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Aktuell Welt

Letzte Ehre für König Abdullah

Weit mehr als eine Protokoll-Visite: Wenn Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zum Kondolenzbesuch nach Saudi-Arabien reisen, dann stärken sie auch die Beziehung zu einem der wichtigsten Bündnispartner des Westens.

Einen Tag nach der Beerdigung des saudischen Königs Abdullah haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt dem Monarchen die letzte Ehre erwiesen. Abdullahs Nachfolger und Halbbruder Salman empfing im Königspalast der Hauptstadt Riad unter anderem Prinz Charles und Premierminister David Cameron aus Großbritannien, König Felipe VI. aus Spanien, Frankreichs Präsidenten François Hollande und Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Deutschland wurde auf Bitten von Kanzlerin Angela Merkel von Altbundespräsident Christian Wulff vertreten. Wulff war im arabischen Nachrichtensender Al-Arabija kurz bei seiner Beileidsbekundung im Königspalast zu sehen. Weder Merkel noch Bundespräsident Joachim Gauck reisten nach Riad. Gauck feiert an diesem Samstag seinen 75. Geburtstag, Merkel war zuletzt bei ihren Auftritten in Davos und in Florenz schwer erkältet.

Obama verkürzt Indien-Besuch

US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle wollen am Dienstag in das streng islamische Land reisen, um dem neuen König ihr Beileid auszusprechen. Dafür wurde ein Besuch Obamas am Taj Mahal in Indien abgesagt. Der schiitische Iran schickt trotz langjähriger Feindschaft mit Riad Außenminister Mohammed Dschawad in das streng sunnitische Königreich. Andere Trauergäste wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan waren bereits am Freitag nach Saudi-Arabien gereist.

Abdullah bin Abdul Asis al Saud war am Donnerstag nach langer Krankheit mit über 90 Jahren gestorben. Bereits am Freitag war die Macht in dem konservativen Golf-Königreich reibungslos an Halbbruder Salman übergegangen. Beobachter erwarten, dass der 79-jährige neue Regent den Kurs seines Vorgängers fortsetzt.

Prügelstrafe für Blogger Badawi

Das ölreiche Golf-Königreich steht wegen Menschenrechtsverletzungen immer wieder in der Kritik. Aktuell sorgt die Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Aktivist war zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt haben soll.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier versicherte, dass Deutschland sich weiterhin für Badawi einsetzen werde. "Die Strafe für Raif Badawi ist grausam, und sie ist falsch, ungerecht und sowieso völlig unverhältnismäßig", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag". Bürgerrechtler fordern klare Stellungnahmen zur Menschenrechtslage in dem Land.

Bündnispartner des Westens

Steinmeier, der im Februar in den autoritär regierten Wüstenstaat reist, wies zugleich auf die Bedeutung Saudi-Arabiens bei der Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS, früher ISIS) hin. "Dass sich Saudi-Arabien und andere arabische Staaten aktiv an der Allianz gegen ISIS beteiligen - teilweise auch militärisch - ist eine wichtige Voraussetzung für unseren gemeinsamen Erfolg."

Saudi-Arabien ist der wichtigste Verbündete der USA in der Region. Für viele westliche Staaten ist das Königreich zudem ein attraktiver Markt für Waffen und andere Rüstungsgüter. So gehört es zu den wichtigsten Zielländern für deutsche Wehrexporte.

jj/cr (dpa, afp, rtr)