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Fußball

Letzte Chance für Fußballfans

Die Profivereine beschließen einen Verhaltenskodex und wollen mehr in die Sicherheit investieren. Pyrotechnik bleibt tabu und es könnte noch weitere Verbote geben, wenn es in den Stadien nicht friedlicher wird.

Polizisten auf Fußballfeld, während Fans im Hintergrund auf der Tribüne Bengalos abbrennen (Foto: dpa)

Bengalisches Feuer in den Fanblöcken

Während sich die Fußballer gerade auf die neue Saison vorbereiten, denken Funktionäre und Politiker über mehr Sicherheit in und neben den Stadien nach. Unter dem Eindruck zahlreicher Krawalle in der zurückliegenden Spielzeit hatten der Deutsche Fußballbund (DFB) und der Ligaverband (DFL) am Dienstag Vereinsfunktionäre und Innenminister zum Gipfeltreffen nach Berlin eingeladen. Erstes konkretes Ergebnis der Beratungen ist ein von allen Beteiligten unterzeichneter Verhaltenskodex. Darin bekennen sich die Vereine neben der "Verurteilung und konsequenten Bestrafung von Gewalt" eindeutig zum Verbot von Pyrotechnik in Stadien.

Aus Sicht hartgesottener Fans ist das Abbrennen bengalischer Feuer Ausdruck ihrer Begeisterung und Leidenschaft für ihre Vereine. Funktionäre und Politiker hingegen verweisen auf das Gefahrenpotenzial und sehen sich durch die Vorkommnisse in der vergangenen Saison bestätigt. In zahlreichen Partien der ersten und zweiten Liga sowie im Pokalwettbewerb brannten Fans rot leuchtende Fackeln ab oder warfen sie sogar auf den Rasen. Immer wieder mussten Spiele wegen der Rauchentwicklung und wegen Verbrennungsgefahr für Zuschauer und Spieler unterbrochen werden.

Bundesinnenminister Friedrich (erste Reihe, vierter v.l.) im Kreis von Politikern sowie Verbands- und Vereinsfunktionären (Foto: Reuters)

Gemeinsam gegen Gewalt: Bundesinnenminister Friedrich (erste Reihe, vierter v.l.) im Kreis von Politikern sowie Verbands- und Vereinsfunktionären

Notfalls zehn Jahre Stadionverbot

Gewaltbereite Fans, die den Verhaltenskodex ignorieren, müssen künftig mit Stadionverboten von bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren rechnen, kündigte DFL-Präsident Reinhard Rauball an. Erhalten bleiben sollen die Stehplätze in deutschen Stadien, sagte Rauball, der zugleich Präsident des deutschen Meisters und Pokalsiegers Borussia Dortmund ist. Sie seien ein "Markenzeichen des deutschen Fußballs und Symbol für eine einzigartige Fußballkultur". Die Garantie für die vor allem beim harten Kern der Fans beliebten Stehränge steht allerdings unter Vorbehalt. Sollte die Gewalt in der kommenden Saison nicht zurückgehen, könnte es nach seinen Vorstellungen doch noch zu einem Verbot kommen, ließ der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) durchblicken. Man wolle den Fans aber "ihren Spaß und ihre Leidenschaft nicht nehmen", warb der christsoziale Politiker um friedfertiges Verhalten.

Mehr Geld für Fan-Projekte

Um den Dialog mit den Fans zu vertiefen, sollen die Mittel für Fan-Projekte von rund neun Millionen auf 10,5 Millionen Euro erhöht werden. Die Kosten werden künftig zur Hälfte von den Profiklubs übernommen, der Bund und die Kommunen teilen sich die anderen Hälfte. Seit 1992 wurden die Projekte zu je einem Drittel von den Beteiligten finanziert. Es komme darauf an, dass Sport und Politik "an einem Strang ziehen", sagte Bundesinnenminister Friedrich, der die Fan-Projekte als "großen und wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit" würdigte.

Friedrichs Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, der Christdemokrat Lorenz Caffier (CDU), kündigte als weitere Maßnahmen eine bessere Videoüberwachung in Stadien und intensivere Einlasskontrollen an. Zudem wollte er nicht ausschließen, dass Vereine bei anhaltender Gewalt künftig an den Kosten für Polizei-Einsätze beteiligt werden könnten.

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