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Top-Thema – Podcast

Lesen mit den Fingern

Vor 200 Jahren, am 4. Januar 1809 wurde Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, geboren. Durch die von ihm entwickelte Methode können Blinde ihren Alltag ohne ständige Hilfe von anderen bewältigen.‎

Finger ertasten die Noppen der Brailleschrift

Hier ist guter Tastsinn gefragt

Ein Gegenstand für eine kleine Brailleschrift-Übung findet sich in fast jedem Haushalt: Auf jede Arzneimittelpackung sind kleine Noppen geprägt. Die meisten Sehenden haben Schwierigkeiten, die Anzahl und Anordnung dieser Noppen zu ertasten. Für Eskandar Abadi, Redakteur bei der Deutschen Welle, ist das kein Problem: "Da ist ein sehr durchdachtes System in dieser Codierung drin."

Bei der Brailleschrift stehen für jedes Zeichen sechs Punkte zur Verfügung. Das heißt, es gibt sechs Positionen, auf denen entweder eine Noppe sein kann oder eben keine. Insgesamt macht das 64 Kombinationsmöglichkeiten. Die Brailleschrift ist keine eigene Sprache; sie codiert die Zeichen, die in einer Sprache vorkommen. Und deshalb gibt es neben der ursprünglichen Schrift für lateinische Buchstaben auch Versionen für kyrillische und chinesische Schriftzeichen – und auch eine Fassung für das arabische Alphabet, die der Iraner Eskandar Abadi als Kind gelernt hat.

Abadi ist von Geburt an blind, Renate Reymann jedoch, die Präsidentin des "Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes" (DBSV), musste die Punktschrift erst in der Mitte ihres Lebens erlernen. "Das war für mich noch einmal, als wenn ich mit sechs Jahren in die Schule gekommen wäre." Für sie ist die Brailleschrift nicht nur wichtig, um einen Zugang zu Bildung und Literatur zu haben. Es geht auch um die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben im Alltag zu führen.

Zum 200. Geburtstag von Louis Braille werden in diesem Jahr viele Veranstaltungen angeboten, die auf die Bedeutung der Blindenschrift hinweisen. "Die brauchen wir trotz aller Computertechnik, trotz der E-Bücher und was es alles auf dem Markt gibt", meint Reymann. Das sieht auch Eskandar Abadi so: "Da, wo ich sichergehen muss, da lese ich Braille."


Glossar

ständig – dauernd; immer wieder

etwas bewältigen – etwas schaffen; eine Aufgabe ausführen

Arzneimittelpackung, die – die Verpackung von Medikamenten

Noppe, die – hier: eine kleine Erhöhung oder Erhebung auf einer Oberfläche

etwas (auf/in etwas) prägen – etwas (ein Bild, eine Schrift) in ein festes Material drücken oder pressen, so dass es sehr lange zu sehen ist (z. B. Münzen)

etwas ertasten – etwas erkennen, indem man es nur fühlt, aber nicht sieht

etwas durchdenken – etwas genau überlegen; über etwas in allen Einzelheiten nachdenken

Codierung, die – ein System, bei dem bestimmte Symbole oder Zeichen für andere Symbole oder Zeichen stehen

etwas steht zur Verfügung – etwas kann benutzt werden

Kombinationsmöglichkeit, die – die Möglichkeit, wie man bestimmte Dinge (z. B. Zahlen) anordnen kann

ursprünglich – so, wie etwas zuerst war

Version, die – eine von mehreren Möglichkeiten, wie etwas dargestellt wird

kyrillische Schriftzeichen – die Buchstaben, die z. B. in Russland verwendet werden

Zugang, der – hier: die Möglichkeit, etwas zu erhalten oder etwas zu verstehen

selbstbestimmt – so, dass man nicht von anderen abhängig ist

E-Buch, das – ein Buch, das auf dem Computer zu lesen oder zu hören ist

sichergehen – hier: etwas ganz genau wissen


Fragen zum Text

1. Renate Reymann …

a) ist blind auf die Welt gekommen.

b) musste im Alter von sechs Jahren die Brailleschrift in der Schule lernen.

c) hat als Erwachsene ihr Augenlicht verloren.

2. Welche Aussage trifft zu? Mit der Brailleschrift …

a) wird die internationale Lautschrift wiedergegeben.

b) werden die Buchstaben und Zeichen einer Sprache wiedergegeben.

c) wurde eine neue, selbständige Sprache entwickelt.

3. Wie viele Zeichen können mit der Brailleschrift höchstens dargestellt werden?

a) vierundsechzig

b) zweihundert

c) sechsunddreißig

4. Der Zugang zu Literatur ist für Renate Reymann …

a) nicht so wichtig.

b) auch wichtig.

c) wichtiger als alles andere.

5. Ersetzen Sie in folgendem Satz den Nebensatz: "Weil Louis Braille vor 200 Jahren geboren wurde, werden in diesem Jahr viele Veranstaltungen angeboten."

a) Wegen des 200. Geburtstags von Louis Braille …

b) Trotz des 200. Geburtstags von Louis Braille …

c) Anstatt des 200. Geburtstags von Louis Braille …

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich, z. B. im Internet bei Wikipedia, über die Brailleschrift für lateinische Buchstaben. Suchen Sie sich dann ein (möglichst langes) deutsches Wort aus und schreiben bzw. zeichnen Sie es in Brailleschrift auf einen Zettel. Die Zettel werden anschließend eingesammelt und im Kurs neu verteilt. Übertragen Sie das Wort, das Sie nun erhalten haben, wieder in die lateinische Schrift.

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