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Afrika

Leymah Gbowee: gewaltfreier Protest in weiß

Sie kämpfte gemeinsam mit den Frauen in Liberia für Frieden. Für ihr Engagement erhielt Leymah Gbowee jetzt den Friedensnobelpreis.

Leymah Gbowee (Foto: dapd)

Leymah Gbowee

Leymah Gbowee war 17 als in ihrem Heimatland Liberia 1989 der Krieg ausbrach. Sie kam frisch von der High-School, als Kriegsherr Charles Taylor den damaligen Präsidenten Samuel Doe stürzte. Für die junge, 1972 geborene Schulabsolventin, die gerade ihr Medizinstudium aufnehmen wollte, brach damals eine Welt zusammen. Viel ist seither passiert, in Liberia und in Leymah Gbowees Leben, das eng mit dem Schicksal ihres Landes verwoben ist.

Gemeinsamer Kampf für den Frieden

Liberias ehemaliger Präsident Charles Taylor (Foto: dpa)

Liberias Ex-Diktator Taylor muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten

Als Charles Taylor 1997 Präsident wurde und der brutale Konflikt im Land sich immer weiter zuspitzte, fasste Gbowee einen Entschluss: Sie wollte für den Frieden in Liberia kämpfen, zusammen mit den Frauen in ihrem Land. Die junge Frau, die bis dahin traumatisierte Kinder und Bürgerkriegsflüchtlinge betreut hatte, fand schnell Unterstützerinnen für ihr Ziel, sowohl bei Christinnen als auch Musliminnen in Liberia. Sie trafen sich zu Versammlungen und gewaltfreien Demonstrationen. Bei ihren Gebeten und Protestaktionen trugen die Frauen weiße T-Shirts – als Zeichen für den Frieden. "Es war eine Armee von Frauen in weiß, die sich erhoben, als es niemand sonst wagte", schreibt Gbowee in ihrer Autobiographie. "Wir hatten keine Angst, denn die schlimmsten Dinge, die man sich vorstellen kann, waren uns bereits passiert". Viele Liberianer glauben heute, dass der Bürgerkrieg mit über 250.000 Todesopfern bis heute andauern würde, hätte es die "Frauen in weiß" nicht gegeben.

Mit Sexentzug Politik machen

Teilnehmerinnen eines Frauenkolloquiums in Monrovia (Foto: Bettina Ambach)

Viele Liberianerinnen sind politisch engagiert

2002 gründete sie die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace", die Massenbewegung liberianischer Frauen für den Frieden. Aufsehen erregte vor allem der "Sex-Streik", eine Aktion bei der die Frauen des Landes die Männer mit Sexentzug zu einer friedlichen Politik zwingen wollten. Im Jahr 2004 wurde Gbowee zudem in die Wahrheits- und Versöhnungskommission Liberias berufen, die es sich nach südafrikanischem Vorbild zur Aufgabe gemacht hat, Dialog und Stabilität wieder herzustellen. Zwei Jahre später wurde sie zur Beraterin des "Women Peace and Security Network" ernannt. Heute leitet sie die Organisation, deren Hauptsitz in Ghana ist. Derzeit lebt sie dort – gemeinsam mit ihrer Familie.

Autorin: Katrin Ogunsade (mit afpe, rtre, dpa)
Redaktion: Stefanie Duckstein