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Wirtschaft

Letzte Galgenfrist für US-Autobauer

Die Zeit läuft: 60 Tage hat US-Präsident Obama dem maroden Autobauer General Motors für eine wirtschaftliche Rosskur gegeben. Chrysler und Fiat haben sich inzwischen auf Rahmenbedingungen für eine Allianz geeinigt.

US-Präsident Barack Obama vor Nationalflaggen (Foto: AP)

Setzt der Autoindustrie die Pistole auf die Brust: US-Präsident Barack Obama

Barack Obama gab sich in seiner Grundsatzrede zur Autoindustrie am Montag (30.03.2009) bei aller Kritik überzeugt, dass die angeschlagene Opel-Mutter General Motors eine Überlebenschance habe. "Wir können nicht, dürfen nicht und werden nicht zulassen, dass unsere Autoindustrie einfach verschwindet", sagte er in Washington. Voraussetzung sei, dass der Konzern eine grundsätzliche und "aggressive" Umstrukturierung durchmache. Das bisher Vorgelegte, so Obama weiter, reiche nicht aus.

Partnerschaft mit Fiat

Der ums Überleben kämpfende US-Autobauer Chrysler hat sich inzwischen mit dem italienischen Fiat-Konzern auf die Rahmenbedingungen für die angestrebte Allianz geeinigt. Die Vereinbarung habe die Unterstützung des US-Finanzministeriums, teilte Chrysler am Montag am Sitz in Auburn Hills (Michigan) mit. Das endgültige Abkommen stehe aber noch aus, stellte der US-Hersteller später klar. US-Präsident Barack Obama hatte zuvor weitere Unterstützung für Chrysler ausdrücklich von einer Partnerschaft mit Fiat abhängig gemacht. Chrysler alleine sei nicht überlebensfähig. Obama gab Chrysler 30 Tage bis Ende März Zeit, die bereits im Januar erstmals angekündigte Allianz unter Dach und Fach zu bringen.

Ex-GM-Chef Rick Wagoner (Foto: AP)

Vor die Tür gesetzt: Ex-GM-Chef Rick Wagoner

GM und Chrysler haben bisher insgesamt 17,4 Milliarden Dollar an Staatskrediten erhalten. Die Opel-Mutter fordert zusätzliche 16,6 Milliarden. Überkapazitäten, eine irregeleitete Modellpolitik und hohe Produktionskosten haben die Detroiter Konzerne in die Knie gezwungen. Allein General Motors häufte zwischen 2005 und 2008 etwa 73 Milliarden Dollar Verluste an. "Wir können nicht weiter schlechte Entscheidungen entschuldigen", tadelte der US-Präsident. "Es war ein Führungsversagen von Washington bis Detroit, das uns an diesen Punkt geführt hat."

Bereits wenige Stunden zuvor hatte die US-Regierung in einem bisher beispiellosen Eingriff in die Personalführung eines Privatkonzerns GM-Chef Rick Wagoner den Stuhl vor die Tür gesetzt. Dass sein Rücktritt Voraussetzung für weitere Staatshilfen sei, wurde Wagoner im Weißen Haus persönlich mitgeteilt. Auf seine Pensionsansprüche von rund 20 Millionen Dollar muss er nicht verzichten. Dies bestätigte eine Sprecherin des angeschlagenen Autokonzerns in Detroit. Eine zusätzliche Abfindung erhalte der 56-Jährige aber nicht. Sein Interimsnachfolger wird GM-Manager Fritz Henderson.

Verhandlungen unter Hochdruck

General Motors hat bereits angekündigt, bis Ende des Jahres 47.000 Mitarbeiter zu entlassen und bis 2012 sein Händlernetz um 25 Prozent zu verkleinern. Dem Präsidenten ist das zu wenig. Er verlangt einschneidendere Maßnahmen. Die Verhandlungen über Opfer bei Angestellten, Pensionären, Gläubigern und Anteilseignern werden in den kommenden Wochen unter Hochdruck fortgesetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Foto: AP)

Wird jetzt mit Spannung bei Opel in Rüsselsheim erwartet: Kanzlerin Angela Merkel

Unterdessen geht die Hängepartie für die mehr als 25.000 Opel-Mitarbeiter weiter. Die von Präsident Obama nun gesetzte zweimonatige Galgenfrist könnte auch die Bundesregierung abwarten, bis sie eine Entscheidung über mögliche Hilfen für die GM-Tochter am Abgrund trifft. Bundeskanzlerin Angela wird am Dienstag in der Rüsselsheimer Zentrale erwartet. "Aktuelle Einschätzungen" seien von ihr zu erwarten, hieß es im Vorfeld aus Berlin. Mit Kommentaren zum jetzt härteren US-Kurs hielt man sich zunächst zurück. (win/gri/fg/je/ap/dpa/rtr)

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