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Kultur

Lesespaß: Zehn Bücher für den Herbst

Was sind die wichtigsten Romane? Über welche Bücher wird am meisten diskutiert? Und welche sind die erfolgreichsten? Ein Blick auf die Top Ten des Bücherherbstes in Deutschland.

"Kruso" von Lutz Seiler (Verlag Suhrkamp). Der Gewinner des wichtigen Deutschen Buchpreises 2014. Seiler ist eigentlich Lyriker - sein Romandebüt ist eine literarisch anspruchsvolle wie historisch aufregende Reise in den äußersten Norden der DDR. Kurz vor dem Fall der Mauer stellt uns der Autor zwei Charaktere vor, die uns so noch nicht begegnet sind: Ed und Kruso, ein ungleiches Männer-Pärchen, das gute Chancen haben dürfte, sich einzureihen unter die großen Gestalten der deutschen Literatur nach 1945.

"Die Pfaueninsel" von Thomas Hettche (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Der Roman ist ein Sprachkunstwerk ersten Ranges. Ein Buch auch, das den Leser entführt in eine längst vergangene Epoche. Und mit dem kleinwüchsigen Geschwisterpaar Marie und Christian schenkt uns der Autor zwei Charaktere, die man nicht mehr vergisst. Darüber hinaus ist "Die Pfaueninsel" eine wunderbare Reminiszenz an die großen deutschen Romantiker Novalis, Hoffmann und Tieck.

"Aller Liebe Anfang" von Judith Hermann (Verlag S. Fischer). Der erste Roman der einst gefeierten Kurzgeschichtenautorin ("Sommerhaus, später") erschien nicht einmal auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Das kann man nachvollziehen. Die schlichte Prosa der Autorin ist zwar bewußter Stil, aber in ihrer radikalen Nüchternheit kaum faszinierend. Trotzdem: "Aller Liebe Anfang" rief neben radikalen Verrissen auch viel Zustimmung hervor. Und damit auch den heftigsten Streit unter Deutschlands Kritikern in diesem Herbst.

"Die Frau auf der Treppe" von Bernhard Schlink (Verlag Diogenes). Auch das kein Buch für literarisch anspruchsvolle Leserinnen und Leser und für die langen und kurzen Listen des Buchpreises. Aber auch hier gilt: Es ist ein Roman über ein klar umrissenes Thema, so einfach wie präzise zu Papier gebracht. Und Bernhard Schlink, der seit seinem Welterfolg "Der Vorleser" international einer der bekanntesten deutschen Autoren ist, hat seine Fans. "Die Frau auf der Treppe" schoss auf Platz 1 der Bestsellerlisten und hält sich beharrlich in den oberen Rängen.

"Das achte Leben" von Nino Haratischwili (Frankfurter Verlagsanstalt). Viele Kritiker schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, weil der Roman der gebürtigen Georgierin nicht für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Die in Hamburg lebende und auf Deutsch schreibende Haratischwili legt in diesem Herbst den wohl gewichtigsten Roman vor: 1280 Seiten, 100 Jahre Erzählzeit, eine ausufernde literarische Familien-Chronik. Mag sein, dass das auch den Viellesern der Preisjurys zu viel wurde.

"Die Kinder der Freiheit"' von Ken Follett (Verlag Bastei Lübbe). Auch der amerikanische Autor bringt es in seinem neuen Buch auf über 1200 Seiten. Follett blickt in seinem faktengesättigten Historien-Roman auf die deutsche Geschichte: vom Bau der Mauer bis zu deren Fall. Der US-Autor hat wie immer akribisch recherchiert und begeistert damit sein Lesepublikum rund um den Erdball. Ein typischer Fall eines global funktionierenden Bestsellers: routiniert geschrieben, bestens vermarktet.

"The Circle" von Dave Eggers (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Auch US-Landsmann Eggers blickt aufs große Ganze. Doch anders als Follett richtet Eggers sein Augenmerk nicht auf die vergangenen Jahrzehnte, sondern blickt in die Zukunft. "The Circle" malt aus, was uns allen blühen könnte, wenn Google, Amazon und Facebook die Weltherrschaft übernehmen: der perfekt gesteuerte Mensch. Literarisch ist "The Circle" nach Ansicht der meisten Kritiker nicht gelungen. Dafür ist es das Buch mit dem aktuellsten und drängendsten Thema des Jahres.

"Als die Tauben verschwanden" von Sofie Oksanen (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Die junge Erfolgsautorin mit finnischen und estnischen Wurzeln beschreibt Kapitel aus der komplizierten Historie Osteuropas: Zweiter Weltkrieg und Estland, Sowjetmacht und Nazideutschland. Oksanen dringt tief in die Geschichte ihrer Heimat ein. Kritik gab es wegen der flachen Figurenzeichnung und teilweise nationalistischer Töne.

"Haus der Stummen" von John Burnside (Verlag Albrecht Knaus). Als es in seiner Heimat um die Unabhängigkeit ging, war der Schotte Burnside als Kommentator in den Zeitungen präsent. Nun kommt sein Romandebüt auf Deutsch heraus. Wer seine Autobiografie "Lügen über meinen Vater" kennt, eines der eindrücklichsten Bücher der vergangenen Jahre, der ist diesem Autor vielleicht schon verfallen. Und darf nun gespannt sein auf dessen Erstling.

"Verlorene Illusionen" von Honoré de Balzac (Verlag andersseitig.de). Ja, ein Buch, das rund 175 Jahre alt ist! Der Roman wurde jetzt neu übersetzt. Und zeigt, dass die Klassiker, die großen unumstrittenen zumal, die allermeisten Romane aktueller Produktion um Längen hinter sich lassen. Man könnte an dieser Stelle auch die Neuübersetzung des dritten Bandes von Marcel Prousts "Auf der der Suche nach der verlorenen Zeit" nennen. Oder Jane Austens "Stolz und Vorurteil". Oder Michail Bulgakows "Die verfluchten Eier". Und, und, und...

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