1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Letzte Ruhestätte für Haustiere

Millionen Haustiere landen jedes Jahr auf dem Müll. Doch immer mehr Frauchen und Herrchen wollen diesen herzlosen Weg nicht mitgehen und suchen nach einer Alternative.

default

Liebevoll gepflegte letzte Ruhestätte für den besten Freund des Menschen

Das Haustier! Ganz egal ob Hund, Katze, Häschen oder Meerschweinchen, jahrelang sind sie die Lebensabschnitts-Gefährten Millionen Deutscher. Häufig werden sie sogar mehr geliebt als so manch menschlicher Begleiter, denn Streit und Eifersüchteleien sind in der Beziehung von Mensch und Tier weitgehend unbekannt. Nur das Ende einer solch innigen Beziehung passt häufig nicht zum gemeinsamen Leben. Während man den Artgenossen einen würdigen Abgang zugesteht, werden die tierischen Familienangehörigen eher würdelos "entsorgt".

Doch immer mehr Frauchen und Herrchen wollen diesen herzlosen Weg nicht mitgehen und suchen nach einer Alternative. So wie die Bonnerin Anneliese Miller: "Meinen geliebten Benno einfach in den Müll schmeißen?! Nein, das wäre für mich nie in Frage gekommen!" Betont die nach wie vor sichtlich berührte, alleinstehende Rentnerin. Vor drei Wochen musste sie von ihrem geliebten Dalmatinerrüden Benno Abschied nehmen, was für sich alleine genommen schon schwer genug war. Hätte sie sich darüber hinaus auch noch mit dem makaberen Gedanken abfinden müssen, ihren Benno demnächst in Form von Kosmetika, Waschmitteln oder Weihnachtskerzen im Supermarktregal wiederzufinden, wäre sie schlicht und ergreifend überfordert gewesen.

Die Tierbestattung: eine pietätvolle Alternative

Tierbestattungen in Bonn

Klein und unscheinbar - das Bonner Tierbestattungsinstitut Im Rosengarten

Und so blieb ihr gar nicht anders übrig, als mit Thomas Schönfelder vom Bonner Tierbestattungsinstitut Rosengarten Kontakt aufzunehmen. Der kennt sich mit solchen Problemen aus und weiß, wie er mit trauernden Tierfreunden umgehen muss. "Das erste Gespräch ist das wichtigste! Hier kommt es besonders darauf an, sich mit der Gefühlslage des Kunden vertraut zu machen und ihm oder ihr behutsam zu erläutern, welche Schritte zu tun sind." Neben ein paar unverzichtbaren Formalitäten geht es vor allem um die Frage, wo das Tier abgeholt werden muss und welche Form der Bestattung gewünscht wird. Andernfalls droht Pfiffi oder Hasso ein Schicksal wie den rund eine Million restlichen Haustieren in Deutschland. Die werden nämlich wie ein Haufen Müll von den Tierarztpraxen in die so genannten Abdeckereien transportiert. Der Rest ist nichts für schwache Tierfreundnerven.

Vom Haustier zum Rohstoff

Nachdem die toten Tiere zunächst enthäutet wurden, werden sie anschließend zusammen mit Schlachtabfällen bei 133 Grad sterilisiert, um Krankheitserreger abzutöten.

In industriellen Mühlen, die wie Häckselmaschinen arbeiten, werden die Körper dann zerkleinert und schließlich in vollautomatischen Großkesseln verkocht. Die so gewonnenen Rohstoffe Tiermehl und - vor allem - Tierkörperfett sind längst zum Industrieprodukt geworden: Basis für die Herstellung von Schmier- und Industrieölen, Leim und Kleber, Lacken und Kerzen, Waschmitteln und wichtige Bestandteile für die Kosmetikindustrie. Knochenmehl kommt in Zahnpasta und Vitaminpräparate. Tierfett wird in Fettsäuren aufgespalten und zu Creme verarbeitet.

Mehrere 100.000 Tonnen "Fleischabfall aus Haustieren" werden so pro Jahr in Deutschland verarbeitet. Für Experten eine "saubere, umweltfreundliche und vor allem lukrative Lösung", für Herrchen und Frauchen schlicht eine Horrorvorstellung. Und so steigt die Zahl der Tierliebhaber stetig, die sich ihr gutes Gewissen je nach Art der Einäscherung schon mal mehrere hundert Euro kosten lassen, stellt Schönfelder mit einer gewissen Gunugtuung fest.

Dabei gibt es mehrere Formen der Einäscherung, erläutert der gelernte Kaufmann weiter: "Sie können wählen zwischen einer Einzel- oder einer Sammeleinäscherung. Wenn Sie ihr Tier allein verbrennen lassen, können sie es danach mit nach Hause nehmen, andernfalls wird die Asche auf einer Streuwiese verteilt."

Im Fall einer Einzeleinäschrung kann das hinterbliebene Herrchen oder Frauchen frei entscheiden wo ihr geliebtes Haustier seine letzte Ruhestätte finden soll. Auch das ist wiederum nur eine Frage der räumlichen oder auch finanziellen Möglichkeiten. Die preiswerteste Variante wäre ein Platz auf dem Kaminsims oder der heimischen Fensterbank. Aber auch gegen eine Grabstätte im eigenen Garten hat der Gesetzgeber nichts einzuwenden.

Letzte Ruhestätte Tierfriedhof

Tierfriedhof in Kerpen

Kaum von einem herkömmlichen Friedhof zu unterscheiden: der Kleintierfriedhof in Kerpen

Wem das alles nicht so richtig zusagt, dem bleibt als Alternative nur die traditionelle Methode: Der Friedhof der Kuscheltiere. So wie der von Evelyn Schäfer aus Kerpen bei Köln. Auf den ersten Blick sieht hier alles aus wie auf einem in Anführungsstrichen normalen Friedhof. Viele aneinandergereihte Grabstätten, liebevoll gepflegt, mit graviertem Stein und Windlicht. Sogar an eine Abschiedshalle, in der man in aller Stille seinem tierischen Freund Adieu sagen kann, hat die Betreiberin der veterinären Endstation gedacht.

Einzig die Größe der Ruhestätten und die Inschriften lassen erkennen, dass es sich hier um einen Tierfriedhof handelt. Ja selbst die Beerdigungszeremonie weist viele Parallelen auf, berichtet Evelyn Schäfer schon fast ein wenig stolz: " Wer es nicht weiß, wird den Unterschied kaum erkennen. Nur einen Pfarrer oder eine Grabrede werden sie bei uns vergeblich suchen!"

Natürlich ist diese aufwendigste Form der Tierbestattung auch die kostspieligste. Je nach Größe von Tier und Grabstätte können bis zu 800 Euro fällig werden.

Viele Außenstehende werden angesichts solch übertriebener Tierliebe nur abfällig den Kopf schütteln. Doch das stört Anneliese Miller aus Bonn nur wenig, denn sie hat dazu ihre ganz eigene Philosophie, glaubt sie doch fest an etwas Übersinnliches in des Pudels oder Meerschweinchens Kern: "Ich glaube schon, dass auch Tiere eine Seele haben und man sich irgendwo und irgendwann mal wiedertrifft!"