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Aktuell Nahost

Letzter Akt für Assads Regime

Syriens Staatschef lässt mit Raketen auf Rebellen schießen. Doch die fühlen sich so stark, dass sie eine Intervention des Auslands ablehnen. Und das neue Gesicht des Landes ist endgültig Oppositionschef Al-Chatib.

Die Streitkräfte von Syriens Machthaber Baschar al-Assad bekämpfen die Rebellen nach US-Angaben jetzt auch mit Raketen und Brandbomben. Das Außenministerium in Washington prangerte einen zunehmenden Einsatz von "teuflischen Waffen" an, auch das Weiße Haus zeigte sich besorgt über die "vollkommen unverhältnismäßige militärische Eskalation". Der Beschuss der eigenen Bevölkerung mit Raketen zeige die Verzweiflung von Assad, sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama.

An diesem Donnerstag explodierte in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus eine Autobombe. Nach unbestätigten Angaben von Anwohnern wurden in Katana 16 Menschen getötet und 20 verletzt. Der Anschlag soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben. Unter den Opfern seien auch Schüler, hieß es. Regimegegner berichteten von Luftangriffen auf Ziele in den Vororten Harasta und Samalka.

Scud-Raketen aus Damaskus

Wie die "New York Times" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, feuerten Assad-treue Truppen in den vergangenen Tagen von der Hauptstadt Damaskus aus mehrere Scud-Kurzstreckenraketen auf Stellungen der Rebellen im Norden des Landes ab. Das US-Außenministerium bestätigte die Raketenangriffe, machte aber keine genauen Angaben zum Typ der Geschosse. Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch der syrischen Armee bereits den Abwurf gefährlicher Brandbomben auf die Zivilbevölkerung vorgeworfen.

Video ansehen 01:22

Syrien: 16 Tote nach Bombenanschlag

Verzweiflung bei Assad dürfte sich aber auch noch aus einem anderen Grund einstellen: Denn die Weltgemeinschaft stellte ihn nun endgültig ins politische und diplomatische Abseits. Die Syrien-"Freundesgruppe" aus über 125 Staaten und Organisationen erkannte das Oppositionsbündnis Nationale Koalition als "legitime Vertretung des syrischen Volkes" an. Dies geschah am Mittwoch bei einem Treffen in Marrakesch. Zu der "Freundesgruppe" gehören auch Deutschland, die EU, die USA und viele arabische Staaten. Die Nationale Koalition unter Führung des Geistlichen Muas al-Chatib war erst vor einem Monat gegründet worden. Wegen vieler Streitigkeiten innerhalb der syrischen Opposition war die "Freundesgruppe" vor einer Anerkennung lange zurückgeschreckt.

Der syrische Oppositionschef Moas al-Chatib (Foto: Reuters)

Der Chef der syrischen Opposition, Moas al-Chatib

Tote bei Angriff auf syrisches Innenministerium

Chatib wandte sich auf der Konferenz strikt gegen eine Intervention ausländischer Truppen in Syrien. Die Menschen dort fragten sich, warum jetzt, wo der Sturz des Regimes bevorstehe, über eine Intervention gesprochen werde. Schließlich habe in den vergangenen Monaten, als die Regierungstruppen Wohnviertel bombardierten, niemand eingreifen wollen, so Chatib weiter. Die britische Zeitung "Independent" hatte zuvor berichtet, Großbritannien, die USA, die Türkei und andere Staaten erwögen eine See- und Luftunterstützung für die Regimegegner.

Inzwischen schließt auch Russland einen Sieg der Opposition in Syrien nicht mehr aus. Die Führung verliere mehr und mehr die Kontrolle im Land, sagte Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Deshalb sei eine Niederlage von Präsident Assad möglich, sagte Bogdanow. Zugleich warnte Moskau erneut davor, die Opposition mit Waffen zu unterstützen. Russland stand bisher fest an der Seite des umstrittenen Machthabers.

sti/wa/hp (afp, dapd, dpa)

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