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Aktuell Welt

Liberale liegen in Libyen vorn

Nach der Wahl in Libyen zeichnet sich ein Vorsprung der liberalen Kräfte ab. Erste Wählerbefragungen sehen die Allianz von Mahmud Dschibril vor den Muslimbrüdern. Dschibril selbst rief die Libyer zur Einheit auf.

Akribisch werden in Libyen die Stimmzettel der ersten Wahl nach mehr als 40 Jahren ausgezählt. Dabei zeichnet sich ein deutlicher Vorsprung für die liberale Allianz von Mahmud Dschibril ab. Die Gruppierung des ehemaligen Übergangsministerpräsidenten habe in der Hauptstadt Tripolis und in Bengasi die meisten Stimmen erhalten, meldeten Wahlbeobachter nach Wählerbefragungen. Dschibril selbst rief die politischen Parteien des Landes zur Einheit auf. Er wolle einen nationalen Dialog, damit die politischen Parteien "in einer Koalition, unter einem Banner zusammenkommen" könnten, sagte Dschibril. Ziel sei, einen Kompromiss zu finden, eine Verfassung auszuarbeiten und eine neue Regierung zu bilden.

Verlässliche Auszählungsergebnisse der Wahl vom Samstag liegen zwar noch nicht vor. Allerdings erklärte auch einer der Führer der islamistischen Parteien, Mohammed Sawan, dass die Allianz der Nationalen Kräfte in der Hauptstadt Tripolis und in der zweitgrößten Stadt Bengasi deutlich vorne liege. Die Parteien zogen ihre Schlussfolgerungen aus vorläufigen Berichten ihrer Beobachter, die an den Auszählungen teilnahmen.

Wahlbeteiligung von 63 Prozent

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Libyen wartet auf das Wahlergebnis

Der neu gewählte Allgemeine Nationalkongress in Tripolis löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die 200 Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Rates vorbereiten, der eine Verfassung für das nordafrikanische Land schreiben soll. Bei der ersten demokratischen Wahl seit Jahrzehnten gaben am Samstag rund 63 Prozent der 2,8 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab.

Einige Wahllokale im Osten blieben wegen Sicherheitsproblemen geschlossen. Ein Wähler wurde in Adschdabija getötet. Dort, in der Wüstenstadt Al-Kufra sowie in Bengasi werde die Wahl nachgeholt, sagte der Leiter der nationalen Wahlkommission, Nuri al-Abbar, am Sonntag.

Wann gibt es ein Endergebnis?

Einen Termin für die Bekanntgabe des Endergebnisses wollte al-Abbar nicht nennen. Dass die Resultate korrekt seien, sei für ihn wichtiger als der zeitliche Faktor. "Wir haben 42 Jahre gewartet, da sollten wir jetzt nicht allzu ungeduldig sein", sagte er in Anspielung auf die Regierungszeit von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi. Bis dahin wolle sich die Wahlkommission an keiner wie auch immer gearteten Spekulation beteiligen. Aber allein die Wahlbeteiligung sei ein riesiger Erfolg.Beobachter rechnen damit, dass am Montag oder Dienstag verlässliche Ergebnisse vorliegen.

US-Präsident Barack Obama lobte die Wahl als historischen Schritt. Die USA wollten eng mit dem neuen Libyen zusammenarbeiten, betonte er in einer schriftlichen Erklärung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte, dass die Wahl in einem friedlichen und demokratischen Geist abgehalten worden sei.

Merkel gratuliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel beglückwünschte die Libyer zur ersten freien Wahl seit mehr als 40 Jahren und rief sie auf, die Demokratisierung ihres Landes weiter voranzutreiben. "Auf diesem weiteren Reformweg wird Deutschland Libyen tatkräftig unterstützen", versprach Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Aus Sicht der Wahlkommission ist auch die Beteiligung von Exil-Libyern in Deutschland positiv ausgefallen. Von Dienstag bis Samstag hätten insgesamt 771 Wahlberechtigte ihre Stimme in Berlin abgegeben, sagte der Berater der Wahlkommission Libyens in Deutschland, Nuri Graibei.

mm/gd (dpa, rtr, afp)

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