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Kultur

Lesen kann man auch woanders

Wo Deutschlands größte Buchmesse denn zukünftig stattfinden solle, wurde unlängst heftig diskutiert. Aber ob nun in Frankfurt oder München - die Frage, ob eine Buchmesse noch zeitgemäß ist, stand nicht zur Debatte.

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Bücher und Themen müssen ihren Reiz haben

Die Umzugspläne der Frankfurter Buchmesse nach München, die vom Schlachtruf "Weisheit gegen Weißwurst" begleitet wurden, haben ein neues Licht auf die durch eine schwache Konjunktur gebeutelte Buchbranche geworfen. Den Verlagen geht es zunehmend schlechter und der Börsenverein stellt sogar seinen traditionellen Standort in Frage, weil das Geld nicht mehr reicht und die Frankfurter Messe GmbH die Kosten in die Höhe treibt.

Die Frankfurter Buchmesse ist mit im letzten Jahr über 6700 Ausstellern nach wie vor mit Abstand die größte der Welt. Über internationale Bedeutung verfügen daneben noch die "London Book Fair", die 1971 ganz klein in einem Hotel anfing, und die "BookExpo America", die seit 102 Jahren an wechselnden Orten in den USA stattfindet und den größten Buchmarkt der Welt abdeckt.

Die Zahl der Aussteller ist in Frankfurt rückläufig. Ein Zeichen dafür, dass die Messestadt für viele Verlage zu teuer geworden ist. Aber auch London und die USA fordern ihren Preis. Beide werden nicht, wie in Frankfurt, von der Buchbranche selbst organisiert, sondern von kommerziellen Ausstellern, die sich für ihre Dienste gut bezahlen lassen.

Image pflegen, Kontakt zum Leser herstellen

Claus Carlsberg, Sprecher des Ullstein Verlags in München, glaubt, dass Buchmessen wirtschaftlich längst unrentabel geworden sind. "Vor zwei Jahren noch haben wir auf der Frankfurter Buchmesse einen großen neuen Stand mit Autorenbühne eröffnet. Nun aber mussten wir uns aus Kostengründen verkleinern. Die Standmieten sind einfach zu teuer."

Trotzdem wollen die meisten Verlage nicht auf eine Messepräsenz verzichten. Keiner möchte die Chance verpassen, sich darzustellen, den Kontakt mit Agenten, Scouts und der Konkurrenz zu pflegen und vor allem mit dem Leserpublikum in Berührung zu kommen. Deshalb sind für Carlsberg besonders die Publikumstage wichtig. Die Leipziger Buchmesse hat ein Rahmenprogramm "Leipzig liest", wo in der ganzen Stadt Literaturlesungen stattfinden. "Diese Messe ist zwar viel kleiner als die in Frankfurt, aber das Publikum nimmt das Rahmenprogramm sehr gut an." Die "London Book Fair" hat einen anderen Zweck. Als Fachmesse ohne Publikum und literarische Events wird sie vor allem von Verlagsleitern besucht, die dort neue Rechte erwerben wollen.

Buchmessen werden noch mehr zu Events

Der Erfolg einer Buchmesse ist für Carlsberg nicht vom Standort abhängig. Für Frankfurt spricht vor allem die Tradition, und die trägt zum Mythos einer Veranstaltung viel bei. Die Umzugspläne drohten den Mythos zu zerstören und erweckten wohl deshalb so viel Aufsehen. Nun aber sieht es so aus, als ob die Tradition wohl doch weitergeführt werden soll. Trotzdem bleibt ein Rest von Unsicherheit über die Zukunft der Buchbranche. In den letzten Jahren sind bereits einige große Medienkonzerne entstanden. Diese Konzentration wird noch zunehmen. Um im Konkurrenzkampf zu bestehen, werden Verlage deshalb noch stärker nach Gelegenheiten suchen müssen, ihre bekannten Autoren öffentlichkeitswirksam wie Stars zu inszenieren und den vielversprechenden Nachwuchs unters Volk zu bringen. Dafür bieten Buchmessen auch in Zukunft das beste Forum. Auch wenn so mancher Messestand demnächst kleiner und bescheidener ausfällt.

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