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Kultur

Libby Lane: Erste Bischöfin in England

Libby Lane ist eine Pionierin. Sie war eine der ersten Priesterinnen in England. Jetzt übernimmt sie als erste Frau auch noch ein Bischofsamt in der Church of England. Die Traditionalisten haben das Nachsehen.

Viele Gläubige dürften lange auf diesen Moment gewartet haben: Die Entscheidung sei für sie "unerwartet" gekommen, sagte Lane, die zuletzt als Gemeindepfarrerin in Hale bei Manchester wirkte. Erst im Juli hatte die Generalsynode der Church of England den Weg für ihre Berufung frei gemacht: Lane konnte zur Suffraganbischöfin von Stockport in der nordenglischen Diözese Chester ernannt werden. In der anglikanischen Kirche sind Suffraganbischöfe einem Diözesanbischof nachgeordnet. Sie sind mit Weih- und Regionalbischöfen vergleichbar und haben keinen eigenen Bischofssitz und damit auch keine eigene Kathedrale.

Libby Lane Bischöfin aus England 17.12.2014. Foto: Phil Noble/REUTERS

Englands erst Bischöfin: Libby Lane

Ein historischer Schritt ist das trotzdem, dem ein jahrzehntelanges Tauziehen zwischen Konservativen und Fortschrittlichen vorausging. Als die Generalsynode 1992 beschloss, Frauen zum Priesteramt zuzulassen, führte das die anglikanische Kirche an den Rand der Spaltung und löste eine regelrechte Abwanderungswelle zur katholischen Kirche aus. Damals konvertierte sogar der seinerzeit dritthöchste anglikanische Bischof, Graham Leonard und wurde vom Oberhirten Londons zum einfachen katholischen Priester. Libby Lane wurde 1994 zur Priesterin geweiht, kurz nach dem umstrittenen Ja der Kirche von England zum Frauenpriestertum.

Queen Jubiläum Kirche. Foto: Alastair Grant/ap

Stimmte der Ernennung der ersten Bischöfin zu: Queen Elizabeth II als weltliches Oberhaupt der Anglikaner

Ihre Bischofsweihe empfing Libby Lane jetzt in der Kathedrale von York. Zuvor hatte Königin Elisabeth II. – als weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche – ihrer Berufung zur Bischöfin zugestimmt. Die 48-jährige Lane ist Mutter zweier erwachsener Kinder. Ihr Mann ist ebenfalls Geistlicher und leitet in Manchester die Flughafenseelsorge.

Katholiken sorgen sich um die Ökumene

Nach der neuerlichen Grundsatzentscheidung der Synodalen könnte nun alles recht schnell gehen: Schon heute ist jeder dritte anglikanische Geistliche in England weiblich. In vielen anglikanischen Nationalkirchen – die nicht an Weisungen aus dem Mutterland gebunden sind – sind Bischöfinnen normal. In England sind unter anderem die Bischofsstühle in Nottingham, Gloucester, Oxford und Newcastle vakant. Wegen des aufwändigen Wahlverfahrens wird mit der der Ernennung der ersten Diözesanbischöfin im Laufe dieses Jahres gerechnet.

Großbritannen Kirche Synode Anglikanische Kirche in London

Historischer Synodenbeschluss: Die Anglikanische Kirche von England lässt Frauen im Bischofsamt zu

Nach der ersten Bischöfinnenweihe in England rechnen katholische Kreise mit Folgen für die Ökumene. "Viele katholische und noch stärker orthodoxe Bischöfe dürften 'not amused' sein, es nun auch in der anglikanischen Mutterkirche mit Bischöfinnen zu tun zu bekommen", mutmaßt der Korrespondent der "Katholischen Nachrichtenagentur" KNA. Sie zitiert den früheren vatikanischen Ökumene-Minister, Kardinal Walter Kasper, der von einem neuen "Hindernis für die Versöhnung zwischen der Katholischen Kirche und der Kirche von England " gesprochen habe.

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte Heinrich VIII. 1534 sich selbst ein. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre. Später setzten sich protestantische Einflüsse durch. 1549 erschien das erste anglikanische Glaubensbuch, das "Book of Common Prayer". Weltweit zählt die anglikanische Kirche etwa 77 Millionen Mitglieder. Außerhalb Englands gibt es 38 anglikanische Nationalkirchen in 26 Kirchenprovinzen, darunter in den USA.

Sd/pg (dpa/afp/epd/KNA)