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Sport

Letzter Höhepunkt der Vielseitigen

Egal ob im Holzoval, auf der Straße oder im Kampf gegen die Uhr - Judith Arndt, Deutschlands erfolgreichste Radsportlerin, war überall erfolgreich. Ihre Karriere beendet sie nun standesgemäß - mit WM-Gold.

Mit einer eindrucksvollen und souveränen Fahrt zum WM-Titel hat Judith Arndt ihrer Karriere einen goldenen Schlusspunkt gesetzt. Im Einzelzeitfahren der Rad-Weltmeisterschaft von Valkenburg war Arndt von keiner Konkurrentin zu schlagen und verteidigte ihren Titel somit erfolgreich. Der inzwischen 36-jährigen Ausnahmeathletin gelang so ein versöhnliches Ende einer Karriere, die auch von vielen zweiten Plätzen geprägt war.

Vielseitigkeit, Tempohärte und eine große Portion Ehrgeiz - mit diesen Eigenschaften hat Judith Arndt mehr als ein Jahrzehnt in der Weltspitze der Radsportlerinnen mitgemischt. Die Rad-WM im niederländischen Valkenburg ist ihr letzter Auftritt, danach wird sie ihre Karriere beenden. Als dreifache Weltmeisterin und erfolgreiche Medaillenjägerin bei Olympia kann sie auf viele Erfolge zurückblicken. Auch wenn ihr in großen Rennen häufig das nötige Glück fehlte: "Ich werde immer nur Zweite. Ich weiß auch nicht warum", sagte sie beispielsweise nach Rang zwei im Einzelzeitfahren bei der WM 2010 in Australien. Jetzt, zum Abschluss ihrer Laufbahn, klingt das versöhnlicher: "Ich bin sehr, sehr glücklich, bei meinen letzten Olympischen Spielen noch einmal eine Medaille gewonnen zu haben", freute sich Arndt im August nach dem Gewinn der Silbermedaille im olympischen Zeitfahren in London.

Judith Arndt jubelt auf dem Siegerpodest über ihre Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in London (Xinhua/Li Ga XINHUA /LANDOV )

Sechzehn Jahre nach ihrer ersten Olympiamedaille gewann Arndt (l.) Silber in London

Mit Glatze und Geste in die Schlagzeilen

Begonnen hatte ihre sportliche Laufbahn in Berlin. Arndt wuchs südlich der Metropole auf und entdeckte schon als Kind den Spaß an langen Radtouren mit ihrer Familie. Als Jugendliche feierte sie erste sportliche Erfolge. Zunächst war sie vor allem auf den Bahnradsport konzentriert, fuhr aber auch auf der Straße gute Ergebnisse ein. 1996, im Alter von 19 Jahren, kam der Durchbruch: Arndt gewann ihren ersten deutschen Meistertitel auf der Bahn und holte Bronze in der Einerverfolgung bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Wie eigenwillig Arndt ihre Erfolge bisweilen feierte, war damals schon zu sehen. Den Gewinn ihres ersten WM-Titel 1997 zelebrierte sie mit einer Glatze.

Für weitaus mehr Aufsehen sorgte allerdings ihr "Stinkefinger" nach der Zieldurchfahrt im olympischen Straßenrennen 2004 in Athen. Als Gewinnerin der Silbermedaille hatte Arndt eigentlich Grund zur Freude. Mit ihrer Geste brachte sie ihre Wut über die Nicht-Nominierung ihrer damaligen Lebensgefährtin Petra Roßner zum Ausdruck. Mit der sprintstarken Roßner wäre auch die Goldmedaille erreichbar gewesen, so die Ansicht von Arndt, die sich wenig später für die Geste bei den Verbands-Verantwortlichen entschuldigte. Neben dem Erfolg in Athen gewann Arndt im gleichen Jahr die Rundfahrt "Tour du Grand Montréal", holte sich den WM-Titel im Straßenrennen und wurde Vize-Weltmeisterin im Zeitfahren. Der Lohn: Platz eins in der Weltrangliste. "Ich bin durch und durch glücklich", sagte Arndt nach dem Ende ihrer erfolgreichsten Saison.

Zukunft in Australien

Rad fahren ist für Arndt auch nach mehr als einem Jahrzehnt in der Weltspitze die größte Leidenschaft. Auf die Frage, was sie mache, wenn sie nicht auf dem Rennrad sitze, antwortete Arndt: "Dann sitze ich nur herum und weiß nichts mit mir anzufangen." Darüber hat sich die Ausnahme-Athletin kurz vor ihrem Karriereende nun doch schon Gedanken gemacht. Sie strebt ein Soziologie-Studium in Melbourne an. Dort lebt Arndt seit ihrer Hochzeit mit der ehemaligen australischen Weltklasse-Radsportlerin Anna Wilson. Das könnte auch einen sanften Abschied von ihrem geliebten Sportgerät begünstigen. Schließlich beginnt in Australien gerade erst die warme Jahreszeit - ideale Bedingungen für ausgedehnte und entspannte Rennrad-Touren.

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