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Wissen & Umwelt

Leuchtende Affen-Babys

Affen, die gentechnisch verändert wurden, haben die eingepflanzten Gene an ihre Nachkommen weitergegeben. Das ist eine Weltpremiere, aber ist es auch ein Meilenstein in der medizinischen Forschung?

Weißbüschelaffen-Baby mit grün leuchtenden Fußsohlen (Foto: E. Sasaki)

Niedliches, aber genetisch verändertes Weißbüschelaffen-Baby mit grün leuchtenden Fußsohlen

Das Experiment gelang einem japanischen Forscherteam um Erika Sasaki vom Zentralinstitut für Experimentaltiere an der Keio-Universität. Versuchstiere waren brasilianische Weißbüscheläffchen (Callithrix jacchus). Die Forscher schleusten zahlreichen Embryonen ein neues Gen ein, das in der Lage ist, einen Organismus zum Leuchten zu bringen. Dieses so genannte grün fluoreszierende Gen wurde ursprünglich in Quallen nachgewiesen und eignet sich in der Medizin und Genforschung hervorragend als Biomarker, weil es bei Bestrahlung mit ultraviolettem Licht neongrün aufleuchtet und sich somit deutlich sichtbar im Körper nachweisen lässt.

Für die Entdeckung und Weiterentwicklung des grün fluoreszierenden Proteins (GFP) erhielten Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien im Jahr 2008 den Nobelpreis für Chemie.

Im UV-Licht grün leuchtende Maus (Foto: dpa)

Im UV-Licht leuchten die Zellen dieser Maus grün. Dem Tier wurde das grün fluoreszierende Protein (GFP) injiziert.

Nachdem die Weißbüscheläffchen geboren waren, leuchteten sie an verschiedenen Stellen grün, entwickelten sich ansonsten aber normal, berichten die Forscher im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature". Das Besondere aber sei, schreiben sie, dass auch ein Teil der Nachkommen leuchtete. "Das ist der erste bekannte Fall in der Welt, in dem ein eingeschleustes Gen erfolgreich auf die nächste Primatengeneration vererbt wurde."

Neues Modell-Versuchstier?

Weißbüscheläffchen gehören zu den kleinsten Primatenarten. Sie werden zwischen 20 und 25 Zentimeter groß (Körperlänge, der Schwanz misst noch einmal 30 Zentimeter). Da sie zumindest relativ eng mit dem Menschen verwandt sind und sich zudem zahlreich fortpflanzen, eigneten sie sich sehr viel besser als die üblichen Versuchstiere - Ratten und Mäuse -, um komplexe Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer zu untersuchen und Medikamente zu testen, so die Forscher.

Weißbüscheläffchen (Foto: dpa)

Weißbüscheläffchen sind zwar weniger eng verwandt mit dem Menschen als Rhesusaffen oder Paviane, dafür handlich klein und fortpflanzungsfreudig

Voraussetzung dafür wäre, dass es tatsächlich gelingt, ganze Kolonien solcher genetisch veränderter, kranker Affen für die biomedizinische Forschung zu züchten. Genau das sei das Ziel, versichern die japanischen Forscher. Bereits im vergangenen Jahr hatten Genetiker einen Affen gezüchtet, der an der Huntington-Krankheit leidet. Da sich das neue Gen aber nicht voll in das Erbgut einfügte, gab der Affe es nicht an seine Nachkommen weiter.

Wirklich ein Meilenstein?

Genau das scheint jetzt aber funktioniert zu haben, wenn auch nicht ganz problemlos. Nachdem die japanischen Forscher insgesamt 80 gentechnisch veränderte Embryonen in sieben Affenweibchen eingepflanzt hatten, kam es in vier Fällen zu Fehlgeburten. Schließlich wurden fünf Äffchen geboren, doch nur bei zweien war das eingeschleuste grün fluoreszierende Gen auch in das Genmaterial zur Fortpflanzung integriert. Mit diesen Äffchen konnten die Forscher eine zweite Generation der Leucht-Primaten erzeugen.

Das Experiment aus Japan sei "ohne Zweifel ein Meilenstein" in der Forschung. So kommentieren die amerikanischen Wissenschaftler Gerald Schatten und Shoukhrat Mitalipov (Oregon Health and Sciences University) das japanische Experiment. Doch Kritiker sehen in dem Experiment eine Vorstufe zum gentechnisch veränderten Menschen. Weshalb sollte es nicht eines Tages funktionieren, auch menschliche Embryonen gentechnisch so zu verändern, dass sie die gewünschten "guten" Gene auch an die nächsten Generation weitergeben? Nötig sei deshalb "eine realistische Politik", um gentechnisch veränderte Babys beim Menschen auszuschließen, fordern Schatten und Mitalipov schon jetzt.

Autorin: Judith Hartl

Redaktion: Thomas Grimmer