Lewandowski-Agent Zahavi: Der erfolgreiche Netzwerker | Sport | DW | 30.05.2018
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Fußball

Lewandowski-Agent Zahavi: Der erfolgreiche Netzwerker

Er berät die Stars im Fußball. Selber will er keiner sein: Pinhas Zahavi ist als Spielerberater im Hintergrund für die ganz großen Transfers verantwortlich. Nun will er Robert Lewandowski vom FC Bayern loseisen.

Er ist tatsächlich bei LinkedIn registriert. Dabei ist sein persönliches Netzwerk wohl besser mit prominenten Namen bestückt als das soziale Netzwerk mit seinen über 500 Millionen Nutzern weltweit. Pinhas "Pini" Zahavi hat als Spielerberater im Fußball ebenso enge Kontakte zur israelischen und russischen Regierung wie zum argentinischen Geheimdienst. Und auch die Vereinsbosse der ganz großen Fußballklubs kennt er persönlich. "Er ist ein Mensch, den Spieler als Berater haben möchten. Ein netter Mann, der sehr geschäftstüchtig ist und alle wichtigen Leute im Fußball kennt", erklärt ein israelischer Landsmann und Journalist, der Pini Zahavi persönlich kennt, aber nicht namentlich genannt werden will.

Zahavi versteht die Mechanismen der Fußball- und Medienbranche

Pini Zahavi ist mittlerweile 74 Jahre alt und zieht noch immer als Strippenzieher hinter den Fußballkulissen die Fäden. Unterschiedlichste Personen und Interessen zusammen zu bringen und Verträge auszuhandeln, das ist sein Ding. Dabei stehen oft andere Agenten als offizielle Berater der Spieler in der Öffentlichkeit, während er im Hintergrund bereits alles vorbereitet hat. Er meidet das Rampenlicht, während in den letzten Jahren vor allem die beiden Agenten Jorge Mendes und Mino Raiola für Schlagzeilen gesorgt haben. Umso erstaunlicher ist es, dass er jetzt in einem Land, in dem er bisher kaum in Erscheinung getreten ist, von sich Reden macht. Es geht um die wohl brisanteste Bundesliga-Transferpersonalie in diesem Sommer: Robert Lewandowski vom FC Bayern München.

Deutschland 1. FC Köln - FC Bayern München | Robert Lewandowski (picture-alliance/Fotostand/Ellerbrake)

Wird Lewandowski der nächste große Coup von Zahavi?

"Robert fühlt, dass er eine Veränderung und eine neue Herausforderung in seiner Karriere braucht. Die Verantwortlichen des FC Bayern wissen darüber Bescheid", gab  Pini Zahavi gegenüber der SportBild zu Protokoll, wohl wissend, das der polnische Nationalstürmer noch bis 2021 Vertrag hat. "Wenn er sich so deutlich gegenüber der Bild, der größten Zeitung äußert, dann ist das kein PR-Gag", meint die ungenannte Quelle. "Er weiß genau, wann er reden und wann er schweigen muss. Er weiß, wie und welche Journalisten er aussuchen muss, so dass er, seine Klienten und die Journalisten selbst davon profitieren."

Paris St. Germain? FC Chelsea? Oder doch Manchester United?

Ein Pini Zahavi, der erst seit März dieses Jahres den Stürmer betreut, hätte also solche Äußerungen nicht getätigt, hätte er nicht schon längst Kontakt mit anderen Klubs aufgenommen. Mit dem katarischen Klubeigner von Paris St. Germain beispielsweise, Nasser Ghanim Al-Khelaifi. Die beiden hatten sich bereits nach dem 222-Millionen-Rekordtransfer von Neymar, den Pini Zahavi eingefädelt und nach Schätzungen rund 38 Millionen eingebracht hat, herzlich in die Arme geschlossen. Vielleicht versucht er aber auch, Lewandowski beim FC Chelsea unterzubringen. Schließlich war es Pini Zahavi selbst, der seinen Bekannten Roman Abramowitsch dem Ex-Chelsea-Chef Trevor Birch vorstellte und so 2003 den Verkauf des englischen Fußballvereins an den russischen Milliardär einfädelte. Mit den Verantwortlichen bei Manchester United wird Pini Zahavi vermutlich ebenfalls schon gesprochen haben. ManUnited-Trainerlegende Sir Alex Ferguson zählt zu seinem Freundeskreis, einige bekannte Spieler hat er bei den Red Devils untergebracht und so unter anderem Rio Ferdinand 2002 mit 45 Millionen zum damals teuersten Verteidiger der Welt gemacht.

Frankreich Ligue 1 | Israelische Fußball-Agent Pinhas Pini Zahavi mit PSG-Präsident Nasser Al Khelaifi (Imago/E-PRESS PHOTO.com)

Sie eint das große Geld und der Fußball: Pinhas Zahavi und PSG-Präsident Nasser Al Khelaifi

Trotz seiner engsten Verbindungen zum FC Barcelona oder Real Madrid scheint ein Wechsel von Robert Lewandowski nach Spanien dagegen unwahrscheinlich. Das hat aber weniger mit Pini Zahavi zu tun, schließlich hat er mit Gonzalo Higuain, Javier Mascherano und Zlatan Ibrahimovic auch andere Fußballstars dorthin vermittelt. Aber Real soll nach den eher enttäuschenden Auftritten des FC Bayern-Stürmers in der Champions League gegen die Königlichen Abstand von einer Verpflichtung genommen haben. Und der FC Barcelona ist offensiv bereits top besetzt.

Gewiefter Geschäftsmann

Pini Zahavi, der einst als Sportjournalist die Bedeutung des Networking früh verstand, knüpfte als Reporter bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland erstmals Kontakte mit Spielern seines Lieblingsvereins, dem FC Liverpool. 1979 erhielt er für die doch eher zufällige Vermittlung des israelischen Spielers Avi Cohen an den LFC eine Provision - und fand Gefallen an diese Art von Geschäften. Die sollen nicht immer ganz koscher sein. Regeln, wie die vom englischen Fußball-Verband, dass Verhandlungen ohne Zustimmung des Vereins verboten sind, umgeht er ebenso geschickt, wie er Schlupflöcher und obskure Geldflüsse findet, um wie beim Neymar-Deal das Financial Fairplay der UEFA auszuhebeln.

Israel Fußballspieler Rio Ferdinand mit Fußball-Agent Pini Zahavi im Tel Aviv Hotel (2008) (Getty Images/E. Dayan)

Verstehen sich auch privat bestens: Rio Ferdinand und Zahavi

Diverse Briefkastenfirmen in aller Welt werden mit Pini Zahavi in Verbindung gebracht. Er gründete auf Gibraltar die HAZ Sports Agency und erwarb über diese Firma den FC Locarno, über den er dubiose Transfers wie den von Gonazlo Higuain abwickeln lässt. Und er ist ein großer Verfechter und erfolgreicher Betreiber des "Third Party Ownership", das Halten von Transferrechten an Spielern und das Verdienen an deren Weiterverkauf. "Ich bin kein Berater mehr. Ich besitze Spieler. Das ist die Zukunft“, hatte er einst gegenüber dem Chef der englischen Premier League, Richard Scudamore, gesagt.

Wird der FC Bayern überhaupt mit Zahavi verhandeln?

Warum sowohl Spieler als auch Vereine ihm trauen und Geschäfte mit ihm machen? "Er steht zu seinem Wort. Er ist kein Lügner", so der israelische Journalist. Ob er so auch den Familienbetrieb des FC Bayern München und dessen Präsident Uli Hoeneß überzeugen kann? Der gilt nicht als großer Freund von Spielerberatern. Hoeneß hatte bereits Berater Maik Barthel kritisiert, der erfolglos versucht hatte, einen Wechsel von Robert Lewandowski zu forcieren. Auch gilt der FCB-Präsident als Gegner der abstrusen Transfersummen. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hingegen sagte erst kürzlich, dass auch der FC Bayern wohl in baldiger Zukunft 80 bis 100 Millionen Euro in die Hand nehmen muss, um einen sehr guten Spieler zu kaufen. Das, oder sogar ein bisschen mehr, wäre in etwa wohl auch die Summe, die ein Lewandowski-Verkauf mit Hilfe von Zahavi einbringen könnte. 

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