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Sport

Lewandowski, Bayern und die Gerüchteküche

Geht Robert Lewandowski nach München? Momentan will keiner außer Lothar Matthäus die Fragen definitiv beantworten. Aber solche Transfers kennt man von den Bayern, meint DW-Sportautor Jefferson Chase.

So viel ist schon klar: 2012/13 ist die Saison, in der der deutsche Rekordmeister FC Bayern München zu seiner alten Form und Stärke zurückgefunden hat. Und dass die Münchener versuchen, womöglich die Konkurrenz durch Transfers zu schwächen, hat eine lange Tradition in der Bundesliga. Deswegen wirkte Lothar Matthäus am vergangenen Samstag etwas glaubwürdiger als üblich, als er im Fernsehen behauptete, Bayern sei schon einig mit Dortmunds polnischem Stürmer. Lewandowski könnte sogar schon im Sommer kommen, wollte Matthäus von einem "Insider" erfahren haben. Die Ablöse würde 25 bis 30 Million Euro betragen.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß antwortete prompt wie süffisant mit einer höhnischen Bemerkung über Lothars neueste Frauengeschichten – ein "Ablenkungsmanöver", schreibt der "Südkurier". Karl-Heinz Rummenigge spricht von der Wichtigkeit, "souverän und entspannt" mit solchen Gerüchten umzugehen – ohne sie zu dementieren. Lewandowski, dessen Vertrag bei Dortmund 2014 ausläuft, soll derweil schon im Visier von Manchester United sein. Es wäre fahrlässig von Bayern München, einen der besten Angreifer der Bundesliga aus dem Auge zu lassen. Ein Angebot von Uli Hoeneß würde der offenbar wechselwillige polnische Nationalspieler sicherlich nicht sofort ausschlagen. Dortmund mag wohl noch amtierender deutscher Meister sein, die erste Adresse im deutschen Fußball ist mit Blick auf die Tabelle aber ganz klar wieder München.

Goodbye Gomez?

Gründe genug, die Gerüchte um einen möglichen Wechsel Lewandowskis ernst zu nehmen. Dortmunds Geschäftsführer Watzke reagiert nur noch mit genervtem Schweigen auf Fragen zu Lewandowkski. Innerlich könnte er sich aber schon mit der Möglichkeit abgefunden haben, dass der Pole weiterzieht. Nur: Was wird im Falle eines Transfers von Lewandwoski nach München aus den Stürmern, die die Bayern schon haben?

Mario Gomez (r.) (Foto:dpa)

Die Tage von Mario Gomez (r.) in München könnten gezählt sein. Interessenten düfte es genügend geben

Mario Gomez, Mario Mandzukic, Claudio Pizarro und möglicherweise Lewandowski: Vier Top-Torjäger braucht nicht mal Bayern München. Die Verunsicherung ist daher Mario Gomez momentan anzusehen. Der deutsche Nationalstürmer durfte ausnahmsweise am Wochenende von Beginn an spielen und bedankte sich überschwänglich bei Trainer Jupp Heynckes dafür, dass er helfen durfte, Schalke auseinanderzunehmen. Sogar ein Tor – lediglich sein drittes in dieser Saison – gelang ihm. Dennoch konnte sich der ehemalige Bundesliga-Rekordtransfer einen kleinen Seitenhieb gegen das Bayern-Management nicht verkneifen. "Ein Bekenntnis im Moment sieht anders aus, für die Stürmer, die da sind", antwortete Gomez auf die Frage, was er von dem Wirbel um Lewandowski halte.

Mandzukic hat die besseren Karten

Derzeit kommt Gomez nicht vorbei an Mario Mandzukic, der mit seinen 14 Treffern ein Top-Transfer dieser Spielzeit ist. Den Kroaten können die Bayern unmöglich abgeben, nachdem er alle Erwartungen übertroffen hat. Eine Verpflichtung des 24-jährigen Lewandowski müsste zwangsläufig das Aus für den 27-jährigen Gomez bedeuten. Ironischerweise hat Gomez gerade letzten April in München verlängert. So schnelllebig ist das Fußball-Geschäft.

Irgendwie hat sich Gomez trotz seiner 67 Treffer in 103 Pflichtspielen nie richtig beliebt gemacht in der bayrischen Hauptstadt. Nachdem er 2009 für 35 Millionen Euro aus Stuttgart nach München kam, wurde er erst zweite Wahl hinter Ivica Olic. In den beiden letzten Saisons schoss Gomez dann zwar viele Tore, gewann aber mit Bayern in dieser Zeit keine Titel. Die Weichen für die immer wahrscheinlicher werdende diesjährige Meisterschaft wurden größtenteils ohne ihn gestellt. Ein Münchener Held ist der gebürtige Schwabe nicht.

Entscheidungsträger Pep

Altstar Lothar Matthäus will derweil mit Uli Hoeneß um 10.000 Euro wetten, dass Lewandowski bis Sommer 2014 in München ist. Eine noch sicherere Wette ist, dass der angehende Bayern-Trainer Pep Guardiola bereits jetzt ein gewichtiges Wort darüber mitredet, wer kommt und geht. Vor diesem Hintergrund sieht es nicht besonders gut für Gomez aus. Der flinke Lewandowski würde besser zu einem neuen bayrischen Tiki-Taka passen, als Gomez, der eher den klassischen Mittelstürmer à la Miroslav Klose und Luca Toni verkörpert. Bekanntlich ließ Hoeneß auch die beiden gehen, nach getanem Dienst.

Pep Guardiola (l.) und Jupp Heynckes (Foto: Twitter)

Vieles wird sich beim FCB ändern, wenn Pep Guardiola (l.) das Amt von Jupp Heynckes (r.) übernimmt

Manchester City und der AC Florenz sollen angeblich Interesse an Gomez gezeigt haben. Wenn alles glatt liefe, könnte ein Gomez-Verkauf sogar die Lewandowski-Kosten decken. Der Transferwert des noch Bayern-Stürmers wird auf bis 43 Millionen beziffert – es wäre sicher kein schlechtes Geschäft für die Bosse in München.

Uli Hoeneß als Darth Vader der Bundesliga

Aber: Es gibt natürlich keine Garantie, dass sich Lewandowski beim Rekordmeister durchsetzen wird. Da die Bayern aber Mandzukic in petto haben, wäre das Risiko verträglich. Und noch ein Vorteil eines Lewandowski-Wechsels: Der ärgste Bundesliga-Rivale Dortmund hätte erstmals das Problem, adäquaten Ersatz zu finden. Bayernhasser sehen in Uli Hoeneß daher eine Art Darth Vader, der die absolute Beherrschung des deutschen Fußballuniversums anstrebt. Lewandowski von Dortmund wegzulocken, wäre zweifelsohne ein Schritt in diese Richtung.

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