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Kultur

Letzte Blüte vor dem Ende

180 Meter lang, eine goldfarbene Glasfassade und fast 10.000 Kugellampen – das ist der Palast der Republik. Der Prestigebau der DDR wurde vom Asbest befreit und zum Abriss freigegeben. Aber eine Gnadenfrist hat er noch.

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Nur noch ein Gerippe aus Beton und Stahl

Ein Zentrum für Theater, Konzerte und Ausstellungen soll sie werden: Die Ruine des ehemaligen Volkskammergebäudes der DDR. Eröffnet 1976, tagten hier die Abgeordneten bis zur Auflösung der Volkskammer am 3.Oktober 1990. Heute stehen nur noch das Stahl- und Betongerippe und die Außenfassade. Weil er mit Asbest verseucht war, wurde der Palast danach geschlossen. Schlüssige Konzepte für eine Nutzung – Fehlanzeige. Bis jetzt, denn nun präsentiert das Studio "Urban Catalyst" zusammen mit der Technischen Universität Berlin Möglichkeiten wie der einstige DDR-Bau mit Leben zu füllen ist.

Im einstigen Sitzungssaal, in dem früher 500 Parlamentarier saßen, sollen künftig bis zu 800 Menschen tanzen. Die serbische Künstlerin Marina Abramovic von der Staatsoper Berlin bereitet gerade die deutsche Erstaufführung der Oper "Die Nacht" mit Hölderlin-Texten in dem Gebäude vor. Die Bundeszentrale für politische Bildung will nach den Worten ihres Präsidenten Thomas Krüger eine Ausstellung über die Geschichte der Rock-Musik in Ost- und Westdeutschland zeigen. Außerdem sind Tanz- und Sportveranstaltungen sowie freie Theater- und Musikprojekte geplant. Übrigens alles ohne Kosten für die Steuerzahler: Die Hälfte der geplanten 1,3 Millionen Euro Sanierungskosten sollen von Sponsoren kommen, die andere Hälfte aus Spenden.

Spezialisten für urbane Brachen

Als Denkmal sowohl der autoritären DDR als auch des demokratischen Umbruchs hat "Erichs Lampenladen", wie ihn die Bürger zu Zeiten der DDR spöttisch nannten, einen hohen Symbolwert. Doch die Diskussion um eine Nutzung zog sich über mehrere Jahre. Auch deshalb unterstützt der Architekt Philipp Oswalt den endgültigen Abschied. "Ich finde den Palast städtebaulich nicht sehr gelungen, aber man kann immer noch darüber nachdenken, ob man Teile davon in den geplanten Schlossaufbau integriert", meint der Projektleiter im Gespräch mit DW-WORLD.

Oswalt arbeitet im europäischen Forschungsprojekt Urban Catalyst. In dem Projekt werden leerstehende Flächen auf ihre zeitlich befristete Nutzbarkeit untersucht. Insgesamt 40 Architekten arbeiten in fünf europäischen Städten daran, urbane Brachen kurzzeitig mit Leben zu füllen. Unter anderem in Neapel, Amsterdam, Helsinki und Wien. Für das Haus in Berlin-Mitte hatte sich der Eigentümer, also die Bundesregierung, zur Auflage gemacht, dass der Palast in drei Jahren abgerissen wird.

Faszination Raum

Doch leerstehende Flächen gibt es viele in Berlin, warum entsteht also ausgerechnet ein Konzept für die alte Volkskammer? "Andere Gebäude wären sicher einfacher zu nutzen, aber dieses Gebäude hat eine unglaubliche Tiefe. So eine Leere habe ich noch bei keinem anderen erlebt", meint Oswalt. "Eigentlich sind es ganz banale Strukturen mit den Stützen und Pfeilern aus Beton und Stahl. Aber eine gigantische Konstruktion mit einer beeindruckenden Ästhetik."

Palast der Republik - Berliner Schloß

Von außen noch eher zu erkennen

Der zweite Grund: Urban Catalyst hat sich die Riesenruine ausgesucht, um Aufsehen zu erregen. Die Architekten wollen das gesellschaftliche Bewusstsein für brachliegende Flächen in den Städten fördern. Und das öffentliche Interesse gibt ihnen Recht, meint Oswalt: "Allein in den vergangenen Tagen haben 1500 Menschen unsere Präsentation zum Palast der Republik gesehen. Insofern ist das Vorhaben ein strategisches Projekt."

Noch nicht unter Dach und Fach

Etliche Hürden sind noch zu überwinden. "Es gibt noch keine Entscheidung vom Bund, aber die Anzeichen sind positiv", sagt der Architekt. Für eine Nutzung muss erneut gebaut werden: Von der Entlüftung bis zur Toilette. Bis 2006, dann wird der Palast ein Opfer der Abrissbirne.

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