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Wirtschaft

Letzte Chance für Solarworld

Die Gläubiger des insolventen Bonner Unternehmens stimmen dem Verkauf wesentlicher Firmenteile an eine neue Gesellschaft von Solarworld-Gründer Asbeck zu. Ermöglicht wurde der Deal durch Geld aus Katar.

Deutschlands letztes großes Solarunternehmen Solarworld bekommt noch eine Chance: Die deutschen Produktionswerke des seit drei Monaten insolventen Solarmodulherstellers dürfen mit neuem Eigentümer und einer auf 475 Beschäftigte heruntergefahrenen Belegschaft weiterarbeiten. Das billigte eine Gläubigerversammlung des Unternehmens am Freitag in Bonn, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters mitteilte. Einschließlich der Zentrale in Bonn gehe die neue Gesellschaft, die sich Solarworld Industries nennt, mit 515 Mitarbeitern an den Start. An der Spitze steht der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt aus Katar. Solarworld hatte Mitte Mai - unter dem Druck der Konkurrenz unter anderem aus China - nach sechs Jahren mit roten Zahlen Insolvenz angemeldet.

Für weitere 1200 Solarworld-Beschäftigte, die an den beiden Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt nicht mehr benötigt werden, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln. Die Übernahme habe einen Gesamtwert von 96 Millionen Euro, hieß es aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Sitzung. Am Freitag habe auch das Bundeskartellamt die Entscheidung genehmigt, teilte Asbeck mit.

Werk Solarworld Freiberg (picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Es gibt Hoffnung für einen Teil der Beschäftigten, wie hier am Standort Freiberg in Sachsen

In der Solarworld-Zentrale in Bonn waren bereits 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt worden. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft. Ohne die Zustimmung der Gläubigerversammlung hätten fast alle Solarworld-Beschäftigte freigestellt und später entlassen werden müssen. "Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die Solarworld-Fertigungen zu entwickeln", erklärte Asbeck. Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte zuvor für die Entscheidung geworben: "Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung."

"Teilrettung wichtig für deutsche Solarforschung"

Die Gläubiger hätten sich mit ihrer Zustimmung die Chance gesichert, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagte ein Piepenburg-Sprecher am Freitag.  Mit dem Geschäft übernimmt die neue Gesellschaft fast alle Anlagen, Vorräte und die Anteile an den Gesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Sie soll voraussichtlich zugunsten der Konkursmasse verkauft werden. Das neue Rumpf-Unternehmen startet nach Einschätzung von Experten mit deutlich verbesserten Chancen. Vor allem falle das Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg.

Dr Frank ASBECK Vorstandsvorsitzender der Bonn Solarworld AG CEO posiert an einem Bifacialen Glas Gl (Imago/Sven Simon)

Nicht unumstritten: Der als "Sonnenkönig" bekannte Bonner Solar-Unternehmer Frank Asbeck

Der zumindest teilweise Erhalt des Unternehmens sei wichtig für die deutsche Solarforschung, weil sie sonst ihre Anwendungsmöglichkeiten verloren hätte, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Andreas Bett. "Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China."

Gesellschafter von Solarworld Industries sind neben dem in der Branche nicht unumstrittenen Solarworld-Gründer Frank Asbeck ein Tochterunternehmen der Qatar Foundation, die bisher mit 29 Prozent Großaktionär und einer der größten Gläubiger von Solarworld war.

tko/ ww (afp, dpa, rtr)

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