola allein in Liberia inzwischen zum Verhängnis. Alle, auch drastischen Maßnahmen wie Quarantäne-Bezirke und Grenzschließungen konnten die Ausbreitung des Virus in Westafrika bisher nicht stoppen. Jetzt ruhen die Hoffnungen der Liberianer auf einem Experiment: Der Staat will zunächst zwei erkrankte Ärzte mit dem neuen, bisher kaum erprobten amerikanischen Medikament ZMAPP behandeln.

Helfer bringen einen Ebola-Toten weg (Foto: picture alliance)

Monrovia: Helfer bringen einen Ebola-Toten weg

Die US-Arzneimittelbehörde gab am Dienstag (12.08.2014) grünes Licht für die Ausfuhr des noch nicht zugelassenen Mittels. Zwei amerikanische Ebola-Erkrankte hatten sich in den USA als erste dem Versuch unterzogen - mit Erfolg, ihr Zustand hat sich seitdem verbessert. Für Liberias Informationsminister Lewis Brown ist die Entscheidung der US-Behörde ein Grund zur Freude und erst der Anfang einer umfangreichen Anwendung. "Alle Infizierten sollten die Chance haben, sich auf Wunsch einer Behandlung mit dem Medikament zu unterziehen", sagte Brown.

In einer DW-Umfrage begrüßten Liberianer die Initiative ihrer Regierung. "Es ist eine wirklich gute Neuigkeit, dass das Medikament auf dem Weg nach Liberia ist", sagte eine Befragte. Das könne dazu beitragen, die Zahl der Todesfälle zu verringern. "Wir können es kaum erwarten, ein Heilmittel gegen die Viruserkrankung zu finden", sagte ein anderer Liberianer - auch wenn ZMAPP bislang keine Zulassung für die Behandlung von Menschen habe.

Ebola-Patient Miguel Pajares bei seiner Rückkehr nach Spanien (Foto: dpa)

Tod in Spanien nach ZMAPP-Behandlung?

Der Zweck heiligt die Mittel

Die Frage, ob das Medikament an Menschen erprobt werden dürfe, hatte zuletzt für Diskussion gesorgt. So warnte die

Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF)

, die Verwendung solcher Mittel müsse die Ausnahme bleiben und erfordere eine gute Überwachung der Patienten. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass ein spanischer Missionar, der nach seiner Ebola-Erkrankung unbestätigten Berichten zufolge mit ZMAPP behandelt worden sein soll, an der Infektion gestorben sei.

Trotz aller Bedenken herrscht im von Ebola betroffenen Liberia weitgehende Zustimmung zu dem Behandlungsversuch. "Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, auch diejenigen, die von den verschiedenen Kontrollbehörden zugelassen sind", sagte der liberianische Arzt und ehemalige Gesundheitsminister Peter Coleman der DW. Selbstverständlich werde man die Patienten unter Beobachtung stellen. "Aber haben wir eine Wahl? Wenn wir die Medikamente nicht ausgeben, werden diese Menschen sterben!"

Am Dienstag - nach der Entscheidung der US-Behörde - schloss sich

auch die Weltgesundheitsorganisation WHO

der Argumentation an, dass die Situation in Westafrika den ungewöhnlichen Schritt rechtfertige. Die Organisation habe keine Wahl, sagte der Arzt Halidou Tinto aus Liberias Nachbarland Burkina Faso der Deutschen Welle: Sie könne kein Mittel außer acht lassen, um die Epidemie einzudämmen. "Solche Tests sind bei höheren Sterblichkeitsraten angemessen", sagte Tinto, der auf die Durchführung klinischer Studien spezialisiert ist. Bei Ebola liegt die Sterblichkeitsrate der Infizierten bei weit über fünfzig Prozent.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan

WHO-Chefin Chan: zu zögerlich?

Gegen das Zögern

Wäre es nach dem Journalisten Amadou Tham Camara gegangen, hätte das neue Medikament schon viel eher nach Afrika gebracht werden müssen. Camaras Heimat Guinea hat bisher - nach Sierra Leone - die zweitmeisten Ebola-Opfer zu beklagen. "Empört euch, dass es ausreicht, dass zwei Amerikaner erkranken, damit ein Mittel gegen Ebola gefunden wird", hatte Camara seine Landsleute

in einem Leitartikel

aufgerufen, "Regt euch auf, dass tausend Afrikaner gestorben sind, obwohl ein Mittel existiert!" Am Dienstag zeigte sich Camara gegenüber der DW zufrieden, dass Liberia ZMAPP nun testen dürfe. In Guinea hoffe man, dass auch die dortigen Erkrankten in der Folge davon profitieren würden.

Auch DW-Facebook-Nutzer in ganz Afrika reagierten auf Liberias Entscheidung, das ungetestete Medikament zu verwenden. So schrieb der Kenianer Aggrey Kaguo, der Versuch komme zu spät, da die Krankheit schon zu einem großen Problem geworden sei. Bedenken äußerte hingegen der Tansanier Amoc Jay Michael Irondo: "Dieses Testmedikament sollte erst einmal ausreichend erprobt werden, bevor es nach Afrika exportiert wird und dort möglicherweise für neue Probleme sorgt."

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