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Liberia

Liberia wählt Nachfolger für Ellen Johnson Sirleaf

Nach zwölf Jahren tritt die Nobelpreisträgerin vom Präsidentenamt ab. Mehrere Kandidaten haben sich für ihre Nachfolge in Stellung gebracht. Die Wahl gilt als Test für die Demokratie in dem früheren Bürgerkriegsland.

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Liberia: Vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen

Schon in den frühen Morgenstunden drängen sich am Dienstag Menschen vor den Wahllokalen. Rund 2,1 Millionen der 4,6 Millionen Liberianer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Es sind die dritten Präsidentschaftswahlen seit dem Ende des jahrzehntelangen Bürgerkrieges 2003.

Die Abstimmung ist ein Wendepunkt in Liberias Geschichte. Denn nach 12 Jahren an der Spitze darf Ellen Johnson Sirleaf, Afrikas erste demokratisch gewählte Präsidentin und Friedensnobelpreisträgerin, bei diesen Wahlen nicht mehr antreten. Die Verfassung erlaubt ihr keine weitere Amtszeit.

Enthusiastischer Wahlkampf

Das Spitzenamt in dem kleinen westafrikanischen Land ist hart umkämpft, die Stimmung aufgeheizt. "Verglichen mit früheren Wahlen ist die Situation ruhig, aber der Wahlkampf war sehr energiegeladen", sagt Christopher Fomunyoh, Wahlbeobachter des National Democratic Institute aus Washington, DC. "Die Liberianer hoffen, dass diese Wahlen einen historischen Wandel herbeiführen und die Demokratie in ihrem Land festigen werden."

Liberias Vizepräsident Joseph Boakai steht auf einem roten Teppich, im Hintergrund salutieren Soldaten in Uniform (picture-alliance/dpa/M.Rynolds)

Vizepräsident Boakai gilt als einer der Favoriten

Die Wahlversprechen der 20 Präsidentschaftskandidaten sind oft identisch: Mehr Arbeitsplätze, die Förderung der Wirtschaft, Ausbau des Bildungssystems. Die Liste der Kandidaten ist bunt. Unter ihnen sind ein ehemaliger Fußballstar, ein Model, ein gefürchteter Warlord und wohlhabende Geschäftsleute. Vizepräsident Joseph Boakai von der regierenden Partei für Einheit (UP) tritt mit Amtsbonus und reichlich Erfahrung an, ist mit 72 Jahren aber nicht mehr der Jüngste. Präsidentin Johnson Sirleaf hatte ihrem langjährigen Vize ihre Unterstützung zugesagt, sich aber dann im Wahlkampf nicht blicken lassen. Manche Beobachter gehen davon aus, dass es in der Regierungspartei Streit gibt. Boakai weist solche Spekulationen zurück: "Unsere Partei ist vereint, möglicherweise ohne Beteiligung der Präsidentin. Das heißt nicht, die Partei ist nicht gemeinsam stark. Sie und ich haben gut zusammenarbeitet", sagte er der DW.

Kandidaten versprechen mehr Jobs

Boakai lobte im Wahlkampf die Entwicklung des Landes in den vergangenen Jahren, sieht aber auch Verbesserungsbedarf. Vor allem kritisiert er den Mangel an Infrastruktur. In einem Land, das 170 Jahre alt sei, könne man sich noch immer nicht richtig fortbewegen, kritisierte er. "Wir können die Wirtschaft nicht stärken, ohne das Land zugänglich zu machen." Er wolle die größten Probleme wie Arbeitsplätze, bessere Versöhnung der Volksgruppen und die Gesundheitsfürsorge verbessern. "Wir können die Korruption beseitigen", versicherte er im DW-Gespräch.

Friedensnobelpreis an Tawakkul Karman, Ellen Johnson-Sirleaf mit den beiden anderen Trägerinnen des Friedensnobelpreises 2011, Twakkul Karman (links) und Leymah Gbowee (Mitte).

Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (rechts) erhielt 2011 den Friedensnobelpreis

Dieses Problem hat sich auch der Kandidat der größten Oppositionspartei, der Koalition für Demokratischen Wechsel (CDC) auf die Fahnen geschrieben. Sie schickt den früheren Fußballstar George Weah ins Rennen. Der 51-jährige Parlamentsabgeordnete war Amtsinhaberin Johnson Sirleaf bei den ersten demokratischen Wahlen 2005 unterlegen. Viele Liberianer sind der Meinung, dass ihm der Wahlsieg damals gestohlen worden sei. Weah hatte den ersten Wahlgang gewonnen, aber die Stichwahl gegen die heutige Präsidentin verloren. Doch seitdem gelang es ihm kaum, sich politisch zu profilieren. Er konnte auch nicht vom wachsenden Unmut in der Bevölkerung über Präsidentin Johnson Sirleaf profitieren. Viele Liberianer werfen ihr vor, im Kampf gegen die Korruption im Land gescheitert zu sein.

Stattdessen sorgte Weah für Aufregung, weil er sich im Wahlkampf mit Jewel Taylor verbündete. Er möchte die Senatorin der Provinz Bong zur Vize-Präsidentin machen. Taylor ist die Ex-Frau des früheren Präsidenten Charles Taylor. Der gehört zu den Hauptverantwortlichen für den Bürgerkrieg in Liberia und im benachbarten Sierra Leone. Ein Sondertribunal verurteilte ihn 2012 für seine Rolle in dem Konflikt zu 50 Jahren Haft. George Weah hält die Allianz mit Taylors Frau dennoch nicht für einen Fehler. "Das war eine gute Idee", beteuert er im DW-Interview. "Sie ist eine hart arbeitende und qualifizierte Frau. Ich bin für Gleichstellung und glaube, eine Frau als Vizepräsidentin an meiner Seite ist eine gute Sache." Alle, die am Bürgerkrieg teilnahmen, hätten falsch gehandelt, betont Weah. Doch jetzt gehe es darum, den Frieden auszubauen.

Frieden statt Folter

Eine weitere Frau will ebenfalls an die Spitze: Die 40-jährige MacDella Cooper hatte im Jahr 2004 nach einer Model-Karriere in den USA eine gemeinnützige Organisation gegründet, die ihren Namen trägt. Sie hat ein Kind mit Oppositionskandidat George Weah. Gute Chancen werden auch Charles Brumskine eingeräumt, der für die Liberalen antritt. Der 66-jährige Anwalt und Ökonom kandidierte bereits bei den Wahlen 2005 und 2011 und gilt als einer der beliebtesten Oppositionspolitiker.

Tanzende Frauen halten ein Tuch mit dem Gesicht des Präsidentschaftskandidaten Alexander Cummings (Reuters/T. Gouegnon)

Viele Menschen kamen zu Wahlkundgebungen, um ihre Kandidaten zu unterstützen

Zudem kandidieren noch zwei weitere ehemalige Verbündete von Charles Taylor. Einer ist Benoni Urey, Besitzer des größten liberianischen Mobilfunkanbieters.

Der andere ist der berüchtigte ehemalige Milizenführer Prince Johnson, 54. Ein Video von 1990 zeigt, wie der heutige Parlamentsabgeordnete lässig an einem Bier nippt, während seine Männer den damaligen Präsidenten Samuel Doe zu Tode foltern. Inzwischen sagt er: "Liberia will Frieden." Im Interview mit der DW kritisiert er seinen Mitbewerber: CDC-Kandidat George Weah habe sein gut verdientes Geld für wohltätige Zwecke ausgegeben, aber außerhalb Liberias. "Kein Kind in Liberia hat davon profitiert." Jetzt wolle er mit dem Präsidentenamt Geld machen, so Johnsons Vorwurf.

Arbeitslosigkeit bedroht Frieden

Die noch bis Januar 2018 amtierende 72-jährige Präsidentin Johnson Sirleaf wird nach dem Ende ihrer Amtszeit einer jüngeren Generation das Feld überlassen. Die Herausforderungen für den neuen Wahlsieger sind riesig. Liberia ist bitterarm, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 85 Prozent. Johnson Sirleaf selbst hat diese Situation als eine echte Bedrohung für ihr Land bezeichnet, das ohne eine Lösung für die Jugend wieder in Konflikten versinken könnte.

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